
Nachdem wir wissen, dass Tepcos Informationen nicht zu trauen ist, bleibt eine große Unsicherheit, was die Auswirkungen dieses neuen Brandes betrifft. Vor kurzem hat Tepco außerdem Dokumente veröffentlicht, die belegen: Alles ist noch viel ernster als zuvor angenommen. Die Kernschmelze in Reaktor 1 hat demnach schon wenige Stunden nach der Naturkatastrophe eingesetzt – aufgrund des Ausfalls der Kühlung. Zuvor hatte der AKW-Betreiber stets behauptet, Fukushima Daiichi habe keinen Schaden durch das Erdbeben genommen, sondern der Tsunami habe das Kühlsystem zerstört und den GAU ausgelöst. Erst in dieser Woche hatte die Betreibergesellschaft zugegeben, dass es nicht nur in einem, sondern in drei Reaktoren zu einer Kernschmelze gekommen ist. Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie bestätigt, dass TEPCO bereits in den ersten Stunden nach dem Erdbeben von den Kernschmelzen gewusst und die japanische und internationale Bevölkerung seitdem bewusst getäuscht haben muss. Die Folgen der Kernschmelzen und Lecks: Derzeit sind mehr als 80.000 Tonnen hochradioaktives Wasser in der Anlage, alleine 50 Millionen Liter sind laut Tepco in den letzten Tagen wieder verschwunden
und somit wahrscheinlich ins Meer geflossen . Ein Schwimmfloß - 136 lang und 46 Meter breit - sollte diese Wassermassen aufnehmen. Fehlanzeige: Die Tanks quellen über und eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht, berichtet Spiegel Online.
Wir brauchen unabhängige Experten
Und nun? Welche Maßnahmen werden jetzt ergriffen, um das kontaminierte Wasser aufzufangen? Wie geht es nach dem Brand im nahe gelegenen AKW Fukushima Daini weiter? Wir wissen nicht, ob und was von Seiten der japanischen Regierung und Tepco wirklich gegen die Gefahren, die de facto existieren, unternommen wird
, so von Lieven. Wir fordern daher sowohl von der Regierung als auch vom AKW-Betreiber eine transparente Offenlegung aller Informationen, Messwerte und Daten.
Den Ernst der Lage verdeutlicht auch die zunehmende Ausweitung des Evakuierungsgebietes: Zunächst von einem 20- auf einen 30-Kilometer-Umkreis und jetzt keilförmig in Richtung Nordwesten auf 45 Kilometer. Dort befindet sich Fukushima City, wohin der Wind gefährliche radioaktive Partikel transportiert.
Die Radioaktivität befindet sich jedoch nicht nur in der Luft, sondern ist bereits bis in die Nahrungskette vorgedrungen. Greenpeace-Messungen von Fischproben und anderen Meeresfrüchten vor der Küste Fukushimas und Tests in unabhängigen Labors haben bestätigt: Bei 14 von 21 untersuchten Proben lag die Menge an radioaktiven Partikeln teilweise fünfzigfach über den gesetzlichen Grenzwerten für den Verzehr. Anfang Mai war Greenpeace mit der Rainbow Warrior vor Ort und hat zwei Wochen lang Meeresalgen gesammelt und untersucht. Schon die ersten Geigerzähler-Tests haben aufschrecken lassen: Teilweise war die radioaktive Kontamination von Meeresalgen so hoch, dass eine Messung nicht möglich war.
Tepcos überarbeitete Maßnahmen zur Sicherung des AKW in Fukushima hat Spiegel Online vergangene Woche publiziert. Auf dem Kraftwerksgelände soll zum Beispiel weiterhin Kunstharz versprüht werden, um radioaktiven Staub zu binden. Außerdem arbeite der AKW-Betreiber daran, eine Plane über die beschädigten Blöcke 1 bis 3 zu spannen, um ein Ausweichen der radioaktiven Stoffe in die Atmosphäre zu verhindern. Die Wetterbedingungen vor Ort könnten die Situation trotz aller Pläne jedoch deutlich verschlimmern: Anfang Juni beginnt in Fukushima die Taifun-Saison; der Regen könnte erneut große Mengen Radioaktivität ins Meer spülen. Außerdem ist mit Blitzeinschlägen sowie Stromausfällen zu rechnen und es wird immer wieder Nachbeben geben, die weitere Schäden nach sich ziehen und die Stabilisierungsarbeiten an den Reaktoren verzögern können. Tepco ist jedoch auf solch realistische externen Einflusse nicht vorbereitet. Da bislang keine detaillierte Bestandsaufnahme von der Situation im AKW selbst gemacht wurde, ist ein solcher Zeit- und Krisenplan, wie Tepco ihn vorgelegt hat, aus der Sicht von Greenpeace unseriös. Die geplanten Maßnahmen lassen momentan demnach auch lassen wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende der Freisetzung von Radioaktivität zu.
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