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Ungarn sagt nein zu Gen-Mais von Monsanto

Das ungarische Landwirtschaftsministerium hat den Anbau des Gen-Maises MON810 vorerst untersagt. Das Verbot gilt ab sofort. Es umfasst die Produktion, Nutzung, Verbreitung und Einfuhr aller Maispflanzen, die von der MON810-Linie des US-Gentechnikkonzerns Monsanto abstammen. Damit ist Ungarn das erste osteuropäische EU-Mitgliedsland, das sich gegen den Gen-Mais entschieden hat.

Als Grund für die Entscheidung gab das Ministerium an, die Ergebnisse laufender Tests abwarten zu wollen. Derzeit wird noch untersucht, ob Gen-Pflanzen konventionell angebaute Nutzpflanzen kontaminieren können. Gegner der Gentechnik gehen davon aus, dass dies der Fall ist. Erfahrungen anderer Länder untermauern diese These. Haben die Gen-Pflanzen sich erst einmal in der Umwelt fortgepflanzt, sind sie nicht mehr rückholbar.

Da die meisten europäischen Verbraucher Gen-Nahrung ablehnen, wäre eine solche Entwicklung für Ungarn fatal. Das Land gehört zu den EU-weit größten Getreideproduzenten. 2004 fuhren die ungarischen Landwirte eine Rekordernte von 16,7 Millionen Tonnen Korn ein. Ein großer Teil davon wurde in die EU exportiert. Der Ertrag allein beim Mais belief sich auf 8,3 Millionen Tonnen.

Greenpeace-Gentechnikexperte Henning Strodthoff zeigte sich erfreut über die Meldung aus Ungarn: Das ist ein wichtiger Schritt. Die anderen europäischen Länder sollten sich an dieser verantwortungsbewussten Entscheidung ein Beispiel nehmen. Nur so ist eine Zukunft der Landwirtschaft ohne Gentechnik denkbar. (sit)

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