Folgen der Ölbrände für Umwelt und Menschen
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- Ort: Hamburg,
- Artikel veröffentlicht am: 27.03.2003,
- Artikel veröffentlicht von: Greenpeace Redaktion
Wieder brennen Ölquellen in der Golfregion, diesmal im Irak. Wie viele es sind, weiß derzeit niemand. Die Angaben schwanken zwischen sieben und dreißig. Welche Folgen die Brände für Umwelt und Menschen haben werden, lässt sich an den Erfahrungen des Golfkrieges 1991 zeigen.
Damals hat Greenpeace ein Expertenteam in die Region entsandt, um die Umweltschäden zu dokumentieren. Hier ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse.
- 732 Ölquellen wurden Anfang 1991 in Kuwait zerstört: 650 wurden vorsätzlich in Brand gesetzt oder gerieten in Brand, bei den anderen wurden die Ventile geöffnet. Die letzte Ölquelle wurde erst im November 1991 gelöscht.
- Aus den geöffneten Ölquellen liefen rund acht Millionen Tonnen Öl aus.
- Täglich verbrannten zwischen 300.000 und 700.000 Tonnen Öl - das entspricht 3,5 bis 8,1 Prozent des damaligen täglichen weltweiten Ölverbrauchs.
- Der entstehende Qualm enthielt mehrere tausend Tonnen Schwefeldioxid, Stickstoffoxide und Kohlenmonoxid. Hinzu kamen Schwermetalle wie Cadmium (Nervengift, kann Krebs erregen und das Erbgut schädigen), Blei (Nervengift), Vanadium (Erbgut schädigend) und Chrom (Krebs erregend).
- Als kurzfristige Folge stellten Ärzte in Kuwait eine erhöhte Rate von Atemwegserkrankungen und Asthma fest.
- Die enormen Rußmengen führten zur Bildung von schwarzem Regen, der sich bis in die Türkei, in den Iran, nach Oman und in den südlichen Teil der damaligen Sowjetunion erstreckte. In Kuwait bedeckte der Ruß eine Fläche von rund 935 Quadratkilometer.
- Der Niederschlag enthielt als Fallout Schwefeldioxid, Stickoxide, Salpetersäure, giftige und Krebs erzeugende Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und Dioxine.
- 500.000 Schafe und rund 100.000 Kamele starben an der Luftverschmutzung.
- Die gigantischen Rußwolken verdunkelten den Himmel und führten zu einem Temperaturabfall in der Region um bis zehn Grad Celsius. Letztlich verteilte sich der Ruß über die ganze Erde.
- Durch die geringere Sonneneinstrahlung verminderte sich das Pflanzenwachstum, sowohl an Land als auch im Wasser. Die Frühjahrsblüte blieb aus.
- Die Wassertemperatur im Persischen Golf sank um etwa zwei Grad Celsius.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostizierte damals zehn Prozent mehr Todesfälle in Folge der Belastungen durch brennende Ölquellen.
Im Irak gibt es 73 Ölfelder mit insgesamt 1600 Quellen. Die beiden größten Felder sind Rumaila im Süden und Kirkuk im Norden. Wie stark die Belastungen sein werden, hängt von der Anzahl der brennenden oder zerstörten Ölquellen und von der Dauer der Brände ab. Die Brände müssen deshalb so schnell wie möglich gelöscht werden. Dies aber ist unter Kriegsbedingungen kaum möglich, da das Löschen technisch sehr aufwändig und schwierig ist.