
Aus der Atomanlage Fukushima 1 (Daiichi) tritt weiter Radioaktivität aus. Ein Ende ist nicht abzusehen. Bisherige Pläne, den Austritt bis September zu stoppen, haben sich als unrealistisch erwiesen. In den Kellern der Gebäude stehen mehrere Millionen Liter hochkontaminiertes Wasser. Die Säuberung ist schwieriger als angekündigt.
Was sich in den drei Reaktoren abspielt, in denen eine Kernschmelze stattgefunden hat, wissen wir nicht. Daten aus dem Innern der Druckbehälter sind weiterhin unbekannt. Vier Abklingbecken für Brennelemente sind teilweise zerstört und drohen einzustürzen. Sie müssen permanent gekühlt werden. Es wird noch Jahre dauern, bis die Reaktorgebäude betreten werden können.
Geplant ist, eine Hülle um die teilweise zerstörten Gebäude zu bauen, um den weiteren Austritt der Radioaktivität zu stoppen. Doch die Betreiberfirma Tepco ist schon beim ersten Bau in Verzug. Wie mit den stark erhöhten Werten im Inneren der Hülle umgegangen werden soll, ist unklar.
Die Evakuierungszone um das AKW Fukushima 1 ist für Jahrzehnte nur unter gesundheitlicher Gefährdung bewohnbar. Rund 80.000 Menschen werden nicht in ihr Zuhause zurückkehren können. Eine Gefährdung ist inzwischen auch für Orte weit außerhalb der 20-Kilometer-Zone offiziell bestätigt. Im Nordosten von Fukushima gibt es radioaktive Hotspots noch in 60 Kilometern, im Süden sogar noch in 200 Kilometern Entfernung.

Schulen, Kindergärten, Wohnhäuser müssen dekontaminiert, das Erdreich abgetragen werden. Doch niemand weiß, wo die Millionen Tonnen hoch- und mittelbelasteten Abfalls gelagert werden sollen. Es gibt keine Lagerstätte für diese Massen.
Ob Reis- und Gemüseanbau, Viehzucht oder Fischfang - Produkte aus der Region sind vielfach und auf Jahrzehnte nicht mehr zum Verzehr geeignet. Damit ist auch die wirtschaftliche Existenzgrundlage der Menschen weggebrochen. Tepco und der Staat zahlen zwar Entschädigungen. Doch die Beträge sind extrem niedrig.
Viele hundert Arbeiter haben in der Katastrophe Leben und Gesundheit aufs Spiel gesetzt, um das Schlimmste zu verhindern. Mehrfach wurde in den ersten Wochen in den Medien von verstrahlten Helfern berichtet. Doch niemand weiß, was aus ihnen geworden ist, wie es ihnen heute geht.
Was Strahlenkrankheit bedeutet, ist in einem Bericht nachzulesen, der kürzlich in deutscher Übersetzung erschien: 83 Tage - Der langsame Strahlentod des Atomarbeiters Hisashi Ouchi, dokumentiert von einem Team des japanischen Fernsehsenders NHK.
Hisashi Ouchi wurde 1999 bei dem Unfall in der japanischen Atomanlage Tokaimura verstrahlt. Er kam mit einer geröteten Hand in eine Klinik, wo er von Strahlenmedizinern behandelt wurde. Die Ärzte konnten ihn nicht retten. Sie mussten hilflos zusehen, wie er vor ihren Augen verfiel und starb.