Vulkan bildet Risiko für japanischen Atommeiler Sendai

Gefährliche Asche

Vulkane sind eine große Gefahr für naheliegende Atomkraftwerke, das zeigt ein Greenpeace-Report. Die Atomaufsicht in Japan hat die Risiken fehlerhaft bewertet.

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UPDATE 5.2.2016: Etwa 50 Kilometer von Sendai entfernt ist gegen 19 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) der Vulkan Sakurajima ausgebrochen. Berichte über Schäden oder Verletzte liegen bislang nicht vor. Derzeit ist davon auszugehen, dass der Wind die Aschewolke nach Südosten weht – und damit von Sendai weg. 

Der Vulkan Sakurajima ist einer der aktivsten Vulkane des Landes – dennoch fuhr Japan vergangenes Jahr beide Reaktoren des nahegelegenen Atomkraftwerks wieder hoch. Auch Aschewolken können den Meilern gefährlich werden: Abgelagerte Asche kann ihm schlimmsten Fall das Dach der Anlage zum Einsturz bringen.

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27.2.2015: Herausgegeben wurde der Report in Japan. Was nicht verwundert: Schließlich brodeln dort nicht nur zehn Prozent aller weltweit aktiven Vulkane; in dem Land befinden sich auch 48 Atomkraftwerke. Erst 2013 hat die japanische Atomaufsicht (NRA) einen Entwurf für Sicherheitsanforderungen an Meiler aufgrund der Risiken durch Vulkanausbrüche vorgelegt. Dieser Entwurf wurde inzwischen verwässert, und er erfüllt nicht die Anforderungen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Die Atomkatastrophe von Fukushima war auch wesentlich dadurch ausgelöst worden, dass bekannte Risiken – für Fukushima das Risiko eines gewaltigen Tsunamis – klein gerechnet wurden.

Den gleichen Fehler begeht die japanische Atomaufsicht nun erneut, wenn sie Risiken durch Vulkanausbrüche falsch bewertet. Die amtierende Regierung will das AKW Sendai in Kagoshima möglichst schnell wieder anfahren, voraussichtlich im Sommer 2015. Dabei ist Sendai  umgeben von aktiven Vulkanen. Der Nächstgelegene, Sakurajima, ist  nur 50 Kilometer entfernt.

Kleine Aschewolken – großer Störfall

Welche Risiken diese Nähe zum Vulkan birgt, zeigt der Greenpeace-Report, erstellt von einem führenden Londoner Ingenieurbüro für Nukleartechnik. Darin werden unter anderem die Gefahren für das AKW Sendai durch Aschewolken aufgezeigt: Asche kann sich in deutlich höherem Maß auf dem Meiler ablagern, als vom Betreiber des Atomkraftwerkes abgeschätzt und so zu Bauschäden führen. Im schlimmsten Fall können diese das Dach zum Einstürzen bringen – in der Zwischenlagerhalle in Sendai ruhen mehr als 800 Tonnen hochradioaktiver ausgedienter Brennelemente in speziellen Lagerbecken.

Vulkanische Aschewolken können außerdem die elektrische Versorgung stören, insbesondere wenn die Asche durch Niederschläge nass wird. Eine mögliche Folge wäre der Ausfall der externen Stromversorgung der Atomanlage. Um ein Überhitzen der Reaktoren und in der Folge eine Atomkatastrophe zu verhindern, ist man dann auf Notstrom-Dieselgeneratoren angewiesen. Doch auch die könnten durch den Ascheregen funktionsuntüchtig werden.

Feine Asche kann die Lüftungsfilter blockieren. Sendai-Betreiber Kyushu Electric Power schlug vor, die Filter alle 26,5 Stunden zu ersetzen – Atomkraftwerke in den USA, die in 200 Kilometern Entfernung eines Vulkans liegen, müssen ihre Filter alle 2,3 Stunden auswechseln. Das zeigt: Die japanische Atomindustrie setzt wirtschaftliche Interessen über die öffentliche Sicherheit.

Nur eine Frage der Zeit bis zum Ausbruch

Der Vulkan Sakurajima brach 2013 allein 500 Mal aus. Eine dieser Eruptionen war so heftig, dass er seine Asche 5000 Meter hoch in die Atmosphäre schleuderte. Das Sonnenlicht wurde abgedunkelt, die nahe gelegene Stadt Kagoshima in feinen Ruß gehüllt. Es liegt auf der Hand, dass ein wirklich großer Vulkanausbruch zu einem schweren Atomunfall führen kann.

Die Mehrheit der Japaner ist sich der Gefahr bewusst und hält den Betrieb von Atomkraftwerken in ihrem Land daher für inakzeptabel – auch aufgrund häufiger kleinerer Erdbeben dort. Greenpeace unterstützt die Bürger in ihrem berechtigten Widerstand, damit sich ein Atomunfall wie in Fukushima nicht wiederholt und stattdessen die Energiewende vorangetrieben wird. Seit nunmehr fast 18 Monaten ist Japan komplett atomstromfrei – und damit der beste Beweis, dass auch eine große Industrienation ohne Atomkraft auskommt. 

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