
Die Reaktoren gehörten zu einer russischen Baureihe, denen man relativ leicht Plutonium für Atombomben entnehmen kann. Zehn Kraftwerke sollten am Pripjat entstehen. Vier Atommeiler waren in Betrieb, zwei weitere im Bau, als in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 kurz nach ein Uhr der Reaktor 4 in Tschernobyl explodierte: Der Super-GAU, der nicht mehr zu beherrschende Unfall in einem Atomkraftwerk, war eingetreten.
Eine erste radioaktive Wolke zog über Polen nach Skandinavien. Am 28. April 1986 löste sich im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark der automatische Alarm aus: Die Strahlung auf dem Gelände war so hoch, dass man zunächst einen Unfall in Forsmark vermutete. Erst dadurch erfuhr die Weltöffentlichkeit von einem der gravierendsten Unfälle der Industriegeschichte.
Die radioaktive Belastung in Weißrussland, der Ukraine und Russland ist bis heute katastrophal: Ganze Regionen sind hier für die Produktion von Nahrungsmitteln auf Jahrhunderte verloren. In den betroffenen Gebieten sind heute die meisten Menschen krank. Von den jungen Menschen, die zu Aufräumarbeiten im verstrahlten Gebiet gezwungen wurden, sind bis 2002 - allein nach ukrainischen Angaben - bereits 15.000 gestorben.
Die Fotos entstanden im Juni und Juli 2005 in der Region Tschernobyl.