
Die amerikanische Firma PGS (Plant Genetic Systems) beantragt die Registrierung des StarLink-Maises bei der EPA (amerikanische Umweltschutzbehörde). Die EPA überwacht die Zulassung neuer Unkrautvernichtungsmittel. Nach dem Zulassungssystem der USA fällt StarLink, der ein Insektizid (Insektenbekämpfungsmittel) produziert, unter die Aufsicht dieser Behörde.
Die EPA erteilt eine vorrübergehende Genehmigung für StarLink (die inzwischen im Besitz von Aventis ist). Die Genehmigung ist ausschließlich auf die Verwendung von StarLink als Tierfutter oder für industrielle Zwecke (z.B. für die Herstellung von Alkohol) beschränkt.
Die EPA gewährt PGS die Zulassung von StarLink als Unkrautvernichtungsmittel, wobei die kommerzielle Nutzung des Maises ausschließlich für Tierfutter gestattet ist. Mit der Registrierung verpflichtet sich Aventis, sicherzustellen, dass bei der Produktion kein StarLink in die menschliche Nahrungskette gelangt.
Aventis beantragt erneut die Zulassung von StarLink bei der EPA, diesmal für die menschliche Nahrung. Da jedoch unklar ist, ob der Mais Allergien auslösen könnte, verweigert die EPA die Zustimmung.
Die EPA kündigt an, zu prüfen, wie groß das allergene Potenzial von StarLink ist. Der Vorbericht ergibt, dass das insektizide Eiweiß in StarLink hitzebeständig ist und nicht durch die Magensäfte abgebaut werden kann. Laut Wissenschaftlern sind das die wichtigsten Kriterien, um festzustellen, ob ein Eiweiß ein potenzielles Nahrungsmittelallergen ist. Bei der Auswertung des Aventis-Antrages kommt die EPA zu dem Ergebnis, dass es aufgrund der vorliegenden Informationen nicht möglich sei, eine allergene Wirkung des in StarLink enthaltenen Eiweißes mit Sicherheit auszuschließen.
Das wissenschaftliche Beratungsgremium (SAP) der EPA wird für StarLink einberufen.
Der SAP teilt der EPA mit, dass die zur Verfügung stehenden Daten nicht ausreichen, um festzustellen, ob StarLink ein potenzielles Nahrungsmittelallergen ist oder nicht, und empfiehlt der Behörde, die betroffenen Bevölkerungsgruppen und Tierbestände zu beobachten.
Ein Zusammenschluss von Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltverbänden (=Genetically Engineered Food Alert) verkündet, dass in den Kraft-Tacohüllen, die unter der Marke "Taco Bell" im Handel vertrieben werden, StarLink gefunden wurde.
Aventis erklären, dass sie den Verkauf von StarLink-Saatgut einstellen werden. Zwei Tage später verkündet das amerikanische Landwirtschaftsdezernat (USDA), dass die StarLink-Bestände der Bauern zurückgekauft werden. Die Entschädigung soll von Aventis übernommen werden.
Eine Woche, nachdem Kraft freiwillig sein Produkt "Taco Bell" zurückruft, ordnet die zuständige Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) einen Rückruf der Stufe "II" der Taco-Hüllen an.
GE Food Alert verkündet, dass auch die Tacohüllen der Safeway-Supermärkte StarLink enthalten.
Aventis stimmt zu, die Registrierung des StarLink Maises freiwillig zurückzuziehen, was bedeutet, dass von nun an jeglicher Anbau des Maises illegal ist. Außerdem bleibt Aventis verantwortlich für StarLink, der bereits angebaut wurde bzw. in die Nahrungskette gelangt ist.
ConAgra, einer der größten Nahrungsmittelhersteller des Landes, stellt den Betrieb seiner einzigen amerikanischen Getreidemühle ein, aus Angst vor einer StarLink-Kontamination.
Greenpeace und GE Food Alert senden einen Fragebogen an Kellogg`s und andere große Nahrungsmittelketten, in dem Informationen über die einzelnen Maßnahmen erbeten werden, die die Firmen unternommen haben, um sicherzustellen, dass sie keinen StarLink- Mais verwenden. Kellogg`s antwortet nicht.
Thyson Food, der größte Geflügelverarbeiter der USA, erklärt, dass sie keinen StarLink-Mais als Hühnerfutter verwenden.
Kellogg`s bestätigt Presseberichte, nach denen sie gezwungen wurden, die Produktion in ihrer Anlage in Memphis wegen des Verdachts von Kontamination durch StarLink einzustellen.
Greenpeace, GE Food Alert, die Union of concerned Scientists, der amerikanische Verbraucherverband und andere Gruppen schreiben einen Brief an Präsident Clinton, in dem sie eindringlich bitten, keine rückwirkende Genehmigung für StarLink zu erteilen. Am nächsten Tag werden auch in den "Western Food"-Tacos Spuren des unzulässigen Maises gefunden.
Aventis stellen einen Antrag bei der EPA, StarLink für den menschlichen Verzehr - rückwirkend für 4 Jahre, anzuerkennen. Aventis behauptet, dass die neuen Fakten eindeutig dafür sprechen, den Mais vorübergehend für die Verwendung in menschlicher Nahrung zuzulassen.
