Greenpeace und Städteregion Aachen gegen Schrottmeiler

Gemeinsam stark

Greenpeace Deutschland unterstützt die Städteregion Aachen im Kampf gegen die Uraltreaktoren Tihange 1 und 2. Die belgischen AKWs stellen ein enormes Risiko für ganz Europa dar.

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Nur 70 Kilometer westlich von Aachen liegt das belgische Atomkraftwerk Tihange. Dessen Reaktoren sind teilweise schon über 40 Jahre in Betrieb – und stellen ein massives Risiko für Belgien und alle umliegenden Länder dar. Deswegen hat die Städteregion Aachen Anfang Februar Klage gegen Tihange eingereicht. Greenpeace Deutschland will Aachens Vorgehen gegen die Schrottmeiler nun aktiv unterstützen.

Eigentlich beschloss Belgien bereits 2003 den endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft bis 2025. Die Reaktoren der beiden belgischen AKW-Standorte Doel und Tihange sollten nach jeweils 40 Jahren Laufzeit abgeschaltet werden. Für den Reaktor Tihange 1 wäre die Abschaltung demnach im Oktober 2015 vorgesehen gewesen. Doch 2012 entschied die belgische Regierung eine Laufzeitverlängerung für Tihange um 10 Jahre. Dabei sind die Reaktordruckbehälter der Kraftwerke durch zahlreiche Risse stark beschädigt, für die Energieversorgung Belgiens nicht notwendig und immer wieder von Pannen betroffen.

Greenpeace Belgien leitete deswegen ein Klageverfahren gegen die Laufzeitverlängerung von Tihange 1 ein. Seit Februar 2016 unterstützt die Städteregion Aachen diese Klage offiziell und klagt zudem in einem eigenen Verfahren gegen die Wiederinbetriebnahme des Reaktorblocks Tihange 2, die laut Aachen ohne rechtliche Grundlagen erfolgte.

Risikoreaktoren abschalten

Nach Greenpeace Belgien wird ab sofort auch Greenpeace Deutschland dieser Klage aktiv beistehen. Thomas Breuer, Leiter des Klima- und Energiebereichs von Greenpeace in Deutschland, sicherte Städteregionsrat Helmut Etschenberg Unterstützung im Kampf gegen Belgiens Schrottmeiler zu. „Greenpeace warnt schon seit Jahren vor den Sicherheitsrisiken, die von Doel und Tihange ausgehen.“ erklärt Thomas Breuer. „Die Betreiberfirma Electrabel, die durch die belgische Atomaufsicht gedeckt wird, betreiben mit den Atomkraftwerken Tihange und Doel ein Spiel mit dem Feuer.“

In Zukunft wollen Greenpeace Deutschland, Greenpeace Belgien und die Städteregion Aachen ihre Aktivitäten gegen die belgischen Schrottmeiler gemeinsam abstimmen und eng miteinander verknüpfen, um das gemeinsame Ziel – die Stilllegung der Risikoreaktoren – zu erreichen. Das bestätigt Thomas Breuer: „Aachen ist juristisch und politisch sehr gut aufgestellt. Greenpeace Deutschland kann den Kampf gegen die Schrottmeiler vor allem bei den Themen Öffentlichkeitsarbeit und technischer Expertise stärken – und wird das in Zukunft auch mit aller Kraft tun.“

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