
In Capanema hat Widerstand Tradition. Schon in den Fünfzigerjahren wehrten sich die Bauern dort gegen einen aggressiven Holzkonzern. Seit den Achtzigern betreiben viele von ihnen ökologische Landwirtschaft. Sie hatten erkannt, dass die Pestizide der agrochemischen Konzerne sie krank machten. Jetzt fordern sie ein sofortiges Verbot des Schädlingsbekämpfungsmittels Endosulfan. Unterstützt werden sie dabei vom Schweizer Fair-Trade-Unternehmen gebana.
Die Biobauern von Capanema können nichts für die Verunreinigung ihrer Sojaernte. Sie können ihre Felder nicht gegen Luft und Regen abschirmen. 70 Prozent des Endosulfans, das ihre Nachbarn verwenden, verdunsten innerhalb von zwei Tagen und verteilen sich weiträumig in Luft und Wasser. So kommt das Gift auch auf die Biofelder.
Endosulfan ist ein Nervengift, das unter anderem den Hormonhaushalt stört. Es ist schwer abbaubar und reichert sich in fetthaltigen Geweben an. In mehr als 60 Ländern ist es bereits verboten. Doch in vielen Ländern, darunter auch Brasilien, darf es noch verkauft und angewendet werden. Jedes Jahr erleiden weltweit Tausende von Menschen Vergiftungen durch Endosulfan; viele sterben daran. Insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern gehen Bauern, die oft die Warnhinweise nicht lesen können, unachtsam mit dem hochgefährlichen Stoff um.
2013 soll Endosulfan endlich auch in Brasilien verboten werden. Die Organisatoren von Chega vermuten, dass die Hersteller und Händler daher jetzt noch schnell ihre Lager abverkaufen wollen. Zwischen den Jahren 2008 und 2009 hat sich die in Capanema eingesetzte Endosulfan-Menge nachweislich fast verdoppelt. Zu den Herstellern von Endosulfan gehört auch die deutsche Bayer-Tochter Bayer CropScience. In Deutschland ist Endosulfan seit fast zwanzig Jahren verboten.
Die ökologisch produzierenden Kleinbauern von Capanema stehen ohne eigenes Verschulden vor dem finanziellen Ruin. Der arbeitsintensive pestizidfreie Anbau auf kleinen Flächen rechnet sich nur, wenn die Bauern Biopreise für ihre Produkte bekommen können - und das jedes Jahr. Zwar handelt es sich bei den Verunreinigungen der Soja nur um gesundheitlich unbedenkliche Spurenmengen. Doch die Richtlinien für Bioprodukte für den menschlichen Verzehr sind sehr streng. Die Biobauern von Capanema können deshalb nur noch darauf hoffen, ihre diesjährige Sojaernte wenigstens als Bio-Viehfutter zu verkaufen.
Auf der Kampagnen-Website von Chega können Sie eine Petition für ein sofortiges Verbot von Endosulfan in Brasilien unterzeichnen.
Chega! Ein Dorf wehrt sich from Feinheit on Vimeo.