Der Bundestag hat am 30. Juni 2011 mehrheitlich für den Atomausstieg bis 2022 gestimmt. Acht Reaktoren wurden sofort stillgelegt: Brunsbüttel, Biblis A und B, Isar 1, Philippsburg 1, Unterweser, Neckarwestheim 1 und Krümmel. Die restlichen neun sollen in folgender Reihenfolge vom Netz gehen: Grafenrheinfeld (2015), Gundremmingen B (2017), Philippsburg 2 (2019), Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen C (alle 2021), Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland (alle 2022).
Lesen Sie, wie Greenpeace diesen Beschluss bewertet.
Hier geht es zur Großansicht der Karte
Hier ein Vergleich der möglichen bzw. zu erwartenden Laufzeiten aller AKW. Wann ist ein Abschalten nach Greenpeace-Berechnungen möglich, wann wäre die Abschaltung gemäß früherem Atomkonsens erfolgt, wann würden die AKW nach den Plänen von Schwarz-Gelb abgeschaltet? Bitte klicken Sie auf die Grafik, um eine große Ansicht zu erhalten.
Moderne Atomkraftwerke sind von einem so genannten Containment umschlossen, einem riesigen stählernen Behälter, der sie vor Erdbeben, Sabotage und Flugzeugabstürzen schützen soll. Mit Schnellabschalt- und Notkühlsystemen will man Reaktorunfälle beherrschen, auch den GAU, den größten anzunehmenden Unfall.
Doch kein Sicherheitssystem ist perfekt. Im Lauf der Zeit zeigten die Reaktoren immer wieder Schwachstellen, die bei der Konstruktion nicht berücksichtigt wurden. So mussten in mehreren deutschen Atomkraftwerken kurze Zeit nach Inbetriebnahme in großem Umfang Rohrleitungen ausgetauscht werden, weil es Verarbeitungsmängel gab und der verwendete Stahl sich als nicht geeignet herausstellte. Der als Ersatz eingebaute Super-Stahl Austenit erwies sich nur zehn Jahre später ebenfalls als rissanfällig.
Rohrleitungsschäden in Atomkraftwerken sind gefährlich, denn wenn Rohre brechen, kann Kühlwasser auslaufen. Ohne ausreichende Kühlung überhitzt sich der Reaktorkern. Der Reaktor kann außer Kontrolle geraten und im schlimmsten Fall durchschmelzen oder explodieren.
Meist ist es eine Kombination von menschlichen Fehlern und technischem Versagen, die zu unvorhergesehenen Zwischenfällen in Atomkraftwerken führt. Selbst Verfechter der Atomenergie müssen einräumen, dass ein Restrisiko bei keinem Reaktortyp auszuschließen ist. Unfälle, bei denen es zu einer Kernschmelze und zu einer schnellen Zerstörung des Containments kommt (Super-GAU), sind auch in einem deutschen Atomkraftwerk jederzeit möglich - sei die rechnerische Wahrscheinlichkeit auch noch so klein. Studien belegen, dass ab einer Betriebsdauer von etwa 20 Jahren das Risiko eines Reaktorunfalls deutlich zunimmt. In Deutschland sind bei den - inzwischen abgeschalteten - ältesten Atommeilern in Obrigheim und Stade bereits gravierende Werkstoffprobleme aufgetreten, die auch mit Nachrüstungen nicht in den Griff zu bekommen waren.
Bei allen heute weltweit betriebenen Reaktortypen sind schwere Unfälle mit radioaktiven Freisetzungen möglich, nicht nur beim Tschernobyl-Typ. Eine Katastrophe würde im dicht besiedelten Deutschland unermesslichen Schaden verursachen und ganze Landstriche für lange Zeit unbewohnbar machen.