Zur Landkarte deutscher Atomkraftwerke in vergrößerter Ansicht:
Die aktualisierte Pannenstatistik deutscher AKW als PDF (Stand: 21.7.2011). Eine Aktualisierung der Grafik folgt zu späterer Zeit.
Hier ein Vergleich der möglichen bzw. zu erwartenden Laufzeiten aller AKW. Wann ist ein Abschalten nach Greenpeace-Berechnungen möglich, wann wäre die Abschaltung gemäß früherem Atomkonsens erfolgt, wann würden die AKW nach den Plänen von Schwarz-Gelb abgeschaltet? Bitte klicken Sie auf die Grafik, um eine große Ansicht zu erhalten.
Aktuell: Der Bundestag hat am 30. Juni 2011 mehrheitlich für den schwarz-gelben Entwurf zum Atomausstieg bis 2022 gestimmt. Acht Reaktoren werden sofort stillgelegt: Brunsbüttel, Biblis A und B, Isar 1, Philippsburg 1, Unterweser, Neckarwestheim 1 und Krümmel. Die restlichen neun sollen in folgender Reihenfolge vom Netz gehen: Grafenrheinfeld (2015), Gundremmingen B (2017), Philippsburg 2 (2019), Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen C (alle 2021), Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland (alle 2022). Der Vorschlag, eines der jetzt stillzulegenden alten AKW als Kaltreserve in Bereitschaft zu halten, wurde fallen gelassen.
Lesen Sie, wie Greenpeace diesen Beschluss bewertet.

Die Deutschen erledigen das schäbige Geschäft der Wiederaufarbeitung nicht selbst. Bis 2005 haben sie ihre radioaktiven Abfälle in die Anlagen nach La Hague/Frankreich und Sellafield/Großbritannien gesendet. Bei der Wiederaufarbeitung wird aus Atommüll noch mehr Atommüll. Gängige Praxis der Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) ist es, Teile des radioaktiven Mülls in die Umwelt zu entsorgen. Aus der WAA in La Hague werden pro Tag 1,5 Millionen Liter radioaktiv verseuchten Wassers in den Ärmelkanal geleitet. Sellafield pumpt täglich 9 Millionen Liter radioaktiv verseuchter Abwässer ins Meer; die Irische See zählt zu den am stärksten radioaktiv belasteten Meeren der Welt.
Die Radioaktivität gelangt über die Umwelt in die Nahrungskette. Die permanente Bestrahlung mit radioaktiven Substanzen erhöht das Krebsrisiko in der Bevölkerung nachweislich. Die Blutkrebsrate bei Kindern und Jugendlichen ist im Umkreis von La Hague dreimal und in der Umgebung von Sellafield zehnmal so hoch wie im Landesdurchschnitt. In Zähnen von Kindern aus der Nähe von Sellafield fanden Wissenschaftler Spuren von Plutonium. Alle Lebewesen dort sind von der Kontamination betroffen. Tauben in Seascale, nahe der englischen WAA, weisen eine starke Verstrahlung von Federkleid und Innereien auf. Ihr Gefieder ist so stark bestrahlt, dass es nach deutschem Recht als Kernbrennstoff qualifiziert werden müsste.
Deutsche Atomkraftwerksbetreiber gehören zu den Hauptkunden der Wiederaufarbeitungsanlagen. Sie nehmen die radioaktive Verseuchung von Mensch und Natur billigend in Kauf.
Wiederaufarbeitung ist die chemische Abtrennung von Uran und Plutonium aus sogenannten abgebrannten Brennelementen nach deren Einsatz im Reaktor. Die Technik wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges für militärische Zwecke entwickelt und ebnete den Weg zum Bau der Atombombe. In den 60er Jahren kam dieses komplizierte und teure Verfahren auch im zivilen Sektor zum Einsatz. Da das in der Wiederaufarbeitung gewonnene Uran und Plutonium zivil nicht genutzt wird, dient die gefährliche Technologie nur dem einen Ziel: radioaktiven Müll im Ausland behandeln zu lassen. Nach einigen Jahren muss das immer noch radioaktive Material aber in Deutschland entsorgt werden. In Deutschland war der Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf nicht durchsetzbar. Die USA und andere Länder verabschiedeten sich schon vorzeitig von dieser unwirtschaftlichen Technologie. Frankreich und England boten Ersatz: Der Großteil des deutschen Atommülls ging nach La Hague, ein kleinerer Teil nach Sellafield - in Wiederaufarbeitungsanlagen, die in Deutschland niemals eine Betriebsgenehmigung erhalten hätten.
Die Wiederaufarbeitung verstößt aus Sicht von Greenpeace gegen das Gebot der schadlosen Verwertung, wie sie das deutsche Atomgesetz fordert. Die Wiederaufarbeitung ist nicht schadlos, sondern schädlich, denn radioaktive Strahlung bedroht schon beim Normalbetrieb Mensch und Natur. Auch von Verwertung des aus den abgebrannten Brennelementen gewonnenen Urans und Plutoniums kann keine Rede sein: Die Menge des endzulagernden Atommülls potenziert sich, die wiedergewonnenen Stoffe Uran und Plutonium werden nur in geringen Mengen wieder eingesetzt.
Plutonium ist nur ein Beispiel für das schwere Erbe, das die Atomenergie hinterlässt. Das Plutonium-Isotop Pu-239, das im Reaktor aus Uran entsteht, hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Das heißt: Nach dieser Zeit ist seine Radioaktivität auf die Hälfte zurückgegangen, nach wieder 24.000 Jahren erst auf ein Viertel. Nach menschlichem Ermessen dauert es eine Ewigkeit, bis die Radioaktivität vollständig abgebaut ist: je nach Menge und Isotop Hunderttausende oder gar Millionen Jahre.