
3.600 Hektar Anbaufläche standen bundesweit bereit. Die Aussaat des umstrittenen Gen-Maises stand kurz bevor. Um den Anbau durchsetzen zu können, hatte der US-Konzern Monsanto Ende März einen neuen Bericht zu den erwarteten Umweltfolgen vorgelegt - geschönt und lückenhaft.
Es war nicht der erste Versuch. Das Gerangel um MON810 hat bereits eine längere Geschichte. Der genmanipulierte Mais darf seit 1998 in der EU kommerziell angebaut werden. Die Genehmigung lief 2007 aus, Monsanto beantragte die Neuzulassung. Noch hat die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nicht darüber entschieden. Bis die Entscheidung vorliegt, darf das Saatgut weiter verkauft werden.
Seit 1998 gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass MON810 die Umwelt schädigt. Der Mais produziert ein Gift gegen den Maiszünsler. Doch was den Schädling tötet, gefährdet unter anderem auch Honigbienen. Ungarn, Frankreich, Österreich, Griechenland und Luxemburg haben den Anbau bereits vorsorglich verboten.
Auch Deutschland verfügte im April 2007 vorübergehend einen Anbaustopp. Dieser wurde jedoch wieder aufgehoben, als der Konzern im Dezember 2007 den mittlerweile in der EU geforderten Umweltmonitoringplan vorlegte. Schon dieser Plan für die Überwachung des Gen-Maises wies erhebliche Mängel auf.
Als Ende März 2009 der Umweltfolgenbericht für den Anbau 2008 veröffentlicht wurde, ließ Greenpeace diesen wissenschaftlich bewerten. Das Ergebnis: Der Bericht berücksichtigt viele Probleme gar nicht erst. So die Tatsache, dass das Insektengift des Gen-Maises in unberechenbaren Konzentrationen auf dem Feld zu finden ist - ein Risiko für wertvolle Bodenorganismen, Insekten und Schmetterlinge.
Gentechnikexpertin Stephanie Töwe von Greenpeace hält die Entscheidung der Bundeslandwirtschaftsministerin darum für richtig, wenn auch längst überfällig. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen seit langem, dass der Gen-Mais eine Gefahr für die Umwelt darstellt.
Nach Töwes Ansicht lassen sich die Gefahren von Gen-Mais auch mit Überwachungsplänen, die die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf die Umwelt dokumentieren sollen, nicht aus der Welt schaffen. Der völlig unzureichende Plan des US-Konzerns Monsanto kann dies erst recht nicht
, sagt sie.
Greenpeace fordert Ilse Aigner auf, nun auch in Brüssel gegen die Neuzulassung ähnlicher Gen-Maissorten in der EU zu stimmen.