Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Wenn´s eng wird, ruft die Atomindustrie nach Mama Staat

Areva in Not? Der französische Atomkonzern hat am Mittwoch bei der Vorstellung seiner Jahresumsatzzahlen um finanzielle Hilfe vom Staat gebeten. Unerwartet hohe Kosten beim Bau des neuen EPR in Finnland haben den Gewinn 2008 um mehr als ein Fünftel auf 417 Millionen Euro einbrechen lassen.

  • /

Laut Areva sind die ursprünglich kalkulierten Baukosten von drei Milliarden Euro für den Reaktor im finnischen Olkiluoto um 1,7 Milliarden Euro überzogen worden. Der Bau sei jetzt bereits zwei Jahre in Verzug. Der finnische Energiekonzern TVO will von Areva wegen der Verzögerungen außerdem 2,4 Milliarden Euro Schadenersatz einklagen.

Die Entscheidung zum Bau des neuen Atomkraftwerks in Finnland wurde 2002 getroffen. Damals war lediglich von 2,5 Milliarden Euro Baukosten und vier Jahren Bauzeit die Rede - für den Greenpeace-Atomexperten Mathias Edler ein weiterer Beweis dafür, dass die Geschichte von der billigen Atomkraft ein Märchen ist: Kein einziges Atomkraftwerk kann ohne staatliche Hilfe wirtschaftlich gebaut werden. Immer zahlt der Steuerzahler die Zeche, ob in Frankreich, Finnland oder Deutschland.

60 Prozent der Investitionen in das Projekt Olkiluoto-3 tragen finnische Gemeinden oder Firmen, die direkt vom finnischen Staat kontrolliert werden. Extrem günstige Kredite über 1,95 Milliarden Euro von öffentlich-rechtlichen Banken aus Frankreich und Deutschland haben das irrwitzige Atomprojekt in Finnland mit ermöglicht. Maßgeblich beteiligt: die wegen ihrer Fehlinvestitionen inzwischen ins Trudeln geratene Bayrische Landesbank.

Edler: Das Risiko und den Schaden, verursacht durch ein irrwitziges französisches Atomprojekt in Finnland, trägt nun der deutsche Steuerzahler mit! Wenn Angela Merkel irgendetwas aus der Finanzkrise gelernt hat, sollte sie die Bayrische Landesbank in Zukunft am ganz kurzen Zügel führen. Und auch ihrem französischen Freund Nicolas Sarkozy davon abraten, das Geld der französischen Steuerzahler bei Areva in sinnlosen Atomprojekten zu verbrennen.

Wie sinnvolle Energiepolitik aussehen kann, beweist die Jahresbilanz 2008 der deutschen Windindustrie: Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 866 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 1665 Megawatt neu ans Netz gegangen. Das entspricht etwa der Leistung des finnischen EPR, dessen Inbetriebnahme nach wie vor in den Sternen steht. In ganz Europa gingen im vergangenen Jahr 8484 Megawatt Windenergie ans Netz, aber kein einziges Atomkraftwerk.

Publikationen

Risiko Atomkraft

Warum der Ausstieg aus der Atomkraft der einzig richtige Weg ist.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Leben im verstrahlten Land

Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima beweisen, wie gefährlich und zerstörerisch Atomkraft ist. Tausende Menschen sterben, Zehntausende erkranken schwer, Hunderttausende müssen zwangsumgesiedelt werden. Große Landstriche sind für Jahrhunderte unbewohnbar. Selbst ein hochtechnisiertes Land wie Japan ist vor solch einer Katastrophe nicht sicher.

Mehr zum Thema

Finger weg von Gorleben

Seit 40 Jahren versucht die Regierung, aus Gorleben das Atomklo der Nation zu machen. Doch die Region wehrt sich. Schon genauso lange. Ein Rückblick.

Nicht transportfähig

Durch Deutschland reisen kann er nicht, der Transport in die USA ist illegal, die Bürger dort wollen ihn auch nicht. Wohin also mit dem Atommüll von Jülich? Es gibt nur eine Lösung.

Fukushima und das Meer

Im März 2011 gingen vor dem AKW Fukushima gewaltige radioaktive Wolken auf den Pazifik nieder. Greenpeace-Messungen zeigen: Das Meer hat die Strahlung weitgehend verdünnt.