
Die Radaranlage ist Teil eines von den USA geplanten Raketenabwehrsystems in Mitteleuropa. Dazu gehören auch Abfangraketen, die in Polen stationiert werden sollen. Mit diesen Abfangraketen sollen potentielle Angriffe aus den Schurkenstaaten Iran und Nordkorea abgewehrt werden.
Das Projekt ist allerdings international umstritten und das aus gutem Grund. Es spricht vieles dafür, dass es sich bei diesem Projekt keineswegs nur um ein defensives Verteidigungsprojekt handelt, sondern dass es durchaus aggressiven Charakter hat. Nicht umsonst fühlt sich Russland akut bedroht.
Das Raketenschild-Projekt provoziert eine weitere Runde internationaler nuklearer Aufrüstung und dient damit in keiner Weise der Sicherheit. Rund zwei Drittel der tschechischen Bevölkerung sind gegen das Projekt eingestellt. Denn militärische Anlagen sind im Kriegsfall die ersten Angriffsziele.
Das Camp der Aktivisten befindet sich genau an der Stelle, an der die Radaranlage gebaut werden soll. Die Greenpeacer haben ein 225 Quadratmeter großes Banner mit dem Zeichen einer Zielscheibe zwischen den Bäumen aufgespannt. Auf weiteren Bannern ist Wir wollen keine Zielscheibe sein
zu lesen.
Seit seiner Gründung setzt sich Greenpeace nicht nur für eine grüne, sondern auch für eine friedliche Zukunft ein. Die Errichtung von militärischen Radaranlagen und Raketenabwehrsystemen ist mit diesem Ziel unvereinbar. Wer Schutz vor atomaren Waffen sucht, sollte sich zuallererst dafür einsetzen, dass diese Waffen verschwinden. Er sollte sich zudem um internationale Abrüstung bemühen und vor allem, er sollte bei sich selber anfangen
fordert Wolfgang Lohbeck, Friedensexperte bei Greenpeace.
US-Außenministerin Condoleezza Rice wollte Anfang Mai nach Prag reisen, um den Grundlagenvertrag zu unterschreiben. Doch der Termin wurde verlegt. Auch der zweite Termin Anfang Juni wurde jetzt in den Juli verschoben. Offiziell konnten die ursprünglichen Daten aus Zeitgründen nicht eingehalten werden.
Das Vorantreiben atomarer Aufrüstung unter dem Deckmantel angeblich defensiver Verteidigung gegen die Bedrohung durch andere ist nicht nur Heuchelei, sondern ein Schüren von Wettrüstung und Kriegsgefahr
, sagt Lohbeck. Der wichtigste und effektivste Schritt zu größerer Sicherheit ist die Abrüstung. Anstatt neue Waffensysteme und neue Atomwaffen zu entwickeln, sollten insbesondere die USA ihr Atomwaffenarsenal entsprechend ihrer internationalen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag verringern und abbauen.
Zbigniew Brzezinski, Berater des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, ließ nun verlauten, dass eine Abkehr von den Radar-Plänen nach der Wahl in den USA sehr wahrscheinlich sei. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung.