
Die einstigen Versprechen der Industrie sind inzwischen allerdings ad absurdum geführt: Erhöhter Spritzmittelverbrauch, fehlende Ertragssteigerungen für Landwirte, ungeahnte Nebenwirkungen und Resistenzen bei Schädlingen sind nur einige durch Gen-Pflanzen verursachte Probleme.
Meist werden die Gene mit Schrotschuss-Verfahren in die Pflanzenzellen geschossen. Die Gentechniker können weder steuern, wo das Gen im neuen Organismus landet, noch zu welchen Wechselwirkungen es mit anderen Genen und Proteinen kommt - ein Blindflug. Mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, der Mensch besitze nur etwa 30.000 statt der zunächst vermuteten 100.000 Gene, wurde die Grundannahme der Gentechnik widerlegt, ein Gen habe nur eine Wirkung. Die Wechselwirkungen der Gene untereinander und mit Proteinen sind komplexer als angenommen. So wundert es nicht, dass Gen-Pflanzen ungewollte und nicht kalkulierbare Eigenschaften entwickeln.
Langzeitstudien zu Gen-Pflanzen gibt es bisher nur wenige. Wissenschaftler stellten aber bei Fütterungsversuchen fest, dass zum Beispiel das Immunsystem der mit Gen-Mais gefütterten Mäuse geschwächt wurde. Trotzdem wird dieser Gen-Mais des Herstellers Monsanto in Europa seit 1998 als Lebens- und Futtermittel angebaut. In Europa haben Länder wie Frankreich, Österreich, Ungarn, Schweiz, Griechenland, Luxemburg und im April 2009 auch Deutschland den Anbau des Gen-Maises Mon810 der Firma Monsanto aufgrund von Umweltgefahren gestoppt.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich der Gen-Mais negativ auf Tiere wie Schmetterlinge, Honigbienen, Spinnen, Schlupfwespen und Florfliegen, aber auch auf Bodenorganismen wie Regenwürmer auswirken kann. Für Greenpeace ist klar: Der Anbau von Gen-Pflanzen muss verhindert werden; die Natur ist kein Versuchslabor und der Verbraucher kein Versuchskaninchen. In Lebensmitteln hat die Gentechnik nichts zu suchen.
Werden Gen-Pflanzen angebaut, können sie sich unkontrolliert ausbreiten. Sie können Nachbarfelder verschmutzen und so unerwünscht doch auf unseren Tellern landen. So wurde zum Beispiel 2006 bekannt, dass nicht zugelassener Gen-Reis aus den USA und China nach Europa gelangt war. Greenpeace entdeckte den Reis in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Griechenland. Der genmanipulierte Reis hatte bis dahin weltweit keine Zulassung als Lebensmittel erhalten und wurde nirgendwo kommerziell angebaut. Trotzdem war eine Verunreinigung durch einen schon 2001 abgeschlossenen Versuchsanbau mit Gen-Reis verursacht worden.
Die USA hatten den betroffenen Langkorn-Reis inzwischen in mindestens 30 Länder exportiert. In Deutschland wurde er bei Aldi Nord, Edeka, Kaufland und anderen Handelsketten gefunden. Die Supermärkte nahmen daraufhin die betroffenen Produkte aus ihren Regalen. Wichtige Importeure wie die EU und die Philippinen erließen ein Importverbot von US-Reis.
Der Skandal löste die größte Handelskrise in der Geschichte der US-Reisindustrie aus: 63 Prozent aller US-Reishändler waren betroffen, Reisbauern, Erntearbeiter, verarbeitende Unternehmen, Müller und Einzelhändler unwissentlich in ihn verstrickt. Der gesamte Schaden wurde auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Auch im letzen Jahr deckte Greenpeace einen Lebensmittelskandal auf: In Brötchen, Müsli, Backmischungen sowie in ganzen und geschroteten Leinsamen hat Greenpeace illegalen, gentechnisch veränderten Leinsamen nachgewiesen. Die gefundene Gen-Leinsaat Triffid wurde 1988 in Kanada entwickelt, dem weltweit wichtigsten Anbauland für Leinsaat. Der größte Teil der kanadischen Ernte wurde bisher in die EU exportiert.
1996 erhielt Triffid von den kanadischen Behörden eine Zulassung zum Anbau und als Futtermittel. 1998 folgte die Zulassung als Lebensmittel. 2001 wurde die Sortenzulassung des Gen-Leins zurückgezogen. Seitdem ist der Handel mit dem Saatgut, nicht jedoch dessen Anbau, in Kanada verboten. Dass die illegale Saat neun Jahre später in deutschen Brötchen und Müsli auftaucht, zeigt: Einmal in die Natur freigesetzte gentechnisch veränderte Konstrukte verbreiten sich unkontrolliert und sind nicht rückholbar.
Verunreinigungen mit Gen-Pflanzen kommen immer wieder vor. Dies macht deutlich, dass die Industrie das Problem keineswegs unter Kontrolle hat, die Behörden der Situation oft hilflos gegenüberstehen.
In Kanada ist es für Bauern zunehmend schwierig geworden, überhaupt eine gentechnikfreie Rapsernte einzubringen. Durch Pollenflug und verunreinigtes Saatgut hat sich der Gen-Raps bereits großflächig verbreitet. Dies kann auch deutsche Verbraucher treffen: Zum Beispiel wird immer wieder mit Gen-Pollen belasteter kanadischer Honig auf dem deutschen Markt gefunden.