Mit harten Bandagen sind am Donnerstag im Hafen von Rotterdam die niederländische Polizei und Angehörige des US-amerikanischen Militärs gegen Greenpeace-Friedensaktivisten vorgegangen. Mit Schlauchbooten und Kanus hatten die Aktivisten versucht, das Militärtransportschiff Progress am Auslaufen zu hindern. Das Greenpeace-Flaggschiff Rainbow Warrior ankerte längsseits. Die Aktivisten protestierten damit erneut gegen einen völkerrechtswidrigen Krieg im Irak. Sie forderten die niederländische Regierung auf, sich nicht an den Kriegsvorbereitungen zu beteiligen.
Als die Rainbow Warrior nach ihrer nächtlichen Fahrt von Antwerpen in aller Frühe in Rotterdam ankam, war die Polizei schon vor Ort. Innerhalb kurzer Zeit überschlugen sich die Ereignisse: Von drei Schlauchbooten aus versuchten Greenpeace-Aktivisten, das Militärtransportschiff zu erklettern, während zwei Kanus die Polizeiboote abzulenken versuchten. Einen Moment lang sah es so aus, als würde der Plan gelingen, doch dann griff die Polizei zu und nahm den ersten Kletterer in Gewahrsam. Kurz darauf wurde eines der Kanus beschlagnahmt, die beiden Ruderer verhaftet.
Während vom Kai und von der Progress aus niederländische Polizei und US-Militärangehörige mit schweren Wasserwerfern gegen die Protestierenden vorgingen, umzingelte die Polizei auf dem Wasser die Greenpeace-Schlauchboote und rammte eines so heftig, dass zwei Bootsinsassen sich durch einen Sprung ins eiskalte Wasser retteten. Es gelang ihnen, in Richtung Land zu schwimmen, wo sie von einem weiteren Greenpeace-Boot aufgenommen wurden.
Auch die Rainbow Warrior wurde mehrfach von einem Polizeiboot gerammt und aufgefordert, nicht näher an das Militärschiff heranzufahren. Anderenfalls werde geentert. Mittlerweile hatte die Progress, das erste Militärtransportschiff, das von den Niederlanden aus in Richtung Golf fahren soll, die Maschinen angelassen. Damit die Polizei die Rainbow Warrior nicht aus dem Weg schleppen konnte, kettete ein Aktivist sich an die Ankertrosse. Erst gegen Abend gelang es dem Militärschiff, die Rainbow Warrior zu umfahren und den Hafen zu verlassen.
Greenpeace fordert von der niederländischen Regierung, auf die eigene Bevölkerung zu hören und sich den europäischen Staaten anzuschließen, die eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts anstreben, anstatt sich mit den Ländern zu verbünden, die auf einen Krieg hinarbeiten. Die Antikriegs-Demonstrationen vieler Millionen Menschen in allen Teilen der Welt am vergangenen Sonnabend haben gezeigt, dass es eine große Opposition gegen diesen Krieg gibt.
Jeder Krieg ist eine Kapitulation der Politik. Der jetzt drohende, geführt aus machtpolitischen Erwägungen und gegen Buchstaben und Geist geltenden Völkerrechts, wäre ein Verbrechen. Deshalb fordert Greenpeace alle Staaten auf, sich grundsätzlich für die Ächtung von Krieg als Mittel der Politik einzusetzen und an der Überwindung von Krieg und Gewalt als Ziel festzuhalten.