
Die Studie befasst sich mit der Frage, welche Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte durch eine verstärkte Nutzung der Windenergie in Baden-Württemberg entstehen können. Sie wurde vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag von Greenpeace und des Bundesverbands WindEnergie (BWE) erstellt.
Im Jahr 2010 wurden in Baden-Württemberg gerade einmal acht Windkraftanlagen gebaut. Um die möglichen positiven wirtschaftlichen Effekte auszuschöpfen, sollten es jährlich rund 70 bis 80 sein. Das entspräche der derzeitigen Ausbaurate im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Windkraftleistung in Baden-Württemberg könnte so bis 2020 auf rund 2.400 Megawatt erhöht werden. Der BWE und Greenpeace fordern deshalb von der Landesregierung, aus dem Atom- und Kohlestrom auszusteigen und die Windenergie schneller auszubauen als aktuell geplant.
Baden-Württemberg muss endlich sein großes Windkraftpotenzial ausschöpfen. Der Südwesten bleibt sonst in Deutschland dauerhaft das Schlusslicht bei der Nutzung dieser Zukunftstechnologie
, sagt Andree Böhling, Energieexperte bei Greenpeace. Es wäre energie- und wirtschaftspolitisch geradezu abenteuerlich, den Ausbau der Windenergie jetzt nicht massiv zu beschleunigen. Angesichts der absehbaren Abschaltung mehrerer Atomkraftwerke ist die Windenergie auch für den landeseigenen Energieversorger EnBW der beste Schutz davor, zum Sanierungsfall zu werden.

Ein forcierter Ausbau der Windkraft hätte enorme Effekte für die heimische Wirtschaft. Die Zahl der Beschäftigten im Windkraftsektor könnte auf mehr als das Doppelte anwachsen: von heute 6.500 auf 15.350 im Jahr 2020. Land und Kommunen würden durch eine Zunahme der Wertschöpfung um fast das Dreifache auf 388 Millionen Euro profitieren. Das bedeutet dreimal mehr Steuereinnahmen, Einkommen und Unternehmensgewinne im Land.
Zudem könnten die Energiekosten im Land um 512 Millionen Euro gesenkt und die Abhängigkeit von Stromimporten deutlich reduziert werden. Derzeit deckt Baden-Württemberg den eigenen Energiebedarf zu zehn Prozent durch Zukauf. Werden jetzt alte unsichere Atomkraftwerke stillgelegt, erhöht sich dieser Anteil noch. Ein weiterer positiver Effekt der Windenergie ist, dass im Land rund 3,3 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid vermieden würden.
Die Ausbauzahlen bei der Windenergie in Baden-Württemberg sind bisher erbärmlich. In den letzten Jahren ist vor allem im Bereich der Regionalplanung viel schiefgelaufen
, so Sylvia Pilarsky-Grosch, Vizepräsidentin des BWE. Künftig muss es auch außerhalb der ausgewiesenen Vorrangflächen möglich sein, dass Windenergieanlagen geplant und errichtet werden. Dafür müssen die Kommunen im Rahmen ihrer Flächennutzungsplanung selbst Flächen für Windenergieanlagen ausweisen dürfen.
Die regionalen Planungsbehörden müssten endlich akzeptieren, dass Windenergieanlagen ein sichtbarer Bestandteil einer klimafreundlichen, nachhaltigen und sicheren Energieversorgung seien, so Pilarsky-Grosch.
Die Studie: Wertschöpfung und Beschäftigung durch Windenergie in Baden-Württemberg