Ein Artikel von Beate Steffens

Die Internationale Energie Agentur und Erneuerbare Energien

Lange Zeit hatte die Internationale Energieagentur (IEA) Kritik am Atomausstieg Deutschlands geübt - in ihrem neuen Länderbericht nimmt sie davon Abstand. Insgesamt hält die Agentur die Energiewende für machbar, bezeichnet sie aber als "ehrgeizig" und fordert von der Bundesregierung, eine Balance zwischen Nachhaltigkeit, Kosteneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu halten.

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Die Internationale Energie Agentur (IEA) hat in den vergangen Jahren einen langsamen aber stetigen Wandel vollzogen. Während die IEA noch 2005 in ihrem jährlich veröffentlichten "World Energy Outlook" im Stromsektor kaum Energieeffizienz, Erneuerbare Energien oder Klimaschutzziele eingerechnet hat, änderte sich dies beim letzten "World Energy Outlook" vom November 2012.

Seit 2007 veröffentlicht Greenpeace alle zwei Jahre ein alternatives Weltenergie-Szenario - Energy [R]evolution Szenario. Ihnen wird das IEA-Szenario immer als Referenz gegenübergestellt. Die von Greenpeace vorgelegte Strategie, die Energie Effizienz, Erneuerbare Energien und den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft kombiniert, hat sich als realistischer und vor allem ökonomischer erwiesen als das IEA-Szenario.

2007 veröffentlichte die IEA den letzten Länderbericht für Deutschland. Damals favorisierte sie für den Klimaschutz, den Ausbau von sogenannten CCS-Kohlekraftwerken. Also Kraftwerke die das CO2 abscheiden und in - bisher noch nicht vorhandene - unterirdische Lager pumpen sowie Atomkraftwerke.

Die Realität hat die IEA-Strategie allerdings ad absurdum geführt. Bis heute gibt es nicht ein einziges CCS-Kohlekraftwerk im normalen kommerziellen Betrieb. Es gibt vereinzelte Mini-Versuchsanlagen die zeigen, dass die Technologie extrem teuer wird. Zudem sind die Lagerstätten für CO2 schwer zu finden und extrem umstritten. Von vielen werden sie als tickende Zeitbomben betrachtet, denn bis heute ist wissenschaftlich nicht abschließend belegt, ob die Lagerstätten tatsächlich dicht sind.

Die Atomenergie ist nach der Katastrophe in Fukushima global nicht weiter ausgebaut worden. Einige Länder - allen voran Deutschland - steigen endlich aus. Neue Atomkraftwerke werden kaum noch gebaut. Ausnahmen in Europa sind nur Finnland und Frankreich. Beide AKW-Neubauprojekte verursachen horrende Kosten und liegen weit hinter ihrem Zeitplan. Solarstrom ist in Deutschland heute schon wesentlich billiger als Strom aus neuen AKW. Kritisch ist auch die weltweit ungelöste Atommüll-Entsorgungsfrage.

So ist es nur folgerichtig, das die IEA langsam auf das Greenpeace-Konzept umschwenkt. Auch die Schlussfolgerung, dass ein Systemkonflikt im Netz zwischen erneuerbaren und konventionellen Kraftwerken droht, ist richtig und wichtig. Leider ist die IEA nicht so konsequent wie es notwendig wäre.

Denn nur einen Tag bevor die IEA den deutschen Atomausstieg als richtigen Weg unterstützt, favorisiert die IEA in ihrem Länderbericht für Finnland eine Kombination aus Erneuerbaren Energie und Atomkraft. Eine Kombination, die schon technisch aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen an das Stromnetz überhaupt nicht funktionieren kann.

Der IEA-Schlingerkurs ist auf internationaler Ebene wenig hilfreich. Die Erneuerbaren Energien - speziell Wind und Photovoltaik - machen seit 2010 über die Hälfte der weltweit neu gebauten Kraftwerke aus. Die Atomenergie hat gerade mal einen Marktanteil von einem Prozent. Die so ins wirtschaftliche Abseits gedrängte Atomindustrie geht daher auf politischer Ebene extrem aggressiv gegen Erneuerbare Energien vor.

Auch EU-Energiekommissar Günther Öttinger, ein ausgewiesener Atomkraftunterstützer, versucht über EU-Regelungen, die Erneuerbaren Energien zu sabotieren. "Die IEA wäre mit einer klaren Position für Erneuerbare Energien hilfreich", sagt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace. "Aber derzeit singt sie vor allem das Lied das jeweils vor Ort gesungen wird. Wir sind gespannt wie lange die IEA noch braucht, um das Energy [R]evolution-Konzept von Greenpeace 1:1 zu unterstützen. Es dauert hoffentlich nicht noch weitere zehn Jahre."

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