Den Betrag müssen sich nach Rechnung von Greenpeace Indien etwa 567.000 Überlebende teilen. Das heißt, auf jede Person entfallen rund 570 US-Dollar Entschädigung. Mehr gibt es nicht für den Verlust der nächsten Angehörigen, der Gesundheit, des Lebenswillens. 570 US-Dollar für ständige ärztliche Behandlung und Medikamente. Für ein besseres Krankenhaus. Für das Überleben an einem Ort, der bis heute nicht dekontaminiert wurde.
Hinter dem dürren Betrag stehen 20 Jahre Leid. In der Nacht zum 3. Dezember 1984 trat aus einer Pestizidfabrik des US-Chemiekonzerns Union Carbide ein tödliches Gasgemisch aus. An dem giftigen Chemiecocktail starben innerhalb von drei Tagen mindestens 8.000 Menschen. Vorsichtigen Schätzungen zufolge sollen insgesamt 20.000 Menschen getötet worden sein. Eine halbe Million war betroffen, 150.000 leiden unter Spätfolgen. Inzwischen ist die dritte Generation betroffen.
Das Desaster ging auf mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen und kurzsichtige Einsparungen zurück. Der Hauptverantwortliche, Warren Anderson, wurde 2002 von Greenpeace in einem New Yorker Appartment aufgespürt. Er kam nie vor Gericht. Union Carbide gehört mittlerweile dem US-Konzern Dow Chemical, der ebenfalls jede Verantwortung ablehnt. Die indische Regierung arrangierte sich. Erst als 36 der Überlebenden im Jahre 2002 vor Gericht gingen, kam langsam Bewegung in die Sache. (sit)
Einen detaillierten Artikel in englischer Sprache finden Sie auf der Internetseite von Greenpeace Indien: How Now Silly Dow?