Nach Jahrzehnten im Einsatz gegen die Atomenergie führt die letzte Reise der Beluga nun an jenen Ort, der symbolisch für den Kampf um ein sicheres Endlager steht. Greenpeace-Atomexpertin Susanne Neubronner berichtet aus Gorleben. >>>mehr
Das alte Greenpeace-Aktionsschiff Beluga findet seinen letzten Hafen in Gorleben und wird so zu einem Mahnmal gegen die verfehlte Endlagerpolitik der Bundesregierung. Seit Montagmorgen wird das zerlegte Schiff unmittelbar am Eingang zum Salzstock wieder neu aufgebaut. >>>mehr
Die Beluga ist untrennbar mit der Arbeit von Greenpeace verbunden. Das ursprüngliche Feuerlöschboot kam 1984 als erstes deutsches Schiff zu Greenpeace. In den folgenden Jahrzehnten half es bei zahllosen Protestaktionen und Dokumentationseinsätzen.
Berühmt geworden ist die Beluga mit ihren Einsätzen in der Anti-Atombewegung. Vor den Wiederaufarbeitungsanlagen im britischen Sellafield und französischen La Hague etwa half das Schiff mit seiner Laboreinrichtung, Verschmutzungen durch diese Anlagen nachzuweisen. Aufgrund der Messergebnisse stellte die Bundesregierung 2005 die Wiederaufarbeitung ein und verringerte damit die Menge des zurückkommenden Mülls für das Zwischenlager Gorleben.
Greenpeace hat Originalakten der Niedersächsischen Staatskanzlei und des Niedersächsischen Umweltministeriums von 1974-76 ins Netz gestellt. Klicken Sie auf das Banner und machen Sie sich selber ein Bild:
Auch 60 Jahre nach der ersten Kernspaltung gibt es weltweit kein betriebsbereites Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Das einzige, was man bis jetzt weiß, ist, dass es ein wirklich sicheres Endlager für den Jahrtausende strahlenden Müll nie geben wird.
Die geologischen Sicherheitsprobleme sind in allen Ländern ähnlich. Eine wirksame Abschirmung der Biosphäre vor radioaktiven Nukliden kann durch Kontakt zu Grundwasser führenden Gesteinsschichten, Gebirgsklüfte und seismische Aktivität unabhängig vom Wirtsgestein in keinem Land für viele Tausend Jahre garantiert werden.
Die Umweltschützer forderten deshalb ihre Regierungen auf, die Produktion von radioaktiven Abfällen sofort zu stoppen. Die angestrebten Isolationszeiträume rangieren von 10.000 Jahren (USA) bis 1 Mio. Jahre (Deutschland). Russland setzt dem gegenüber auf die langfristige Verdünnung der radioaktiven Stoffe aus dem Lagerort in die Umwelt.
Beim Vergleich der Endlagerpläne in den verschiedenen Ländern stellten die Teilnehmer viele Parallelen fest. Sicherheitskriterien spielten bei der Auswahl der Standorte keine große Rolle. Vielmehr mussten Betreiber und Regierung mit dem Akzeptanzproblem in der Bevölkerung fertig werden.
Deshalb handelt sich bei den bisher ausgewählten Standorten meist um dünnbesiedelte und wirtschaftlich schwach entwickelte Regionen. Die Regierungen hoffen hier auf weniger Widerstand bei der Bevölkerung zu treffen. Häufig wählen die Verantwortlichen auch Bauplätze in unmittelbarer Nähe von bereits bestehenden Atomanlagen aus und setzen hier auf den Gewöhnungseffekt bei der Bevölkerung. Zum Teil sind die betroffenen Gebiete durch alte radioaktive Emissionen oder Nuklearwaffentests so verstrahlt, dass nach Ansicht der Regierungen an den Orten ein Endlager nur noch eine unwesentliche weitere radioaktive Belastung der sowieso schon verseuchten Umwelt dar stellt.
Treffen die Endlagerpläne auf Widerstand in der Bevölkerung, zahlen Betreiber und Regierungen in vielen Ländern großzügige Akzeptanzgelder an die betroffenen Gemeinden. Mit Schwimmbädern, Altersheimen und beleuchteten Bürgersteigen soll die Zustimmung zu den Endlagern erkauft werden.