Elektromobilität: die wichtigsten Fragen und Antworten

Wie steht’s mit dem E-Auto?

Das E-Auto soll kommen. Doch wie alltagstauglich ist es? Und ist es wirklich umweltfreundlicher als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor? Viele Fragen – hier die Antworten.
  • /

„Wenn alle Deutschen auf einen Schlag ein E-Auto kaufen würden, woher käme der Ladestrom?“ Oder: „Wir brauchen wieder kleinere, leichtere Autos – Schluss mit den Zwei-Tonnen-SUVs!“ Auf unseren Social-Media-Kanälen sorgen Fragen und Meinungen für eine angeregte Diskussion. Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

Lange Ladezeiten, geringe Reichweite – so der Vorwurf. Sind E-Autos alltagstauglich?

Die Oma auf dem Land besuchen, der Weg zum Job: Für die meisten Nutzungen genügt eine Reichweite von 300 Kilometern – insbesondere dann, wenn zu Hause oder bei der Arbeit die Möglichkeit besteht, das E-Auto aufzutanken. Um lange Ladezeiten zu vermeiden, lohnt es sich, die Batterie zwischendurch zu laden, wenn sich die Gelegenheit bietet – etwa beim Kinobesuch oder Einkauf.

Die längere Fahrt in den Urlaub gestaltet sich allerdings noch holprig. Denn wer möchte schon alle drei bis vier Stunden eine Stunde auf einem Rastplatz verbringen. In vielen Fällen ist es allerdings sowieso sinnvoller, entspannt mit der Bahn zu reisen.

Die Ladezeiten werden sich in den nächsten Jahren weiter verkürzen. Universitäten und Privatunternehmen arbeiten mit Hochdruck an Akkus, die andere Grundstoffe als Lithium haben und schneller zu laden sind. Aber auch bei den Lithium-Ionen-Batterien sind noch deutliche Verbesserungen zu erwarten.

Es gibt nicht nur zu wenige Ladestationen, sie sind auch verschieden bzw. nicht kompatibel mit sämtlichen Elektrofahrzeugen.

Hier muss es in der Tat einen Vorstoß geben. Wir brauchen einheitliche technische Systeme (das hat beim Ladekabel für Handys größtenteils auch geklappt) aber auch einheitliche Bezahlsysteme wie etwa bei Stromanbietern. Verbraucher zahlen ihren Strom bei einem Anbieter, auch wenn andere das Netz und die Infrastruktur bereitgestellt haben.

In Deutschland gab es Ende 2016 insgesamt 7407 öffentlich zugängliche Ladestationen für E-Autos. Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit den meisten Ladepunkten (1603), gefolgt von Baden-Württemberg (1494) und Bayern (1080). Unter den deutschen Städten ist Berlin (536) Spitzenreiter. Auf Platz zwei und drei folgen Stuttgart (375) und Hamburg (292). Es werden stetig mehr.

Eine vollständige Umstellung auf Elektro-Pkw würde den Strombedarf in der Bundesrepublik deutlich erhöhen. Woher soll der Strom kommen?

Aus Erneuerbaren Energien. Das funktioniert aber nur mit einer Verkehrswende, die nicht nur auf E-Autos baut. Dort, wo es möglich ist, muss sie auch auf eine Verlagerung auf energieeffizientere Verkehrsträger setzen. Wie das gehen kann, zeigt Greenpeace im Mobilitätsszenario „Der Weg zu CO2-freier Mobilität bis 2035“. So lässt sich die Stromnachfrage dämpfen. Busse und Bahn sind deutlich energieeffizienter als das mit ein bis zwei Personen besetzte E-Auto. Das gegebenenfalls elektrisch unterstützte Fahrrad ebenso – es hält zudem fit.

Dennoch wird die Stromnachfrage durch den Ausbau der Elektromobilität steigen. Ein wichtiger Grund, bei der Energiewende nicht weiter auf die Bremse zu treten, sondern diese entschlossen voranzubringen.

Diese Rechnung erregt die Gemüter: Bei der Produktion eines 100-kWh-Akkus entsteht eine Klimabelastung von 15 bis 20 Tonnen Kohlendioxid. Ein sparsamer Kleinwagen mit Benzin- oder Dieselmotor müsste bis zu 200.000 Kilometer fahren, um so viel Klimagas in die Luft zu blasen. Stimmt das?

