Greenpeace-Aktivisten protestieren in Großbritannien gegen Einfuhr schmutziger VW-Diesel

Die Pest an Bord

An einem der größten Umschlaghäfen Großbritanniens protestieren Greenpeace-Aktivisten heute gegen eine schmutzige Lieferung: Diesel-Pkw aus Deutschland.

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Im September 2015, fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, kam der Dieselskandal ans Licht. VW wurde damals als erstem Autohersteller nachgewiesen, die Abgasreinigung seiner Autos so manipuliert zu haben, dass nur auf dem Prüfstand zufriedenstellende Werte zustande kamen. Kein Jahrestag zum Feiern, eine Überraschung haben Greenpeace-Aktivisten heute trotzdem für VW. Vor einem der größten Umschlaghäfen Großbritanniens in Sheerness protestieren sie gegen eine Lieferung aus Deutschland: Tausende von umweltschädlichen Pkw, die per Schiff ins Land kommen sollen.

Die dreckige Blechfracht wird von der Elbe Highway über den Ärmelkanal transportiert; sie liefert bis zu 2100 VW-Neuwagen aus Emden nach Großbritannien, darunter auch viele Dieselfahrzeuge. Im Hafenbecken von Sheerness fordern 66 Umweltschützer in Schlauchbooten und Kajaks von Volkswagen darum „Ditch Diesel“ – „Weg mit dem Diesel“. Auf dem angrenzenden Großparkplatz stehen die bereits gelieferten Autos – von den dort geparkten Diesel-PKW nehmen die Aktivisten die Autoschlüssel in Gewahrsam und hinterlassen Botschaften von Menschen, die ebenfalls den Ausstieg aus dem Diesel fordern.

Neue Fahrzeuge sind kaum sauberer

Denn obwohl die Gesundheits- und Umweltrisiken durch Dieselabgase hinlänglich bekannt sind, will die Autoindustrie nicht von der Technik lassen. „Der Abgasbetrug ist vor zwei Jahren aufgeflogen, aber die Autoindustrie verkauft weiter Lügen“, sagt Andree Böhling, Greenpeace-Experte für Mobilität. „Diesel-Pkw sind nicht sauber, und sie leisten keinen Beitrag zum Klimaschutz. Sie gehören abgeschafft.“

Selbst die modernsten Dieselmodelle stoßen auf der Straße viel zu viele Schadstoffe aus: Im Straßenverkehr überschreiten neun von zehn Euro-6-Modellen den NO2-Grenzwert, haben Untersuchungen des unabhängigen Forscherverbunds ICCT ergeben. Stickstoffdioxid verstärkt Atemwegserkrankungen wie Asthma und gefährdet besonders die Gesundheit von Kindern und älteren Menschen. Nach Hochrechnungen der Europäischen Umweltagentur sterben in der EU jährlich 68.000 Menschen vorzeitig durch NO2.

Das letzte (Schein-)Argument für den Diesel entkräftete gestern das Bundesverkehrsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen: Diesel-Pkw sind ebenso klimaschädlich wie Benziner. Während neuzugelassene Diesel-Pkw im vergangenen Jahr im Schnitt 128 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestoßen haben, lag der Ausstoß bei neuen Benzinern im Schnitt nur ein Gramm höher. Damit stellt sich die Frage, wie die Bundesregierung künftig Steuervorteile für den Diesel noch rechtfertigen kann.

Der Diesel ist ein Auslaufmodell

Die Hersteller von Dieselfahrzeugen kämpfen auf verlorenem Posten, sind aber noch in Rückzugsgefechten. Je eher sie einsehen, dass Diesel- und Verbrennungsmotoren überhaupt Auslaufmodelle sind, umso zuversichtlicher können sie selbst in die Zukunft sehen. Die Schweizer UBS-Bank geht in einem Ende 2016 veröffentlichten Report davon aus, dass der Diesel als Pkw-Antrieb bis zum Jahr 2025 nahezu vollständig vom Markt verschwinden wird. „Es gibt keinen Grund, am Diesel festzuhalten“, sagt Böhling. Aber gute Argumente dagegen: „Hersteller wie VW müssen sich sehr schnell vom Diesel verabschieden, um die Gesundheit der Menschen und das Klima zu schützen.“

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