Ein Artikel von Rahel Osterwalder
Paragliding gegen Braunkohle

Tagebau Schleenhain

Heute Morgen ist ein Greenpeace-Aktivist mit einem Motorschirm über den Braunkohle-Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Deutzen geflogen. Beim sächsischen Tagebau kam es am vergangenen Mittwoch zu einem Böschungsrutsch, wobei ein 950 Tonnen schwerer Kohlebagger zur Seite kippte. Der Paraglider warnt mit einem Banner Erdrutschung: Lieske retten! vor der erheblichen Erdrutschgefahr bei Tagebauen.

  • /

Der Erdrutsch im Tagebau Schleenhain bestätigt unsere Befürchtung: Braunkohletagebaue sind lebensgefährlich. Dies gilt auch für das Dorf Lieske in der Lausitz, das von dem geplanten Vattenfall-Tagebau akut bedroht ist, sagt Gerald Neubauer, Energieexperte von Greenpeace. Dass auch das Niederlausitzer Dorf Lieske in einen Tagebau abrutschen könnte, hatte Greenpeace mit einem geologischen Gutachten gezeigt.

Am 29. August hat die Umweltschutzorganisation das Gutachten zum Tagebau Welzow-Süd II der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg in Cottbus überreicht. Darin war unter anderem zu lesen, dass eine Flutwelle aus dem höher gelegenen Sedlitzer See das Dorf mit sich reißen und in den Tagebau spülen könnte.

Während Vattenfall die Gefahr eines Erdrutsches bestritt, sind im Altkippengelände des Mibrag-Tagebaus Vereinigtes Schleenhain am selben Tag große Teile der Böschung abgerutscht. Dabei gerieten ein Kohlebagger und ein angeschlossener Bandwagen in Schieflage und wurden schwer beschädigt.

Lieske könnte dieselbe Katastrophe wie in Nachterstedt drohen

Obwohl die geologischen Voraussetzungen in der Schleenhainer Altkippe und in Lieske unterschiedlich sind, ist für Gerald Neubauer eines klar: Das Risiko lebensgefährlicher Rutschungen in Tagebauen ist nicht beherrschbar. Weder Mibrag noch Vattenfall haben die Lage im Griff. Aus diesem Grund könne man nicht sicher sein, dass in Lieske nichts passiert.

Am 18. Juli 2009 starben bei der Katastrophe in Nachterstedt drei Menschen. Damals rutschten mehrere Häuser in einem alten Tagebau binnen Sekunden ab. Dass sich eine solche Katastrophe erneut ereignen könnte, ist für Greenpeace nicht unwahrscheinlich.

Vattenfall macht trotz hohen Risiken weiter

Trotz der Gefahr für das Dorf Lieske plant der Energiekonzern Vattenfall im knapp zwanzig Quadratkilometer großen Tagebau Welzow-Süd II gut 200 Millionen Tonnen Braunkohle zu fördern. Mit der Verbrennung der Kohle, welche zur Stromgewinnung genutzt werden soll, würden über 200 Millionen Tonnen an klimaschädlichem CO2 freigesetzt werden. Das Braunkohleverfahren wird momentan noch vom Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) unterstützt. Doch am 11. September 2012 sollen die Einwände von über 4.000 Bürgern und Organisationen gegen Velzow-Süd II bei einer Anhörung in Cottbus erörtert werden. Danach wird sich zeigen, ob der Braunkohleplan fortgesetzt wird.

Laut Gerald Neubauer sollte dieser Plan schon lange gestoppt werden: Vattenfall befeuert mit seinen Investitionen in die Dinosaurier-Technologie Braunkohle den Klimawandel. Wir fordern Vattenfall und Ministerpräsident Platzeck auf, die Pläne für den Tagebau Weltzow-Süd II dahin zu packen, wo sie hingehören: auf die Abraumhalde.