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Wer ist schuld am hohen Strompreis?

Immer wieder wird behauptet, dass die Strompreise wegen steigender EEG-Umlage in die Höhe schießen. Doch die Erneuerbaren Energien eignen sich nicht als Sündenbock für steigende Strompreise. Bei genauer Analyse stellt sich heraus, dass die Preistreiber der niedrige Börsenstrompreis und die Vergünstigungen der Industrie sind. Genaueres erklärt Greenpeace-Energieexperte Tobias Austrup in unserem Interview.

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Online-Redaktion: Warum wird die EEG-Umlage im Jahr 2014 steigen?

Tobias Austrup: Aktuelle Berechnungen des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace zeigen, dass die EEG-Umlage im nächsten Jahr auf etwa 6,1 Cent pro Kilowattstunde steigen wird. Aktuelle Horrormeldungen von sieben und mehr Cent sind übertrieben. Grund für die Steigerung ist aber nicht die Förderung der Erneuerbaren Energien, sondern der niedrige Börsenstrompreis sowie ausufernde Vergünstigungen für die Industrie. Ökostrom wird genau wie Kohle- und Atomstrom an der Börse verkauft. Wenn der Börsenstrompreis im Keller ist, erzielt der Ökostrom weniger Einnahmen als ursprünglich angenommen. Diese Lücke muss die EEG-Umlage schließen. Die Industrie ist zudem vielfach von der EEG-Umlage befreit, für sie muss der Privathaushalt mitbezahlen.

Online-Redaktion: Liegt die Steigerung nicht am sonnigen Juli? Das EEG-Konto weist doch gerade nach den Sommermonaten ein Defizit auf.

Tobias Austrup: Nein, grundsätzlich zeigt der Kontostand innerhalb eines Jahres einen ähnlichen Verlauf. Im Sommer sind die Ausgaben höher, im Winter niedriger. Das wird auch bei der Kalkulation so eingeplant und ist daher keine Überraschung. Das Problem ist, dass die Einnahmen aufgrund des gesunkenen Börsenpreises unter den Erwartungen liegen. Daher das Defizit - dass die Sonne im Juli mehr scheint als im Januar wird bei der Kalkulation berücksichtigt. Die Ökostromproduktion liegt in diesem Jahr bisher auch nicht höher als im Jahr 2012.

Online-Redaktion: Werden die Strompreise im Jahr 2014 steigen?

Tobias Austrup: Die Höhe der EEG-Umlage muss den Strompreis nicht steigen lassen. Sie allein eignet sich nicht als Preisschild für die Energiewende. Wichtiger für den Strompreis ist die Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage. Nach der Prognose des Öko-Instituts wird die EEG-Umlage im nächsten Jahr zwar um 0,8 Cent pro Kilowattstunde steigen, gleichzeitig liegt der Börsenstrompreis um 1,0 Cent niedriger. Unter dem Strich sinken die Systemkosten also. Wenn die großen Energieversorger die niedrigeren Erzeugungskosten an alle Verbraucher weiterreichten, könnten die Strompreise für private Haushalte auch sinken. Dafür braucht es eine politische "Abzock-Bremse", die die Versorger stoppt.

Online-Redaktion: Die Politik will nach der Wahl eine EEG-Reform auf den Weg bringen. Wird dies die Strompreise dauerhaft senken?

Tobias Austrup: In der Diskussion setzt sich die Politik derzeit selbst unter Erfolgsdruck. Dabei ist das Einsparpotenzial durch eine Kürzung der Förderung Erneuerbarer Energien sehr gering. Für bestehende Anlagen ist die Vergütung gesetzlich festgelegt - die Kosten sind also unveränderlich. Und neue Wind- oder Solaranlagen treiben die EEG-Umlage kaum noch in die Höhe. Denn Erneuerbare Energien sind heute so günstig wie nie. Wenn die Politik nun massive Einsparungen verspricht, wird sie dieses Versprechen nicht halten können.

Online-Redaktion: Was müsste stattdessen getan werden?

Tobias Austrup: Die Förderung der Erneuerbaren Energien macht weniger als die Hälfte der Umlagekosten aus. Preistreiber sind der niedrige Börsenstrompreis und die überbordenden Subventionen für die Großindustrie. Mit einer Reform des europäischen Emissionshandels bekäme der klimaschädliche CO2-Ausstoß wieder die angemessenen Kosten und der Strompreis würde an der Börse steigen - gleichzeitig würde die EEG-Umlage sinken. Dringend müssen die Subventionen der Großindustrie reduziert werden. Dies würde die Bürger entlasten und zu einer fairen Kostenverteilung führen. Die "Abzock-Bremse" muss kommen, damit die Stromkunden vom derzeitigen Preisverfall an der Strombörse profitieren.

Publikationen

Analyse: EEG-Umlage für 2014

Im Jahr 2014 könnten die Strompreise für privat Haushalte sinken, wenn die großen Energieversorger niedrige Erzeugungskosten an alle Verbraucher weiterreichen würden.

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