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Gen-Baumwolle schädigt chinesische Bauern

Erhebliche Verluste müssen chinesische Bauern hinnehmen, die gentechnisch veränderte Baumwolle anbauen. Das ergab jetzt eine Langzeituntersuchung des chinesischen Landwirtschaftsministeriums und der Cornell University aus Ithaca, New York. Demnach hatten die Bauern etwa acht Prozent weniger Einkommen als ihre Kollegen, die konventionelle Baumwolle auf ihren Feldern anbauen. Die Studie beweist damit, dass die großen Agrarkonzerne wie etwa Monsanto ihre Versprechen nicht einlösen können.

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Weniger Pestizide und damit weniger Kosten und eine umweltfreundlichere Situation auf dem Feld - das propagieren die Hersteller von Gen-Mais und Baumwolle ihren Kunden. Das Gegenteil ist der Fall: Bis zu zwanzig Mal mussten die chinesischen Bauern ihre Baumwollpflanzen mit Pestiziden behandeln - um Pflanzenschädlinge unter Kontrolle zu bekommen.

Dabei handelte es sich jedoch nicht um die Baumwollkapselraupe - gegen die die Pflanzen aufgrund des eingebauten Giftes des Bazillus thuringiensis resistent sind - sondern um andere Schädlinge. Nach sieben Jahren des Anbaus der Gen-Baumwolle hat sich das ökologische Gleichgewicht auf dem Acker verschoben, neue Schädlinge treten in Erscheinung, die nur mit vermehrtem Pestizideinsatz bekämpft werden können.

Ähnlich ihrer Kollegen, die den konventionellen Baumwollanbau betreiben, mussten letztlich auch die 481 Teilnehmer der Studie Insektenvernichtungsmittel verwenden. Zusätzlich hatten sie höhere Kosten, denn gentechnisch veränderte Saaten kosten dreimal soviel wie klassische Samen. Letztlich haben die Bauern in den ersten Jahren des Anbaus mit Gen-Baumwolle 36 Prozent mehr Einkommen erreicht, weil sie bis zu 70 Prozent weniger Pestizide einsetzten, das finanzielle Polster verloren sie jedoch später wieder.

Chinesische Bauern waren weltweit die ersten, die gentechnisch veränderte Baumwolle anbauten. Derzeit beläuft sich ihre Zahl auf fünf Millionen. Gentechnisch veränderte Baumwolle wird auch in Mexiko und Südafrika großflächig angebaut.

Bereits im Jahr 2002 hatte Greenpeace zusammen mit chinesischen Wissenschaftlern eine Studie veröffentlicht, in der erstmals über die Zunahme von neuen Schädlingen in der chinesischen Bt-Baumwolle berichtet wurde, sagt Christoph Then, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. Damals erntete Greenpeace viel Widerspruch.

Then weiter: Ähnlich ist die Situation jetzt beim Gen-Mais in Europa: Noch immer wird die Gefahr einer Störung des ökologischen Gleichgewichtes von den EU Behörden weitgehend ignoriert. Am 19. Juli hatte Greenpeace eine Studie über die Risiken des Anbaus von Gen-Mais veröffentlicht, der das selbe Gift produziert wie die Baumwolle in China.

(Autorin: Cindy Roitsch)

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