Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Japan braucht Plan für radioaktives Wasser

Die japanische Regierung will 47 Milliarden Yen (ca. 359 Millionen Euro) Steuergelder investieren - als Anwort auf die andauernden Krisenmeldungen aus der Atomanlage Fukushima.

  • /

Geplant ist, das Eindringen von Grundwasser in die hochkontaminierte Anlage durch eine Wand aus gefrorenem Untergrund abzuwenden. Ein höchst fragliches Unternehmen - auf dessen Erfolg nicht allzu viel zu setzten ist. "1,4 Kilometer lang und bis zu 30 Meter tief soll die Dichtwand werden", erklärt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. "Hier ist parallel die Entwicklung von anderen Plänen, wie der Wasserzutritt verringert werden kann, notwendig, weil mit einem Scheitern der Dichtwand gerechnet werden muss."

Insgesamt erscheint der vorgestellte Plan nicht ausgereift und nur im kleinen Kreis mit Informationen des Nuklearkonzerns TEPCO entwickelt worden zu sein. Viele Probleme bleiben unberücksichtigt. "Er dient offenbar mehr der Beruhigung, als eine tatsächliche Kehrtwende im unzureichenden Krisenmanagement zu sein", kritisiert Smital. "Um Leckagen vermeiden zu können, sollten alle beteiligten Subfirmen Verantwortung übernehmen und in Haftung genommen werden, sofern sie nicht auf mögliche Probleme hinweisen. Wenn die Zulieferfirmen schon selbst höchst skeptisch sind und zum Beispiel die nur genieteten Tanks für nicht ausreichend halten, darf nicht einfach weitergemacht werden." Smital fordert weiter, dass Bedenken gegen eingesetzte Ausrüstungen und die Ergebnisse strikter Qualitätskontrollen öffentlich gemacht werden müssen.

Die Situation in der Reaktorruine von Fukushima wird sich noch lange nicht entspannen, sondern viele Jahrzehnte brisant bleiben. Obwohl bereits so viel Radioaktivität freigesetzt worden ist, dass große Gebiete der Präfektur Fukushima nicht mehr bewohnt werden können, ist die meiste Radioaktivität noch immer in den Reaktoren enthalten. Und wird nun durch Grundwasserströme in die Umgebung verfrachtet. Beispielweise ist das Inventar an Sr-90 (Strontium 90) in Fukushima deutlich höher als in Tschernobyl. Strontium 90 ist ein Radionuklid, das sich in Knochen ablagert und als Knochenkiller bekannt ist. Mit einer Halbwertszeit von über 28 Jahren ist es länger wirksam als die Lebenserwartung der geschädigten Menschen.

"Die japanische Regierung sollte ihre Priorität und die kerntechnischen Ressourcen des Landes auf die Kontrolle der Atomkatastrophe richten und nicht auf den Verkauf von AKW oder auf das Wiederanfahren von Reaktoren", sagt Smital. "Japan kann auf Atomenergie verzichten. Das zeigt der Report "Energy [R]Evolution (Japan)". Von 50 Atomreaktoren in Japan sind nur zwei wieder eingeschaltet worden. Eine dieser Anlagen ist bereits in Revision, ab dem 15. September ist Japan wieder atomstromfrei. Es zeigt, wie verzichtbar Atomenergie auch für eine große Industrienation ist und wie schnell im Falle eines Falles ein Atomausstieg sogar sein kann.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Wer B sagt, muss auch C sagen

Bayern muss seine Bürger schützen und dem AKW Gundremmingen die Betriebsgenehmigung entziehen. Das fordern Greenpeace und Anwohner heute vor dem Münchner Verwaltungsgerichtshof.

„Es kann nur ein Unfall sein“

Erhöhte Werte des radioaktiven Rutheniums weisen auf einen Unfall in der russischen Atomanlage Majak hin – doch Moskau dementiert. Dazu Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace.

Schutz, los!

Frankreichs Atomkraftwerke sind Risikobetriebe, auch was den  Schutz vor Angriffen angeht. Betroffen sind vor allem ihre Abklingbecken, das zeigt ein Greenpeace-Report.