
Ethephon kann eingesetzt werden, um die Fruchtreife zu beschleunigen. Die untersuchten Paprika sind im spanischen Winter nicht schnell genug gelb und rot geworden
, erklärt Manfred Santen, Pestizidexperte von Greenpeace. Um den Paprika-Mix in allen drei Farben verkaufen zu können, haben die Produzenten mit Chemie nachgeholfen.
Die Gefahr: Bei überhöhten Rückständen kann Ethephon Reizungen auf Haut und Schleimhäuten hervorrufen. Wird das Pestizid in großen Mengen verzehrt, wirkt es als Nervengift.
Am 8. Januar 2011 hatten Greenpeace-Aktivisten Paprikaproben in Hamburg, Köln/Bonn, Leipzig, Berlin, München und Frankfurt gekauft. Die Paprika-Mischungen - auch "Mix-Paprika Tricolor" genannt - stammen von REWE, Edeka (Netto), Metro, Aldi, Lidl, Kaufland und Tengelmann. Die Proben überprüfte ein akkreditiertes Speziallabor für die Untersuchung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln. Die Messergebnisse wurden zudem in einer zweiten Untersuchung abgesichert.
Die gesetzlich erlaubte Höchstmenge für Ethephon in Gemüsepaprika liegt aktuell bei 0,05 mg / kg. In München, Bonn und Köln fanden die Forscher eine deutliche Übertretung dieses Grenzwertes:
Letztere Probe überschreitet mit 4 mg/kg sogar die akute Referenzdosis - auch ARfD abgekürzt. Bei dieser Dosis kann bereits eine einmalige Aufnahme die Gesundheit schädigen. Besonders Kinder sind gefährdet. Verbraucher können beim Kauf auf grüne Schattierungen bei der Paprika achten - ein Zeichen für eine erhöhte Ethephon-Dosis.
Lidl hatte am 15. Januar die Sorte "Spanischer Paprika Mix" zurückgerufen. Diese wurden in Filialen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verkauft.
Die Pestizid-Eigenkontrolle der Supermarktketten schützt die Verbraucher nur dann, wenn die Testergebnisse umgehend und lückenlos veröffentlicht und die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden
, sagt Santen. Greenpeace fordert alle Supermarktketten auf, Paprika umgehend zu kontrollieren und belastete Ware zurückzurufen.