
Aus Schaden wird man klug, heißt es. Das gilt offenbar nicht für die Chemieindustrie. Produkte der Chlorchemie, wie das 1945 entwickelte Insektengift DDT, oder chemische Isolationsflüssigkeiten wie die 1929 eingeführten PCBs verbreiten sich bis heute über Luft und Wasser in die entlegensten Winkel der Erde. Die berüchtigten Substanzen finden sich in Fischen, Walen und Seehunden und schließlich - am Ende der Nahrungskette - auch bei Eisbären und Menschen.
Umweltgifte wie DDT und PCB sind - nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen - in Industrieländern verboten, in anderen Ländern, darunter Indien, Argentinien, Russland oder Mexiko, werden sie weiter hergestellt und eingesetzt. Die Produzenten im reichen Norden haben jedoch keine reine Weste. Viele geächtete Substanzen wurden nicht durch umweltverträgliche Alternativen, sondern durch ebenso gefährliche Nachfolger ersetzt - der Teufel wird mit dem Beelzebub ausgetrieben, PCB in Dichtungsmassen etwa durch Chlorparaffine, DDT durch synthetische Pyrethroide.
Langlebige organische Schadstoffe, die als POPs (persistent organic pollutants) - kurz Dauergifte - zusammengefasst werden, sind global gesehen derzeit die schlimmste Umweltsünde der Chemieindustrie. Sie reichern sich in Lebewesen stark an und sind schwer abbaubar.
Vor allem können Dauergifte - einmal freigesetzt - große Entfernungen zurücklegen. Als regelrechte Weltenbummler entfalten Umweltgifte also ihre Wirkung nicht nur dort, wo sie hergestellt und eingesetzt werden, sondern auch Tausende von Kilometern entfernt.
Zur Armada dieser Giftprodukte gehören altbekannte Vertreter, wie DDT, PCB oder Dioxine, aber auch etliche "Newcomer" wie halogenierte Flammschutzmittel, die aus Handys und Computern ausdünsten, künstliche Moschusverbindungen, die Waschmittel und Kosmetika duften lassen, Phthalate, die als Weichmacher in PVC-Produkten dienen oder TBT (Tributylzinn), das als Schiffsanstrich den Bewuchs von Schiffen mit Algen, Seepocken und Muscheln verhindern soll.

Dazu kommen Tausende langlebige Chemikalien, von denen Chemiker weder die Zusammensetzung noch die biologische Wirkung kennen. Es handelt sich um die Vielzahl der Nebenprodukte der chemischen Produktion, die vor allem mit Industrieabwässern in die Flüsse gespült werden. Ein Teil davon fließt ungehindert ins Meer, andere lagern sich in den Hafenbecken an den Flußmündungen ab: Der Hafenschlick in Hamburg und Rotterdam muss wegen der Giftfracht aus Elbe und Rhein als Sondermüll auf Spezialdeponien gelagert werden.
Das Gefahrenpotenzial der Dauergifte ist unbestritten. Klaus Töpfer, Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, forderte im Sommer 1998 angesichts der klaren, wissenschaftlich dokumentierten Schadensgröße
, aus der Verwendung dieser ewigen Gifte auszusteigen.
POPs können nicht nur Krebs erregen, sie greifen in den Hormonhaushalt ein, schädigen das Immunsystem und können Fehlbildungen an Gebärmutter und Eierstöcken verursachen
, bilanziert die amerikanische Zoologin Theodora Colborn, die glaubt, dass diese Chemikalien langfristig die Fruchtbarkeit der Menschheit gefährden. Auslöser für Colborns These waren mehrere hundert Studien, die das Hormonchaos bei Wildtieren zeigten: Sterile Alligatoren-Weibchen zählen ebenso dazu wie missgebildete männliche Seeschwalbenküken oder aussterbende Wellhornschnecken.
Sicher ist: Menschen und Tiere rund um den Globus deponieren beträchtliche Mengen dieser langlebigen Umweltgifte in ihrem Körpergewebe und ihrem Blut. Mit der Muttermilch werden die Dauergifte an die Nachkommen weitergegeben.

Zum Endlager für die Dauergifte werden die Meere und die kalten Regionen der Erde: Da die Substanzen sehr stabil sind, werden sie kaum abgebaut und über weite Strecken transportiert. In der Kälte der Arktis, aber auch im Hochgebirge, kondensieren bzw. frieren die Moleküle aus und gehen mit Schnee und Regen nieder. Ein Phänomen, das Experten Globale Destillation nennen. Dauergifte werden vor allem in den warmen und gemäßigten Regionen der Welt produziert und verbraucht. Was aber etwa in Europa an brandhemmenden Zusätzen aus Fernsehern und Computern ausdünstet, tragen Wind und Meeresströmungen in kalte Gefilde.
