Ein Artikel von greenpeace.de

Natürlich bin ich gegen Atomkraft!

AKWs abschalten, Stromanbieter wechseln und demonstrieren gehen - die Schauspielerin Ulrike Folkerts hat klare Vorstellungen davon, was man für eine bessere Energieversorgung in Deutschland tun kann. Denn sie weiß, wie gefährlich AKWs sind. Das ist auch das Thema des Films Restrisiko, der heute Abend um 20.15 Uhr auf Sat.1 gezeigt wird.

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Online-Redaktion: Im Film Restrisiko spielen Sie die Sicherheitschefin in einem Atomkraftwerk, die zunächst felsenfest an Atomkraft glaubt, später aber die Ursachen eines Nuklearunfalls im AKW aufdeckt. Setzen Sie sich persönlich auch gegen Atomenergie ein?

Ulrike Folkerts: Im Moment ist das Thema wieder ganz schön aktuell. Als im Sommer die Diskussion über Laufzeitverlängerung stattfand und es die vielen Demos gab, haben wir gerade gedreht. Das war natürlich klasse, weil wir das Gefühl hatten, dass unser Film gerade wirklich brisant ist. Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich in Berlin auch mitdemonstrieren gegangen. Seit ich 17 bin bis ins Studium hinein war ich bei der ersten AKW-Nein-Danke-Welle immer aktiv unterwegs. Natürlich bin ich gegen Atomkraft –das ist für mich gar keine Frage – bis heute nicht.

Online-Redaktion: Was machen Sie konkret, um sich gegen Atomkraft einzusetzen?

Ulrike Folkerts: Das einzige, was jeder im Moment ganz schnell machen kann, ist den Stromanbieter wechseln. Das habe ich schon längst gemacht. Zu wissen, ich beziehe meinen Strom nicht von Atomkraftwerken fühlt sich schon mal ganz gut an. Das ist ja die kleine Macht, die man als Verbraucher hat und die man nutzen sollte. Ansonsten würde ich auf jeden Fall auch mal wieder bei Demos mitlaufen. Beim Castortransport war ich leider nicht, obwohl ich auch von den Grünen zum Traktorfahren eingeladen wurde. Aber man muss aufpassen, dass man nicht politisiert wird. Ich gehe lieber als Privatperson demonstrieren.

Online-Redaktion: Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme mit der Atomkraft?

Ulrike Folkerts: Definitiv die Entsorgung des Atommülls. Ein großes Problem ist auch, dass man einfach belogen wird und vieles nicht an die Öffentlichkeit kommt. Es gibt immer wieder Berichte und Kampagnen, die behaupten, Atomkraft sei sauberer und preiswerter Strom. Doch dass damit auch enorme Kosten für Forschung, Bauten und vor allem Endlager verbunden sind, die alle auf den Steuerzahler umgelegt werden, wird oft vergessen. Es ist gigantisch, welche Macht die vier großen Stromkonzerne auf die Regierung haben, wie viel Geld sie verdienen und wie wenig sie zur Rechenschaft gezogen werden. Obwohl sie tonnenweise Atommüll produzieren und nicht wissen, wo sie ihn entsorgen sollen - und zwar für die nächsten 200.000 Jahre. Das finde ich so lächerlich und da fühle ich mich auch regelrecht verarscht. Das muss alles an die Öffentlichkeit und dann möchte ich mal wissen, wer sich dann noch guten Gewissens für Atomenergie aussprechen kann.

Online-Redaktion: Die hitzige Atomdebatte hat im vergangenen Jahr Zehntausende auf die Straße getrieben. Nun rechnet Bundesumweltminister Röttgen jedoch mit einer wachsenden Akzeptanz für längere AKW-Laufzeiten. Haben die Atomkraftgegner noch eine Chance?