Diese Angaben stammen aus einer Studie des schwedischen Umweltinstituts IVL. 100-kWh-Akkus werden allerdings nur in dicken Limousinen wie dem Tesla Model S verbaut – ein Vergleichsmodell wäre also eher ein Mercedes der S-Klasse und nicht ein sparsamer Kleinwagen.

Nichtsdestotrotz entstehen bei der Batterieherstellung CO2-Emissionen. Ein großer Teil lässt sich vermeiden, wenn die Batteriefabriken mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Aber auch bei der Herstellung von Aluminium oder der Produktion der Anoden und Kathoden fallen zusätzliche Emissionen an, die sich bisher nicht vollständig vermeiden lassen. Deshalb sollten möglichst langlebige Batterien hergestellt und am Ende ihrer Lebenszeit vollständig recycelt werden.

Generell gilt: Je größer die Batterie, desto mehr Auswirkungen hat die Produktion auf Klima und Umwelt – auch hinsichtlich des Verbrauchs von Rohstoffen. Deshalb ist es notwendig, möglichst kleine und leichte Fahrzeuge zu bauen. Auch eine unnötig große Reichweite sollte vermieden werden, denn diese erfordert wiederum eine größere Batterie. Sich nur für die eine Urlaubsfahrt im Jahr ein Elektroauto mit hoher Reichweite zu kaufen, ergibt aus ökologischer Sicht keinen Sinn: Die schwere Batterie schleppt man den Rest der Zeit nur unnütz im Fahrzeug herum.

Was sollen Dieselfahrer machen? Ihren Wagen verkaufen oder verschrotten lassen und ein E-Auto kaufen?

Greenpeace fordert statt des von Politik und Industrie verkündeten Softwareupdates eine Hardwarenachrüstung von Dieselfahrzeugen. Wenn sich damit die Emissionen unter den aktuell geltenden Stickoxid-Grenzwert von 80 Mikrogramm bringen lassen, ist es zunächst sinnvoll, seinen Diesel-Pkw weiterzufahren. Denn ökologisch gesehen, sollte ein Auto möglichst lange genutzt werden. Mittelfristig müssen genügend Alternativen bereitstehen, um auch ohne Auto mobil zu sein. In weniger erschlossenen ländlichen Gebieten ist dann das E-Auto eine Lösung.

Wie sollen sich Menschen mit geringem Einkommen ein E-Auto leisten?

Autos – und nicht nur E-Autos – sind teuer, auch im Unterhalt. Deshalb verzichten schon jetzt viele Menschen freiwillig oder gezwungenermaßen auf ein eigenes Auto. Künftig brauchen wir ein gerechtes, bezahlbares Verkehrssystem, das Mobilität ohne eigenes Auto sicherstellt. Nur so entfällt der Wunsch oder Druck, ein eigenes Auto zu besitzen. Doch der heutige Verkehr ist auf das private Auto ausgerichtet und bevorzugt Menschen, die sich ein Auto leisten können.

Wie umweltfreundlich sind E-Autos?

Wie umweltfreundlich Verkehrsmittel sind, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. So müssen Treibhausgas-, Luftschadstoff- und Partikelemissionen sowie der Energieaufwand bei Produktion, Nutzung und Recycling eines Fahrzeuges betrachtet werden. Es fließt also nicht nur die Nutzung, sondern auch der Abbau der Rohstoffe, die Herstellung und Entsorgung in die Bewertung ein. Generell sorgen ein geringeres Fahrzeuggewicht und Strom aus Erneuerbaren Energien für eine bessere Umweltbilanz.

Ein mit Erneuerbaren Energien getanktes Elektroauto produziert im Betrieb keine CO2-Emissionen – im Herstellungsprozess aber schon. Verglichen jedoch mit Diesel- und Benzin-Fahrzeugen verursachen Elektroautos über ihre gesamte Lebensspanne viel weniger Klimagase. Stickoxide wie sie Dieselfahrzeuge ausstoßen quellen gar nicht aus E-Autos. E-Autos schneiden also in diesen Bereichen deutlich besser ab.

Weitere Infos dazu finden Sie in dieser Publikation des Umweltbundesamtes.

Welche Problemstoffe sind in Batterien?