Global betrachtet findet ein riesiger Destillationsprozess statt, der verdampfbare Schadstoffe in den Kältekammern der Erde konzentriert - Tausende Kilometer entfernt von jeder Industrieanlage. So gesehen ist Globale Destillation eine regelrechte Giftpumpe in arktische Regionen. Besonders verhängnisvoll ist, dass die gefährlichsten Umweltgifte ausgerechnet in die Regionen gepumpt werden, in denen durch Kälte, wenig Sonne und geringe mikrobiologischer Aktivität ihr Abbau am schwersten ist.
Fatale Folgen haben die Dauergifte für die Bewohner des endlosen Eises der Arktis, darunter Eisbären, Wale, Robben, Seevögel und die Inuit (Eskimos).
Eisbären auf Spitzbergen sind inzwischen so hoch belastet, dass ihre Fruchtbarkeit zurückgeht und zunehmend Missbildungen bei den Jungtieren auftreten. Im norwegischen Arktisgebiet von Spitzbergen fanden Wissenschaftler im April und Mai 1998 vier zwittrige Bärenjunge, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane aufwiesen - die Experten schätzen, dass schon 1,5 Prozent der Bären in der Region betroffen sind. Ob diese Tiere sich noch fortpflanzen können, ist unklar.
Im Blut der Inuit-Frauen fanden Wissenschaftler die höchsten jemals gemessenen Dauergift-Konzentrationen - abgesehen von dramatischen Werten nach schweren Chemieunfällen. Säuglinge, die solche fettlöslichen Gifte mit der Muttermilch aufnehmen, wiegen bei der Geburt weniger und sind häufiger krank.
Die Naturvölker der Polarregion forderten deshalb im August 1998 auf der Inuit Circumpolar Conference von der Staatengemeinschaft, langlebige Umweltgifte vertraglich zu verbieten.
Unterstützt werden die rund 125.000 weltweit lebenden Inuit von rund 400 Wissenschaftlern, die 1997 ihren ersten Bericht über die Bedrohung der Arktis vorstellten (The Arctic Monitoring and Assessment Programme - AMAP). Als Hauptproblem nannten die Wissenschaftler die Dauergifte und warnten vor ihrem weiteren Einsatz.
Die meisten POPs der neuen Generation entweichen nicht mehr heimlich und verschämt über Schornsteine und Abwasserrohre. Sie verlassen die Fabriken als Zusätze in Alltagsprodukten ganz legal durch das Werkstor.
In die Schlagzeilen gerieten im Juli 1998 bromhaltige Flammschutzmittel, die Computer, Textilien, Polstermöbel, Autos, Telefone und Fernsehgeräte vor Feuer schützen sollen und langsam ausdünsten. Niederländische Wissenschaftler spürten die krebserzeugenden Substanzen, von denen pro Jahr weltweit etwa 150.000 Tonnen hergestellt werden, im Fettgewebe von Robben, Delphinen und Pottwalen auf. Im Körper der Meerestiere, die ihre Nahrung in großer Tiefe suchen, fanden die Forscher vom niederländischen Institut für Fischereiforschung pro Kilogramm bis zu 100 Mikrogramm Brandhemmer wie PBDE (Polybromierte Diphenylether) und PBB (Polybromierte Biphenylether) - wieder sind die Meere und ihre Bewohner die Opfer der Chemikalienflut.
Keine Frage: Die Konzentrationen der neuen Dauergifte in der Umwelt steigen. Eine Studie schwedischer Forscher des Karolinska Institutes in Stockholm zeigte 1998, dass sich die Konzentration bromierter Flammschutzmittel in der Muttermilch derzeit alle fünf Jahre verdoppelt.
Trotz ihres Bekenntnisses zu Responsible Care kümmern sich bis heute chemische Industrie und Forschung kaum um die Dauergifte der neuen Generation. Doch wer nach ihnen sucht, wird fündig: So hat Greenpeace 1995 erstmals weltweit krebserregende und fruchtschädigende Chlorparaffine in Muttermilch, Wal- und Lebensmittelproben analysiert - mit alarmierenden Resultaten. Die Hoechst AG erklärte noch im gleichen Jahr, die Produktion dieser Dauergifte weltweit einzustellen. Obwohl das Unternehmen Chlorparaffine seit den 60er Jahren herstellte, hatte es bis zu den Greenpeace-Aktionen keine einzige Umweltprobe auf die kritische Substanz untersuchen lassen.
