
Das gilt besonders für Chemikalien. Pestizide, die auf asiatischen Feldern versprüht werden, landen genauso auf der Speisekarte der Inuits (Eskimos) in Grönland wie Dioxine aus europäischen Industrieanlagen und Flammschutzmittel aus Computergehäusen und Handys. Alle diese Gifte reichern sich in der Arktis an, obwohl die dort lebenden Inuits weder Pestizide, noch größere Mengen an anderen Industriechemikalien benötigen. Trotzdem leiden diese Menschen an den Folgen des sorglosen Umgangs mit Chemikalien. Die Dauergift-Belastung der Muttermilch von grönländischen Frauen zählt zu den höchsten der Welt.
Ursache für diese Vergiftung der Arktis ist die sogenannte Globale Destillation. Die Dauergifte verdunsten dort, wo sie eingesetzt werden. Durch die Luftströmungen werden sie um die Erde transportiert und dort, wo es am kältesten ist, fallen sie aus. Das funktioniert ähnlich einer beschlagenen Fensterscheibe: In der Nacht schlägt sich der Wasserdampf aus der Luft an der Scheibe nieder, weil sie der kälteste Ort des Zimmers ist.
Alle Dauergifte, in der Fachsprache auch als Persistant Organic Pollutants (abgekürzt POPs) bezeichnet, sind extrem langlebig, reichern sich in der Nahrungskette an und ihre Aufnahme hat bedenkliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und Tieren. Viele Dauergifte sind z.B. krebserregend, erbgutschädigend oder gefährden Embryos. Andere sind stark leber- und nierenschädigend und greifen das Immun- oder Nervensystem an.
Die meisten Dauergifte verlassen als erzeugtes Produkt die Chemiefabriken, einige fallen als unbeabsichtigtes Nebenprodukt bei Herstellungs- oder Verbrennungsvorgängen an. Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über die wichtigsten Dauergifte.
Zwölf Dauergifte sollen im Rahmen einer UNO-Konvention zu den POPs geächtet werden. Viele dieser Gifte sind in den Industrieländern schon lange verboten. Trotzdem werden sie, wie z.B. DDT, von den internationalen Chemiekonzernen nach wie vor in Teilen Afrikas und Asiens hergestellt oder dorthin exportiert. Gerade aufgrund ihrer Langlebigkeit und ihrer globalen Verfrachtung ist ein tatsächlicher weltweiter Ausstieg aus Produktion und Einsatz dieser Substanzen dringend erforderlich:
| Name der Chemikalie | wird eingesetzt als: |
|---|---|
Aldrin |
Insektizid (Termiten, Ameisen) |
Chlordan |
Insektizid (Termiten, Bodenschädlinge) |
DDT |
Insektizid (Anopheles-Mücke, Tsetsefliege) |
Dieldrin |
Insektizid (Anopheles-Mücke, Tsetsefliege) |
Dioxine und Furane |
Nebenprodukte in der Chemieindustrie und bei der Verbrennung |
Endrin |
Insektizid, Nagetiergift |
Heptachlor |
Insektizid (Termiten, Ameisen) |
Hexachlorbenzol |
Pilzgift, Weichmacher für Kunststoff |
Mirex |
Insektizid (Ameisen) |
PCB (Polychlorierte Biphenyle) |
Kühl- und Isolierflüssigkeit (z.B. in Trafos) |
Toxaphen |
Insektizid, Nagetiergift |
Viele Dauergifte werden auch in Industrieländern noch in großem Umfang eingesetzt. Erst einige wenige Stoffe sind in einzelnen Ländern verboten. Auch bei diesen Umweltgiften besteht dringender Handlungsbedarf:
| Stoffklasse | Vorkommen | Zulässigkeit |
|---|---|---|
Bromierte Flammschutzmittel |
Computer, Handys, Autos, Bauprodukte,... |
in Deutschland erlaubt |
Phthalate |
Weichmacher für Kunststoffe (PVC), Kosmetika |
außer für Babyspielzeug, in Deutschland uneingeschränkt erlaubt |
Chlorparaffine |
Flammschutzmittel in Dichtungsmassen, Kunststoffen,... |
in Deutschland erlaubt |
Tributylzinn (TBT) |
Schiffsanstrich (als Muschel- und Schneckentod) |
in der EU seit 2002 verboten aber Organozinnverbindungen können immer noch in Konsumprodukten, z.B. aus PVC, enthalten sein |
Künstliche Moschusverbindungen |
Parfüms, Reinigungsmittel,... |
keine Einschränkung in Deutschland |
Diese Auflistung ließe sich noch beliebig verlängern. Bei vielen Substanzen ist über ihre Gefährlichkeit noch gar nichts bekannt. Kein Wunder, verursachen doch allein in der EU über 100.000 verschiedene Chemikalien einen unübersichtlichen, schlecht erforschten Chemikaliencocktail.
Stand: August 1999