Da Verbraucher Gen-Food mehrheitlich ablehnen, bieten Lebensmittel-Hersteller fast keine kennzeichnungspflichtigen Produkte an. Dagegen kann der Verbraucher bisher nicht erkennen, ob Milch, Eier oder Fleisch von Tieren stammen, die Gen-Pflanzen gefressen haben. Um auf diese Kennzeichnungslücke hinzuweisen, haben Greenpeace-Aktivisten gestern in Hamburg tierische Lebensmittel, die ein Verbraucher durchschnittlich pro Jahr verzehrt - 66 kg Milch, 61,5 kg Fleisch und 212 Eier - mit dem Aufdruck hergestellt mit Gen-Pflanzen gestempelt. Greenpeace fordert Verbraucherministerin Künast auf, sich in Brüssel für die Schließung der Gesetzeslücke einzusetzen.
Die von der Politik häufig bemühte Wahlfreiheit existiert nicht, solange Produkte, bei deren Herstellung Gen-Pflanzen verfüttert wurden, nicht kenntlich gemacht werden
, sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. Viele Lebensmittel-Hersteller wie Müllermilch oder Herta Wurst ruhen sich auf der Gesetzeslücke aus und setzen weiterhin auf eine Fütterung mit Gen-Pflanzen.
Über 80 Prozent der nach Europa importierten Gen-Pflanzen landen im Futtertrog der Schweine, Milchkühe oder Legehennen. Allein für den Verbrauch genmanipulierter Futtermittel in Deutschland müssen über eine Million Hektar Gen-Soja und Gen-Mais zum Beispiel in den USA und Argentinien angebaut werden. Dies entspricht in etwa der vierfachen Größe des Saarlandes. Greenpeace fordert Lebensmittel-Erzeuger auf, keine Gen-Pflanzen zu verfüttern, um deren Anbau nicht weiter zu fördern. Der Greenpeace-Ratgeber Essen ohne Gentechnik listet für über 500 Hersteller und Marken auf, ob Gen-Pflanzen verfüttert werden oder nicht.
Obwohl als Gen-Food deklarierte Lebensmittel am Markt selten sind, haben die Gen-Detektive von Greenpeace einige Produkte aufgespürt. Dazu zählen Speiseöle aus genmanipulierten Sojabohnen der Marken Sedina, Selsana und Gerlicher. Die vorwiegend in der Gastronomie verwendeten Öle müssen nach der Verordnung auf Speisekarten gekennzeichnet werden. Greenpeace informierte Restaurants und die Branche reagierte prompt: Selsana wurde vom Markt genommen und der Großhändler Fegro strich Sedina aus seinem Sortiment. Verbraucher lehnen Gen-Food ab. Das Beispiel Gen-Öle zeigt, wie kurzlebig diese Produkte sind, wenn der Gesetzgeber die Branche zur Kennzeichnung zwingt
, sagt Brendel.
Inzwischen fordert auch der Europarat von seinen Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament die Gen-Kennzeichnung tierischer Produkte. Auch der deutsche Bundestag hat die Regierung beauftragt, sich auf EU-Ebene für entsprechende Nachbesserungen einzusetzen. Greenpeace-Aktivisten haben bereits 180.000 Unterschriften für eine europaweite
Gen-Kennzeichnungspflicht tierischer Produkte gesammelt.