
Der Fernsehsender NHK meldet, dass die japanische Regierung ein medizinisches Notfallteam zu dem Kraftwerk entsandt hat, für den Fall dass Menschen dort radioaktiver Strahlung ausgesetzt werden sollten. Zu dem Team gehören Ärzte, Pflegepersonal und Fachleute für die Messung von Radioaktivität. Sie sollen ihre Arbeit in einem Nuclear Desaster Response Center, fünf Kilometer vom Kraftwerk entfernt, aufnehmen.
Die Behörde für Nuklear- und Industriesicherheit hat laut NHK erklärt, dass mittlerweile zwei radioaktive Substanzen, Caesium und Jod, in der Nähe des Kraftwerkes Fukushima 1 festgestellt worden seien. Das deutet darauf hin, dass einige der Metallbehälter mit Uranbrennstoff zu schmelzen begonnen haben.
Atomphysiker und Greenpeace-Experte Heinz Smital kommentiert die katastrophale Situation: Jetzt ist das eingetreten, wovor Greenpeace seit Jahren gewarnt hat. Dies ist der größte anzunehmende Unfall, der GAU. Eine Kernschmelze hat begonnen das Reaktorgebäude ist explodiert. Ob der Sicherheitsbehälter beschädigt ist oder nicht kann derzeit nicht gesagt werden. Ob der GAU mit der Reaktorkatastrophe Tschernobyl zu vergleichen ist, kann heute auch noch nicht gesagt werden.
Smital sagt weiter: Die Folgen der Fukushima-Katastrophe sind im Moment nicht einschätzbar. Die Auswirkungen hängen von folgenden Faktoren ab: 1. von der Menge der radioaktiven Freisetzung und 2. den Wetterbedingungen, sprich der Windstärke, Windrichtung und den Niederschlägen. Wir bei Greenpeace hoffen alle, dass es so wenig Menschen wie möglich trifft.
Bei dem AKW Fukushima 1 handelt es sich um einen Reaktor westlicher Bauart, der mit deutschen Atomkraftwerken absolut vergleichbar ist. Und auch der Reaktor Neckarwestheim 1 steht auf einem Erdbebengebiet und hätte einem Beben dieser Stärke nicht standgehalten. Der Unfall in Japan zeigt, dass die Atomkraft nicht beherrschbar ist. Auch nicht von den großen Industrienationen. Greenpeace fordert von der Physikerin Angela Merkel jetzt endlich umzudenken und die Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke zurückzunehmen.
Der größte anzunehmende Unfall (GAU) ist ein eingeplanter Unfall in einem AKW. Das heißt, die Anlage muss so ausgelegt sein, dass sie einen Unfall übersteht, ohne dass radioaktives Material oder Strahlung über die zulässigen Grenzwerte hinaus aus dem AKW austritt. Der GAU stellt den größte Unfall dar, der bei der Planung einer kerntechnischen Anlage anzunehmen ist.
Von einem Super-GAU wird gesprochen, wenn noch stärkere Belastungen des Reaktors auftreten, als bei dem eingeplanten GAU. Bei einem Super-GAU wird die Hülle des Reaktors zerstört und Radioaktivität tritt in die Umwelt aus.