Welche Gefahr etwa PVC-Produkte für die Kleinsten bergen, offenbarte eine Greenpeace-Untersuchung Ende 1997: In PVC-Babyspielzeug, wie Beißringen, Greif- und Tierfiguren, wiesen Laboranalysen hohe Mengen Weichmacher (Phthalate) nach, die den Kunststoff elastisch und formbar machen. Kinder, die an den biegsamen Figuren lutschen und kauen, schlucken die gesundheitsschädlichen Substanzen, die in Verdacht stehen, bei längerer Aufnahme giftig auf Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu wirken. Staatliche Analysen, etwa der dänischen oder österreichischen Regierung sowie der EU, bestätigen die Greenpeace-Befunde und stufen die Migration der Phthalate als bedrohlich ein.
Zum Weihnachtsgeschäft 1998 waren in Deutschland erstmals keine Spielwaren aus Weich-PVC für Kinder unter drei Jahren erhältlich. Als letzte und weltweit größte Spielwaren-Handelskette hatte auch Toy's 'R Us - nach anhaltenden Greenpeace-Protesten - alle Beißringe, Rasseln und ähnliche Produkte aus den Regalen genommen.
Wie Produkte auf ihrem gesamten Lebensweg - von der Fabrik bis zur Deponie - die Umwelt schädigen können, zeigt das Beispiel PVC (Polyvinylchlorid). Rund 1,2 Millionen Tonnen des Problemkunststoffes werden jedes Jahr in Deutschland aus dem krebserregenden Vinylchlorid hergestellt.
Als im Juni 1996 bei Schönebeck ein Güterzug voll Vinylchlorid entgleiste, ein Waggon explodierte und vier weitere ausbrannten, wurde das Erdreich um den Unglücksort mit Dioxin verseucht. Erbgutanalysen der Anwohner belegen, dass der Unfall vermutlich auch Chromosomenschäden verursacht hat - eine Hypothek für das weitere Leben der Schönebecker. Immer wenn PVC brennt, entstehen Dioxine - auch bei Wohnungsbränden.
Auch die Zusätze sind gefährlich. Weich-PVC, wie Bodenbeläge, Vinyltapeten und Kabelhüllen, ja sogar Spielzeuge für Babies enthalten Phthalate. Diese Weichmacher dünsten aus und gelangen als Dauergifte in großen Mengen in die Umwelt und in Lebensmittel. Der Berg von Alt-PVC wird in den nächsten zehn Jahren um das Dreifache anwachsen. Die gesetzlichen Regelungen verbieten aber spätestens ab dem Jahr 2005 die Deponierung des Kunststoffes - wohin mit der Abfall-Lawine ist ungeklärt. Auch Verbrennen hilft nichts: Aus einem Kilo PVC entsteht über ein Kilogramm Restmüll. Recycling - wie von der Industrie behauptet - ist keine Lösung. Tatsächlich werden in Deutschland nur zwei Prozent des Alt-PVC recycelt.
Hobby-Gärtner setzen sie auf ihren Parzellen ein, im großen Maßstab landen sie jedoch in der Landwirtschaft auf deutschen Äckern - Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel: Pestizide.
Über 30.000 Tonnen dieser biologisch hochaktiven Chemikalien werden Jahr für Jahr in Deutschland ausgebracht. Ein Teil der Pestizide versickert ins Grundwasser, das für zwei von drei Deutschen die Quelle ihres Trinkwassers ist. Einmal ins Grundwasser gelangt, sind Pestizide dort noch jahrelang nachweisbar. Neue Pestizide dürfen daher in der EU nur zugelassen werden, wenn sie den Trinkwassergrenzwert im Grundwasser nicht überschreiten. Immer wieder versucht die Pestizidindustrie, den Grenzwert für Pestizide in der Trinkwasser-Richtlinie der EU zu kippen. Nur durch hartnäckige Lobbyarbeit konnte Greenpeace den strengen Grenzwert von 0,1 Mikrogramm Pestizid pro Liter verteidigen.
Von Entwarnung kann dennoch keine Rede sein: Trübe Aussichten für Mensch und Umwelt belegt im November 1998 eine Studie der Universität Oldenburg. Hierzulande seien viele Pestizide zugelassen, obwohl sie krebserregend wirken, das Erbgut, die Fruchtbarkeit oder das Nervensystem von Mensch und Tier schädigen können. Schuld daran - so die Oldenburger Toxikologen - seien Lücken im deutschen Zulassungsrecht für Pestizide, das bisher als vorbildlich für Europa galt.
