Ein Artikel von Marissa Erbrich
Comeback der Braunkohle?

Die aktuelle Liste der Kohlekraftwerke

Kohlekraftwerke sind wahre Klimakiller, weil sie pro Kilowattstunde die höchsten CO2-Emissionen verursachen. Bei geplanten Laufzeiten von 40 Jahren und mehr sind neue Kohlekraftwerke zudem ein Hindernis für den Ausbau Erneuerbarer Energien. Als Grundlage für die klimapolitische Arbeit beobachtet Greenpeace den aktuellen Stand bei der Planung und dem Neubau von Kohlekraftwerken.

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Im Jahr 2012 sind insgesamt 23 neue Kohlekraftwerke in Bau oder Planung, zwei mehr als im Vorjahr. Die aktualisierte Kohlekraftwerksliste zeigt in erster Linie ein Comeback der besonders klimaschädlichen Braunkohle. Zum einen haben zwei neue Braunkohlekraftwerke (Boxberg Block R und Neurath BoA II + III) den Testbetrieb aufgenommen und gehen wohl noch dieses Jahr in den Regelbetrieb. Zum anderen werden zwei lange ruhende Kraftwerksplanungen (Niederaußem und Profen) nun von den Betreibern massiv vorangetrieben. Und schließlich wurden auch für die Standorte Frimmersdorf und Jänschwalde langfristige Planungen für neue Braunkohlekraftwerke publik.

Zu diesen erschreckenden Entwicklungen passt, dass Braunkohle als einziger fossiler Energieträger vom Atomausstieg profitieren konnte: 2011 nahm die Braunkohleverstromung um 3,3 Prozent zu. Die Braunkohlebranche wittert nach der Abschaltung von acht AKW ihre Chance auf eine Renaissance des Klimakillers.

Rentabilität von Steinkohlekraftwerken fraglich

In auffälligem Kontrast zur Braunkohle kommen Projekte für neue Steinkohlekraftwerke immer häufiger ins Stocken. In 2011 wurden zwei Steinkohleprojekte von den Betreibern aufgegeben (Krefeld und Brunsbüttel/GDF Suez). Zwei weitere Steinkohleprojekte konnten durch Klagen von Umweltverbänden blockiert werden (Datteln und Lünen/Trianel). Mehrere in Bau befindliche Steinkohlekraftwerke kämpfen mit Problemen durch den schadhaften Spezialstahl T24, die die Kosten stark nach oben treiben (Hamm, Hamburg-Moorburg, Duisburg-Walsum, Wilhelmshaven). Bei drei Kraftwerksprojekten ruhen die Betreiberplanungen auf unbestimmte Zeit (Arneburg, Mainz-Ingelheim, Lünen/STEAG). Und nicht zuletzt wird auch die Rentabilität neuer Steinkohlekraftwerke immer fraglicher, weil der Preis für den Einkauf von Steinkohle stark gestiegen ist.

Es ist ein großer Erfolg, dass die Betreiber von Steinkohlekraftwerken wegen vielfältiger Probleme derzeit keine neuen Projekte mehr angehen. In Zukunft wird sich die Auseinandersetzung um neue Kohlekraftwerke wohl verstärkt um die Braunkohle drehen, die nach dem Atomausstieg ein bedenkliches Comeback erlebt.