Ausstieg aus Gorleben

Die Bundesregierung hat den Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022 beschlossen, aber das Problem des Atommülls bleibt. Die Frage "Wohin mit den hochradioaktiven Abfällen?" ist nach wie vor ungelöst.
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Elf Castoren, beladen mit über 120 Tonnen hochradioaktivem Atommüll aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague, gingen im November 2011 auf die lange Reise ins Zwischenlager nach Gorleben. Die 44-fache Menge an Radioaktivität, die in Fukushima freigesetzt wurde, rollte durch Frankreich und die Bundesrepublik - und landete in einer Art Kartoffelscheune unweit des niedersächsischen Elbdorfes Gorleben. Und das, obwohl es nachweislich einen geeigneteren Ort für die Zwischenlagerung gegeben hätte: Sicherer und näher wäre das Zwischenlager am AKW Philippsburg gewesen. Das hatte Greenpeace in einer Studie Mitte Oktober 2011 nachgewiesen.

Die Geschichte klingt wie ein Schildbürgerstreich: Das Ergebnis der riskanten Energiegewinnung durch Atomkraft ist hochradioaktiver Abfall - und niemand weiß, wohin damit. Zur sogenannten Wiederaufbereitung wurden die abgebrannten Brennelemente aus bundesdeutschen AKW zunächst nach Frankreich und Großbritannien gefahren. In den Atomfabriken La Hague und Sellafield wird der Bombenstoff Plutonium von anderen hochradioaktiven Stoffen abgetrennt. Dadurch entsteht noch mehr hochradioaktiver Abfall. Dieser Müll muss aber von Deutschland zurückgenommen werden und tritt die Reise in das Zwischenlager in Gorleben an.

Die im Volksmund als Kartoffelscheune bezeichnete Zwischenlagerhalle steht direkt über dem Salzstock Gorleben, der vor 34 Jahren aus politischen Gründen als zukünftiges Endlager ausgesucht wurde und seitdem ausgebaut wird. Wenn der unsichere Salzstock demnächst folgerichtig aufgegeben und eine andere Endlagerstätte gefunden werden sollte, dann muss auch der Müll aus der Gorlebener Zwischenlagerhalle ein weiteres Mal Hunderte von Kilometern transportiert werden.

Daher fordert Greenpeace: Kein weiterer Castortransport nach Gorleben

Lagerung: Die Castorbehälter sollen für maximal 40 Jahre in Gorleben oberirdisch zwischengelagert werden. Der Atommüll kühlt dabei von 400 Grad Celsius auf etwa 200 Grad Celsius ab. Die Castoren stehen in einer Halle, die nicht speziell gesichert ist, sondern lediglich vor Witterungseinflüssen schützen soll. Das Zwischenlager am AKW Philippsburg hingegen verfügt über ein Abflusssystem für das leicht entzündliche Kerosin, das bei einem Flugzeugabsturz ausströmen könnte. Dadurch können lang anhaltende Kerosinbrände besser vermieden werden.

Verursacherprinzip: Der deutsche Müll muss nach dem Verursacherprinzip von den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield zurückgenommen werden. Doch warum alles nach Gorleben? 21 Prozent des gesamten Atommülls aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague stammen ursprünglich aus baden-württembergischen Atomkraftwerken. Dennoch wurde der strahlende Müll 2011 erneut allein im niedersächsischen Gorleben abgeladen. Baden-Württemberg stahl sich aus der Verantwortung.

Festlegung als Endlager: Jeder weitere Castortransport nach Gorleben zementiert das geplante Endlager im unsicheren Salzstock direkt unter der Zwischenlagerhalle. Dabei ist längst erwiesen, dass der Salzstock Gorleben die Umwelt nicht vor radioaktiver Belastung für Hunderttausende von Jahren sicher schützen kann. Im Verlauf der sogenannten Erkundung dieses Salzstocks traten immer wieder schwere Mängel zu Tage: keine wasserabdichtende Tonschicht über dem Salz, Wasser und Gase im Salz, das größte Erdgasvorkommen der Bundesrepublik unter dem Salz. Genug Gründe, den Standort aufzugeben, doch stattdessen wurden lieber die Sicherheitskriterien an die geologischen Mängel des Salzstocks angepasst.

(Autorin: Sara Westerhaus, aktualisiert Oktober 2012)

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