Pestizide, die vor 1991 zugelassen wurden - und das ist die Mehrzahl - unterliegen nicht den strengeren Anforderungen der neuen EU-Pestizidrichtlinie. So bleiben gefährliche Agrargifte im Handel.
Dabei liegt die Alternative zu Pestiziden auf der Hand: Tausende von Biobauern erzeugen ohne chemische Belastung von Böden und Grundwasser gesunde und hochwertige Nahrungsmittel. Trotz etwas niedrigerer Erträge könnte sich Europa ausschließlich durch ökologisch erzeugte Lebensmittel ernähren - statt die industrielle Landwirtschaft zu subventionieren.

Lösemittelrückstände, Lackschlämme, Filterstäube: Wenn am Ende eines Produktlebens giftige Reste anfallen, ist fachgerechte Entsorgung aufwendig und teuer. Um Kosten zu sparen und den eigenen Dreck loszusein, haben Industrienationen ärmere Länder jahrelang als Giftmülldeponien mißbraucht. 1994 haben die Vertragsstaaten der Baseler Konvention beschlossen, den Verkauf von Giftmüll aus Industrienationen in die Dritte Welt und nach Osteuropa - auch zu Recyclingzwecken - zu verbieten. Seit Januar 1998 ist dieses Verbot für alle EU-Staaten rechtsverbindlich. Greenpeace hatte durch Hintergrunddiplomatie und spektakuläre Rückholaktionen aus Rumänien und Albanien die Weichen für diesen Sieg des weltweiten Umweltschutzes gestellt.
Dennoch sorgt seit kurzem illegaler Giftexport eines neuen Typs für Greenpeace-Widerstand: Deutsche Reedereien verkaufen ihre ausrangierten Schiffe zum Abwracken nach Indien. Mit bloßen Händen zerlegen dort billige Arbeitskräfte die hoch schadstoffbelasteten Wracks. Vor 30 Jahren verbauten die Werften großzügig krebserzeugenden Asbest als Brandschutz sowie Isoliermaterial für Rohre und Kabinenwände und strichen die Schiffe mit Farben, die giftige Bleiverbindungen und Tributylzinn, das den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringt, enthalten.

In Indien wird der Schiffsstahl ohne jeden Atemschutz auseinander geschweißt, die toxischen Abfälle werden am Strand verbrannt. Ätzende Rauchfahnen rauben den Arbeitern den Atem. Niemand weiß, wieviele Arbeiter an den Giften langsam dahinsiechen. Greenpeace hält den Export asbest- und chemikalienverseuchter Wracks für völkerrechtswidrig, denn ausgediente Schiffe sind kontaminierter Metallschrott im Sinne der Baseler Konvention. Die Reeder - so fordert Greenpeace - müssen ihre Schiffe vor dem Verkauf nach Asien von allen Schadstoffen befreien oder auf andere Weise dafür sorgen, dass Mensch und Umwelt an den Verschrottungsorten in Asien nicht durch dreißig Jahre alte Gifte geschädigt werden.
Wie ein Kurswechsel eingeleitet werden kann, zeigt das Beispiel Chlorchemie. Für Massenprodukte wie PVC, chlorgebleichtes Papier oder FCKW-haltige Kühlschränke sind erprobte Alternativen bereits auf dem Markt - der Ausstieg in Schlüsselbereichen hat bereits begonnen.
PVC lässt sich im Baubereich etwa durch Holz, Linoleum oder chlorfreie Kunststoffe, wie Polyethylen oder Polypropylen, sowie mineralische Werkstoffe ersetzen. Ob Rohrleitungen, Dachbahnen, Bodenbeläge, Fensterrahmen oder Elektrokabel - in vielen Städten haben Greenpeace-Gruppen unter dem Motto Clean Construction gezeigt, wie sich umweltfreundlich bauen und renovieren lässt. Aber auch im Büro oder zuhause lässt sich ohne PVC leben - Alternativen sind längst vorhanden.
Auch ökologischer und gesundheitsverträglicher Brandschutz ist durchaus möglich. Das Umweltbundesamt stellte fest, dass ungefährliche Alternativmaterialien, wie etwa Aluminiumoxid, ebenfalls die Sicherheit der Geräte gewährleisten können.