Ulrike Folkerts: Ich glaube schon, dass alle die schon immer aktiv waren, wieder auf die Straße gehen würden. Man muss natürlich weiterhin gute Argumente haben. Und wenn sich Menschen gegen Atommüll wehren, muss man das natürlich tatkräftig unterstützen. Ich fände es schrecklich, wenn erst etwas passieren muss, damit man kapiert, dass das nicht der Weg ist. Aber jetzt wird schon wieder die Bremse gezogen, obwohl die Gefahren so offensichtlich sind. In Tschernobyl haben die Menschen mit erhöhten Krebsraten zu kämpfen und im russischen Majak sind alle krank. Doch bei den vermehrten Krebsfällen bei Asse soll es angeblich keinen nachweisbaren Zusammenhang geben. Ich meine, wie blöd muss man denn sein, um das noch schönzureden.

Online-Redaktion: Die Folgen eines Super-GAUs in Deutschland wären verheerend. Dennoch hat die Bundesregierung gerade eine Laufzeitverlängerung auch für die ältesten deutschen Atomreaktoren beschlossen. Was erwarten Sie von der Politik, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten?

Ulrike Folkerts: Das Problem ist, dass ich nicht glaube, dass sie mir die Sicherheit gewährleisten können. Denn für den Film wurde ausgiebig recherchiert und es ist tatsächlich so, dass es sehr alte Reaktoren sind, kleinere Unfälle vertuscht werden, dass notdürftige Reparaturen von Fremdfirmen, deren Angestellte oft überarbeitet sind, durchgeführt werden, Ersatzteile werden aus alten Werken ausgebaut und in andere wieder reingebaut und es wirkt alles etwas dilettantisch. Es ist so, als würde man sich ohne TÜV auf die Autobahn begeben und sich wundern, dass die Bremsen nicht mehr funktionieren nach 100.00 Kilometern. Also keiner kann uns doch wirklich hundertprozentig garantieren, dass da nichts passieren wird. Deswegen erwarte ich auch nicht von der Politik, dass sie mir das versprechen, sondern dass sie verantwortungsvoll die AKWs abschalten. Ich fand, es war wirklich ein gutes Signal zu sagen, wir steigen aus. Aber dass die Politik wieder davon abgekommen ist verzeihe ich nicht, das finde ich nicht fair.

Online-Redaktion: Der Film Restrisiko wurde zum Teil im österreichischen AKW Zwentendorf gedreht, das auf Grund von Bürgerprotesten nie ans Netz ging. Welchen Eindruck machte die Technik in einem echten AKW auf Sie?

Ulrike Folkerts: Es gibt schon merkwürdige Arbeitsplätze. Dort sieht das alles schon nach sehr alter Technik aus. Es wirkt einfach nicht besonders vertrauenerweckend. Dadurch dass das Werk nie ans Netz gegangen ist, ist die Zone zwar nicht kontaminiert und relativ sicher. Trotzdem ist es sehr unheimlich, weil Radioaktivität weder zu sehen, noch zu spüren oder zu schmecken ist. Das bedeutet, sie macht sich nicht bemerkbar. Selbst wenn da schon einmal etwas ausprobiert wurde, ich hätte es nicht gemerkt. Das ist ein total komisches Gefühl gewesen und das blieb auch die ganze Zeit.

Online-Redaktion: Was haben Sie persönlich von den Restrisiko-Dreharbeiten mitgenommen?

Ulrike Folkerts: Ich habe eigentlich noch mehr Angst vor diesen Reaktoren und bin noch skeptischer geworden. Denn wir haben so viele Informationen bekommen, die die Gefahren und Risiken sehr viel deutlicher gemacht haben. Niemand kann garantieren, dass die Materialien noch lange halten und trotzdem sollen die Werke weitere zehn bis fünfzehn Jahre weiterlaufen. Und die Reparaturarbeiten, die durchgeführt werden, um die AKWs wieder in Gang zu bringen, denen traue ich einfach nicht über den Weg. Außerdem gibt es keinerlei Antworten auf die Frage, wohin mit dem Atommüll. Ich kann nur jedem Bürger raten, der sich damit beschäftigt, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen - man kann sich wunderbar informieren über andere Stromanbieter und das ist das kleine Mittel was man hat, um sich einzumischen.

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Die Schweizer Kernkraftwerke, insbesondere die Anlagen in Mühleberg und Beznau, gehören europaweit zu den ältesten Anlagen, ja sogar weltweit. Die Reaktoren weisen fortgeschrittene Alterungsprozesse aus, welche die ursprünglich bestehende Sicherheit stetig reduzieren.

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