
Online-Redaktion: Hallo Tobias. Du hast eine Woche lang im Anti-Radar-Camp in der Nähe von Prag die tschechischen Greenpeace-Aktivisten unterstützt. Wie muss man sich das Leben dort vorstellen?
Tobias Mandt: Es war ein Camp mitten im Nirgendwo in Tschechien. Einige von uns haben dort auf Plattformen in Bäumen gewohnt. Die Atmosphäre war sehr entspannt, sehr friedlich. Wir waren eine kleine, internationale Gruppe von zehn bis 15 Leuten mit wechselnder Besetzung. Es waren US-Amerikaner da, Belgier, Deutsche, Österreicher und Tschechen. Letzte Woche Montag haben wir das Gebiet zum eigenständigen Staat Peaceland erklärt.
Online-Redaktion: Was genau hast du dort gemacht?
Tobias Mandt: Ich habe mich als Kletterer an dem Protest beteiligt. Wir hatten dort Plattformen in den Bäumen. Den Großteil des Tages und auch die eine oder andere Nacht habe ich auf den Bäumen verbracht.
Online-Redaktion: Peaceland befindet sich auf Militärgelände. Genau an der Stelle, an der das US-Militär eine Radaranlage als Teil eines Raketenabwehrschildes bauen will. Wie ist es überhaupt möglich, dort hinzukommen und dann auch noch länger dort zu bleiben? Wurde das Gelände nicht einfach abgesperrt?
Tobias Mandt: Anfangs wurden wir drei Mal täglich im Camp von der Polizei kontrolliert. Aber nachdem wir am Montag den eigenständigen Staat Peaceland ausgerufen haben, hörte das auf. Niemand hat unser Gelände betreten und unsere Grenzen wurden respektiert. Kontrollen gab es nur noch außerhalb unseres Territoriums. Das war erst ein etwas komisches Gefühl. Wir haben das dann so interpretiert, dass wir von Tschechien anerkannt werden und dass man uns dort gewähren lässt.
Die Einreise nach Peaceland war schon etwas problematisch. Die Presse wurde zum Beispiel daran gehindert, unseren Staat zu betreten. Wir hatten immer wieder Probleme Nachschub zu bekommen. Da mussten wir uns ständig neue Wege suchen und vornehmlich Nachts ein- und ausreisen.
Online-Redaktion: Ungefähr zwei Drittel der tschechischen Bevölkerung sind gegen den Bau der Radaranlage. Habt ihr etwas von der Stimmung außerhalb des Camps mitbekommen?
Tobias Mandt: Es gab sehr positive Reaktionen aus der Bevölkerung. Als die Kontrollen noch nicht so stark waren, haben uns Leute aus der Nachbarschaft besucht. Sie haben uns Gebäck und Nahrungsmittel gebracht und uns natürlich moralisch unterstützt.
Online-Redaktion: Gestern Abend wurde das Camp von der Militärpolizei geräumt.
Tobias Mandt: Ja, das stimmt. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr in Tschechien, habe aber eine kurze Info darüber bekommen. Es ging wohl alles sehr schnell. Die Polizei hat einen Zaun um das Gelände gezogen, dann die Sachen weggeschafft und zuletzt die Leute. Die Aktivistinnen und Aktivisten haben sich nur passiv verhalten, schließlich ist Gewaltfreiheit oberstes Gebot.
Wirklich bemerkenswert finde ich, dass die Grenzen von Peaceland so lange respektiert wurden. Das muss man sich mal vorstellen. Da wird in einem souveränen europäischen Staat eine Republik ausgerufen und es gibt zunächst keine Reaktion. Es hat eine Woche gedauert, bis Peaceland geräumt wurde. Wir hatten schon eher mit einer solchen Maßnahme gerechnet.
Online-Redaktion: Danke für das Gespräch Tobias.