Wie für Batterien in Laptops und Smartphones werden auch für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien in Elektrofahrzeugen viele Materialien benötigt: vor allem Aluminium, Kobalt, Nickel, Mangan, Kupfer, Lithium und Graphit.

Jegliche Gewinnung von Rohstoffen ist mit negativen Folgen für die Umwelt verbunden. Im Gegensatz zum Rohöl haben oben genannte Materialien allerdings den Vorteil, zu einem Großteil recycelbar zu sein – irgendwann ist für den weltweiten Bedarf genug abgebaut.

Für die Ressourcengewinnung und die Produktion der Batterien müssen sehr hohe Umwelt- und Arbeitsstandards gelten. Kombiniert mit einem guten Recyclingsystem lässt sich ihr ökologischer Fußabdruck minimieren.

Können alte Akkus recycelt werden?

Durch die ständige Nutzung der Batterien, sinkt - wie etwa beim Smartphone - langsam ihre Kapazität und somit die Reichweite der E-Autos. Sie können ausgetauscht und beispielsweise als Zwischenspeicher für Erneuerbare Energie an anderer Stelle weiter genutzt werden. Wenn sie auch dort ausgedient haben, besteht die Möglichkeit, die Batterien zu recyceln.

Momentan gelingt das ökologisch und sicher mit mindestens 75 Prozent der Materialien. Der Fokus liegt zurzeit auf der Wiederverwendung von Nickel und Kobalt, wobei am Recycling von Lithium kräftig geforscht wird. Dass Recyclingverfahren für Lithium-Ionen-Akkus noch nicht großtechnisch eingesetzt werden, liegt an der relativ geringen Menge von Batterieschrott. Das wird sich aber ändern, sobald Elektroautos einen höheren Marktanteil haben.

Wie bewertet Greenpeace die Entwicklung von E-Fahrzeugen bei den deutschen Herstellern BMW, VW und Daimler?

Die deutsche Autoindustrie hängt in der Entwicklung hinterher. Alle Welt schaut auf Tesla. In China, dem weltweit größten Markt für E-Autos, hat es 2016 kein einziges deutsches Modell in die Top 20 der meistverkauften E-Autos geschafft. 

Die Innovation bei Porsche besteht darin, Supersportwagen mit Elektromoren auszustatten. Das ist ökologisch sinnlos. Elektromobilität kann dann ihr Potenzial entfalten, wenn kleine, leichte Fahrzeuge entwickelt werden – die idealerweise beim Carsharing im Einsatz sind. Am besten schneidet bei den deutschen Modellen der BMW i3 ab – er ist vergleichsweise klein und leicht und hat keine überdimensionierte Batterie. Allerdings ist auch hier noch deutlich Luft nach oben.

Warum fordert Greenpeace, dass eine drastische Verkehrswende so rasch einsetzen muss?

Ohne eine schnelle und entschlossene Verkehrswende ist das in Paris vereinbarte Klimaziel nicht zu halten, die Erderhitzung auf ein beherrschbares Maß von 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Der Treibhausgasausstoß stagniert im Verkehrssektor seit 1990 – und ist in den vergangenen Jahren sogar wieder leicht gestiegen. Der Verkehr ist für etwa 18 Prozent der Treibhausgasemissionen Deutschlands verantwortlich.

Zudem generieren Verbrennungsmotoren noch andere Probleme. Die Luft ist in vielen deutschen Städten stark mit gesundheitsschädlichen Stickoxiden belastet. Lärm und Staus beeinträchtigen ebenfalls die Lebensqualität. All dem können wir mit einer Verkehrswende begegnen. 

(Stand: September 2017)

Tags:

Mehr zum Thema

Energiewende – jetzt!

Deutschland kann sich bis 2050 fast komplett aus Erneuerbaren Energien versorgen. Doch die Energiewende ist nur zu schaffen, wenn die Politik sie durchsetzt

Fahrt ins Grüne!

Von 166 Millionen Tonnen auf null – Greenpeace legt einen Plan vor, wie der Verkehrssektor seine CO2-Emissionen bis 2035 loswerden kann. Gut fürs Klima – und unsere Lebensqualität.

Unheilig‘s Blechle

Bessere Stadtluft und Klimaschutz gibt es nur ohne Verbrennungsmotoren. Doch reicht es, stattdessen Autos mit Batterien auszustatten? Nein, denn Mobilität ist weitaus mehr als Auto.