Landwirtschaftsexperten aus Iowa schätzen, dass allein in ihrem Bundesstaat mindestens 25 Millionen Tonnen Mais, nahezu die Hälfte der Gesamternte 2000, StarLink enthalten. Aventis hatte bei der Rückkaufaktion nur mit insgesamt ca. 600 Millionen Tonnen gerechnet.
Die EPA verkündet, dass sich 14 Personen nach dem Verzehr von Produkten, die StarLink enthalten hatten, bei den Bundesbehörden über negative Reaktionen beschwert haben.
Aventis gibt zu, dass bereits experimenteller Anbau von StarLink-Mais in anderen Ländern durchgeführt wurde, weigert sich aber, genauere Angaben zu machen, wo.
In einer vorläufigen Zusammenfassung der von Aventis gelieferten Fakten für eine rückwirkende Zulassung des Korns, resümiert die EPA, dass die Studien der Firma keinerlei wissenschaftliche Grundlage bieten, um zu schlussfolgern, ob Cry9C [das Eiweiß, das in StarLink gebildet wird] auf dieselbe Weise reagiert, wie andere Allergene.
Aventis erklären, dass sie ihre Agrarsparte Aventis CropScience, die für StarLink verantwortlich war, ausgliedern wollen.
Aventis behauptet, dass Verunreinigungen durch StarLink in "normalem" Saatgut der Garst Seed Company von 1998 gefunden wurde.
Eine Sammelklage wird im Namen der Bauern gegen Aventis eingereicht, da diese der Meinung sind, dass die Fahrlässigkeit der Firma dem amerikanischen Maisexport ernsthaft schadet. Außerdem zeigt eine Untersuchung der EPA-Dokumente durch Senator Dick Durbin, dass die Behörde bereits seit 1998 von Kontaminationen von Nahrungsbestandteilen durch StarLink wusste, aber nichts dagegen unternahm.
Das wissenschaftliche Beratungsgremium (SAP) der EPA bestätigt, dass StarLink ein potenzielles Nahrungsmittelallergen ist. Die Wissenschaftler erklären weiterhin, dass es keine sichere Methode gibt, um festzustellen, wie viel StarLink in der Nahrung überhaupt Allergien auslösen könnte.
Japan schickt eine Schiffsladung mit US-Mais zurück, nachdem Tests eine StarLink-Kontamination ergaben.
Die FDA sendet einen Rundbrief an die amerikanischen Nahrungsmittelhersteller, mit der Bitte, sicherzustellen, dass sie ihre Produkte auf StarLink testen. Nach Angaben der Behörde wurde der Brief verschickt, weil es möglich sei, dass nicht alle StarLink-Bestände bei dem Rückkaufprogramm der Regierung im späten September aus dem Verkehr gezogen wurden.
Es wird eine zweite Sammelklage gegen Aventis eingereicht, veranlasst durch Bauern, die fürchten, dass ihr Mais während des Anbaus oder nach der Ernte durch StarLink verunreinigt wurde.
In Japan wird erneut StarLink in Proben von amerikanischen Maisexporten gefunden.
Bauern aus Nebraska reichen eine Klage gegen Aventis wegen Verseuchung ihrer Ernte durch StarLink ein. In den folgenden Wochen werden auch in Illinois, North Dakota, Maryland und Iowa ähnliche Klagen eingereicht.
Die USDA macht öffentlich, dass StarLink in "Nicht-StarLink"-Saatgut gefunden wurde, das für den Verkauf im Jahr 2001 bestimmt war.
Aventis erklären, dass StarLink nie wieder gänzlich aus der Nahrung verschwinden wird.
Aventis kündigen an, dass sie Aventis CropScience verkaufen wollen.
Eine vom Centers of Disease Control veröffentlichte Untersuchung hält eine allergische Reaktion auf das umstrittene Eiweiß in StarLink-Mais für höchst unwahrscheinlich. Sie könnten nicht nachweisen, dass eine Hypersensibilisierung durch das Cry9C Eiweiß aus StarLink zu den allergischen Reaktionen bei den betroffenen Personen geführt hätte. Kritiker halten die Untersuchung für unschlüssig und fehlerhaft. Greenpeace bemängelt die zu geringe Probenzahl (nur 17 Personen wurden untersucht).
Das SAP veröffentlicht einen Untersuchungsbericht und bemängelt, dass alle bisher gemachten Untersuchungen nicht ausreichend sind. Aufgrund dieses Berichtes erklärt die EPA, dass keine Toleranzwerte für StarLink in menschlicher Nahrung eingeführt werden und es keine Zulassung von StarLink für den menschlichen Verzehr geben wird.
Mais aus den USA kann nur noch nach Kanada eingeführt werden, wenn ein Zertifikat vorliegt, dass der Mais kein StarLink enthält.
Die Firma Bayer verkündet, dass sie Aventis CropScience kaufen werden. Die StarLink-Technologie und jegliche Haftung im Zusammenhang mit StarLink verbleiben bei Aventis.
Die bolivianische Bürgerorganisation "Forum für Umwelt und Entwicklung" (FOBOMADE) veröffentlicht, dass StarLink-Mais in Lebensmittelhilfen der USA (USAID) nachgewiesen wurde.
Quellen:
Die chronologische Darstellung beruht teilweise auf dem Artikel: "StarLink fiasco wreaks havoc in the heartland" von James Cox, USA Today, 27 Oktober 2000.
Wir bedanken uns bei Anja Ludewig für die Übersetzung.
V.i.S.d.P.: Imke Ide