
Der Komplex besteht aus fünf Atomkraftwerken, einer Anlage zur Plutoniumgewinnung aus abgebrannten Brennstäben, Fabriken zur Verarbeitung von Uran und Plutonium, Lagergebäuden für Atommüll und einer Anlage, die flüssigen Atommüll ins Erdreich pumpt. Die Atomreaktoren, von denen zwei noch in Betrieb sind, dienten zur Herstellung von Plutonium für sowjetische beziehungsweise russische Atomwaffen.
Am 6. April 1993 explodierte im Sibirischen Chemiekombinat Sewersk/Tomsk-7 ein Tank der Uran- und Plutoniumfabrik. In die Atmosphäre geschleuderte radioaktive Partikel kontaminierten ein Gebiet von über 120 Quadratkilometern. Zahlreiche Dörfer mussten evakuiert werden, sie sind dauerhaft unbewohnbar. Noch heute leiden die Menschen in der Region an den Folgen. Viele zeigen dieselben Symptome wie die Opfer von Tschernobyl und Majak: Krebs, Blutkrankheiten, Schädigung des Erbguts.
Die Kontamination der Region geht schleichend weiter. Immer noch wird flüssiger Atommüll einfach in den Boden gepumpt, auf dem Gelände sammelt sich mehr und mehr Atommüll an. Deutschland und andere westeuropäische Länder verseuchen mit: Die französische Atomfirma Cogema und das deutsch-britisch-niederländische Unternehmen Urenco - zu einem Drittel im Besitz von RWE und E.ON - entsorgen strahlenden Müll aus ihren Urananreicherungsanlagen im Sibirischen Chemiekombinat Sewersk/Tomsk-7.
Die Fotos entstanden im August und September 2005 in der Region Tomsk.
Der britische Rapper Example hat das Video seines Songs What we made in der Region um Tschernobyl gedreht. Mit Blick auf leere Hütten und Gasmasken für Babys meint er: Niemand, der das gesehen hat, kann noch für Atomkraft sein.