Ein Artikel von Sigrid Totz

Biblis A: Es muss kein Terrorakt sein

In der Nähe von Lampertheim/Hessen ist am Mittwochabend bei schlechter Sicht ein US-Militärhubschrauber abgestürzt. Bei dem Unglück kamen drei Menschen ums Leben. Keine Umweltnachricht? Nein, keine Umweltnachricht. Und trotzdem: 12 bis 15 Kilometer weiter liegt das Alt-AKW Biblis - eines der verwundbarsten Atomkraftwerke in Deutschland.

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Die Kuppel des Reaktorgebäudes von Biblis A ist lediglich gegen den Absturz eines kleinen Sportflugzeugs ausgelegt. Der Stahlbeton ist nur etwa 60 Zentimeter dick. Auch Biblis B ist nicht viel besser geschützt. Das Unglück in Lampertheim erinnert daran, dass aus der Luft eine permanente Gefahr vorhanden ist. Es muss gar kein Terror sein - vor Zufall und widrigen Umständen gibt es keinen Schutz.

Der Absturz des Militärhubschraubers in der Nähe des AKW Biblis zeigt die hohe Gefährdung besonders der alten AKW, die nicht gegen den Absturz von Flugzeugen geschüzt sind, sagt der Greenpeace-Atomphysiker Heinz Smital. Genau wegen dieser Gefährdung wurde bei den neueren AKW die Auslegung gegen Flugzeugabstürze erhöht.

Smital kritisiert, dass die Diskussion um Laufzeitverlängerungen diese erhebliche Gefährdung stets ausblende. Im Entwurf zum Koalitionsvertrag war noch festgehalten, dass ältere Anlagen unter anderem mittelfristig nur weiterbetrieben werden sollten, wenn sie einen baulichen Schutz gegen Flugzeugabsturz vergleichbar dem der neuesten Anlagen aufweisen.

Smital: Im endgültigen Koalitionsvertrag ist dieser Passus gestrichen. Die Atom-Hardliner haben sich offensichtlich durchgesetzt. Das ist unverantwortlich. Die alten Anlagen müssen sofort abgeschaltet werden.

Aktuelle Publikationen zum Thema

Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl hat ganze Regionen auf Jahrhunderte unbewohnbar gemacht, die Gesundheit vieler Menschen wurde auf Generationen zerstört. Umso verstörender ist, in welchem Maße Institutionen wie IAEO und WHO diese gesundheitlichen Folgen herunterspielen. Greenpeace beauftragte Wissenschaftler, vorhandene Studien zu den Folgen der Katastrophe zu sichten und ihre Ergebnisse zusammenzustellen. Das Ergebnis erschien 2006.

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