Einige Computer- und Fernsehgerätehersteller haben inzwischen gehandelt, andere stellen sich stur. Das zeigt die Umwelt-Computer-Liste 1998 des BUND. Gut schnitten die Firmen Siemens-Nixdorf, Acer, Apple und Fujitsu ab. Peacock, Vobis und Actebis bekamen die Note zufriedenstellend. Computer von IBM, Compaq, Comtech, Yakumo, Gateway, Schadt, Hewlett Packard, Dell und PC-Spezialist können Problemstoffe wie bromierte Flammschutzmittel enthalten.
Bereits 1991 kündigte die alte Bundesregierung eine Elektronikschrott-Verordnung an, mit der die Anwendung der Umweltgifte wirksam gestoppt werden sollte - bis heute ohne Resultat. Politischer Sinneswandel bahnt sich dagegen auf internationaler Ebene an.
Zwölf Dauergifte sollen im Jahr 2000 durch eine UNO-Konvention weltweit geächtet werden. Zu ersten Verhandlungen über das sogenannte Dreckige Dutzend trafen sich unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Anfang Juli 1988 Vertreter aus 95 Staaten in Montreal. Langfristig geht es bei den Verhandlungen aber um mehr als nur die zwölf klassischen POPs. Die POPs der neuen Generation, wie bromierte Flammschutzmittel, Phthalate und Chlorparaffine, müssen in die Konvention aufgenommen werden.
Während sich die UNO eher um die Klassiker unter den POPs kümmert, erbrachte im Juli 1998 die OSPAR-Konferenz in Sintra bei Lissabon einen auch für Industrieländer wegweisenden Beschluss. Das Sintra Statement schreibt fest, die Freisetzung aller gefährlichen Stoffe in den Nordost-Atlantik im Laufe einer Generation, also bis zum Jahr 2020, zu unterbinden - ein internationales Signal an die Chemieindustrie.
Entscheidend ist nun die Umsetzung dieses zukunftsweisenden Beschlusses: Die Ergebnisse müssen Bestandteil des Gewässerschutz- und Chemikalienrechts der EU und der Bundesrepublik werden.
Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer. Das EU-Chemikalienrecht bleibt derzeit weit hinter den Zielen zurück, die in solchen internationalen Konventionen festgeschrieben sind. Statt die Freisetzung giftiger oder schwer abbaubarer Stoffe zukünftig gänzlich zu unterbinden, will man sich nur auf die Kontrolle einzelner ausgewählter Stoffe einlassen. Selbst für diesen winzigen Schritt wollen sich die Europäischen Umweltminister jahrelang Zeit lassen. Chemiepolitik betreibt die EU nur im Schneckentempo: In fünf Jahren EU-Chemikalienmanagement wurden gerade einmal 19 Stoffe bewertet, kein einziger wurde reguliert. Selbst die EU-Kommission monierte im November 1998, das Chemikalienrecht schütze weder Menschen noch Umwelt vor gefährlichen Substanzen.
1999 steht in der EU eine Reform des Chemikalienrechts an. Greenpeace wird sich dafür einsetzen, dass im Umgang mit Chemikalien künftig das Vorsorgeprinzip gilt. Die Dauergifte müssen von der EU und internationalen Konventionen global verboten und durch umweltschonende Stoffe ersetzt werden.
| Name der Chemikalie | wird eingesetzt als: |
|---|---|
Aldrin |
Insektizid (Termiten, Ameisen) |
Chlordan |
Insektizid (Termiten, Bodenschädlinge) |
DDT |
Insektizid (Anopheles-Mücke, Tsetsefliege) |
Dieldrin |
Insektizid (Anopheles-Mücke, Tsetsefliege) |
Dioxine, Furane |
Nebenprodukte chemischer Prozesse und Verbrennung |
Endrin |
Insektizid, Nagetiergift |
Heptachlor |
Insektizid (Termiten, Ameisen) |
Hexachlorbenzol |
Pilzgift, Weichmacher für Kunststoff |
Mirex |
Insektizid (Ameisen) |
PCB |
Kühl- und Isolierflüssigkeit |
Toxaphen |
Insektizid, Nagetiergift |
Unser Ziel ist der Erhalt der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten.
Schreiben Sie an Bundesumweltminister Jürgen Trittin, Alexanderplatz 6, 10178 Berlin:
Fordern Sie ein Verbot des Einsatzes ungeprüfter Altstoffe, einen Stopp der Dauergifte und die Zulassung von Chemikalien nach dem Vorsorgeprinzip.
V.i.S.d.P.: Manfred Krautter; Stand: 3/1999