Greenpeace-Experten sprechen im Parlament in Tokio über Energiewende

Japan darf wählen

Wie funktioniert die Energiewende? Darüber informierten Greenpeace-Experten in Japan Ex-Premier Naoto Kan und Politiker aus dem Energiebereich. 

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Erfolge und Lektionen aus der deutschen Energiewende: Darüber sprachen die Greenpeace-Experten für Energie Ai Kashiwagi und Andree Böhling im Parlament in Tokio vor mehr als 40 japanischen Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern, unter ihnen auch Ex- Premier Naoto Kan. Unterstützt wurden sie dabei von Prof. Dr. Uwe Leprich, Energiemarktexperte vom Saarbrücker Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES).

Welche Erfahrungen hat Deutschland mit der Liberalisierung des Strommarktes gemacht? Welche Bedeutung hat die Stromkennzeichnung für einen fairen Wettbewerb? Das waren einige der wichtigsten Themen, über die die deutsche Delegation informierte. Denn was in Deutschland bereits seit 1990 Standard ist, soll im kommenden Frühjahr auch in Japan gelten: die freie Wahl des Stromanbieters.

„Japan kann in vielerlei Hinsicht von Deutschland und Europa lernen“, sagt Andree Böhling, Greenpeace-Experte für Energie. „So muss auch die japanische Energiewende durch die Zerschlagung der Monopolstrukturen im Energiemarkt flankiert werden. Dazu gehören die Trennung von Netz- und Erzeugungsgeschäft, eine unabhängige staatliche Regulierung des Netzbetriebs und auch die volle Transparenz von Netzdaten und Erzeugungsmix.“

Stromquellen kennzeichnen

Für solch eine transparente und verpflichtende Stromkennzeichnung setzt sich Greenpeace Japan seit mehreren Monaten ein. Die Forderung: Die Stromkunden müssen klar erkennen, aus welchen Quellen die ihnen angebotene Energie stammt – aus Atomkraft, klimaschädlichen Fossilquellen oder Erneuerbaren. Nun trägt die Arbeit von Greenpeace erste Früchte: Während sich zu Beginn dieses Jahres kaum ein Politiker oder Journalist für die Kennzeichnung der Stromquellen interessierte, ist sie nun vielerorts Diskussionsthema.

Auf die Mängel in Japans bisheriger Energiepolitik wies Wissenschaftler Leprich hin: Damit der Wettbewerb auf dem Strommarkt auch funktioniert, brauche Japan eine unabhängige Regulierungsbehörde. Zudem müsse der Markt im Vorwege eigentumsrechtlich entflochten werden. Dem pflichtet auch Andree Böhling bei: „Erst dann haben neue Energieanbieter, von denen viele verstärkt auf Ökostrom setzen wollen, eine echte Überlebenschance."

Verbraucher über Strommix informieren

Die Arbeit von Greenpeace Japan unterstützt das deutsche Greenpeace-Büro seit 2014. Ziel ist es, die drittgrößte Industrienation auf einen Weg zu lenken, der hinführt zu einer konsequenten Energiewende mit 100 Prozent Erneuerbaren. Doch obwohl die Mehrheit der japanischen Bevölkerung Atomkraft ablehnt, setzt die Regierung unter Premier Shinzu Abe alles daran, möglichst viele Atomreaktoren so schnell es geht wieder anzufahren. Dabei gingen nach der verheerenden Atomkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 alle AKW vom Netz; Japan ist seit nunmehr 21 Monaten atromstromfrei – ohne je Stromengpässe verzeichnet zu haben.

Über die Stromkennzeichnung will die japanische Regierung nun in wenigen Wochen  entscheiden. So informierten die Greenpeace-Experten also genau zum richtigen Zeitpunkt  über Möglichkeiten zur Energiewende und lieferten damit einen wichtigen Beitrag zur Debatte in Japan. Im nächsten Schritte wird Greenpeace nun unabhängige Energieversorger und -kooperativen unterstützen, die verstärkt in Erneuerbare investieren. Zudem sollen Haushalte und Unternehmen über die verschiedenen Energieversorger informiert werden: Mit einem Ranking, das die Versorger nach dem von ihnen angebotenen Strommix – Atom, Fossile, Erneuerbare – bewertet. Informationen, die in Deutschland längst Standard sind – und von deren Wert Japan nun auf seinem Weg zur Energiewende profitieren kann.

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