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Walfang schreckt Verbraucher ab

Umfrage von WDC und Pro Wildlife: Verbraucher lehnen Fisch mit Link zum isländischen Walfang ab.

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Würden Sie mit gutem Gewissen zum Tiefkühlfisch greifen, wenn Sie wüssten, dass der Hersteller in Geschäfte mit Walfängern verstrickt ist? Wenn Sie jetzt empört verneinen, gehören Sie zu den über 80  Prozent der Frauen und Männer in Deutschland, die  bei einer aktuellen Umfrage genauso  reagiert haben. Die Befragung wurde in Auftrag gegeben von befreundeten Organisationen wie Pro Wildlife, Whale and Dolphin Conservation (WDC) und anderen Artenschutzorganisationen.

Im Fokus der Befragung stand der isländische Walfang – ein Thema, das auch uns bei Greenpeace gerade unter den Nägeln brennt. Denn in der laufenden Fangsaison schlachten Islands Walfänger bis zu 154  bedrohte Finnwale ab.  Auf der Eisinsel stecken Wal- und Fischindustrie eng unter einer Decke – rund um den Chefwalfänger Kristján Loftsson zieht sich ein wahres Geflecht an Firmen. Der Inhaber der größten Walfangfirma Islands lenkt gleichzeitig als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke der größten Fischfirma des Landes: HB Grandi, deren Fischprodukte wie zum Beispiel Rotbarsch auch in deutschen Supermärkten landen.

Wir haben das Wichtigste aus der Umfrage herausgepickt - die vollständige Analyse (englisch) finden Sie hier.
Es wurden 1001 Erwachsene in England und Deutschland - darunter Männer und Frauen zum gleichen Anteil - unter anderem zu ihrem Kaufverhalten von Fisch und Meeresfrüchten befragt. Sie erhielten die zusätzliche Info, dass Islands Walfänger mit einem der größten isländischen Fischexporteure verbunden ist, der auch nach Großbritannien und Deutschland liefert.

  • Mehr als vier von fünf Menschen in jedem Land gaben an, dass sie eher keine Fischprodukte kaufen würden, die mit Walfangfirmen in Verbindung stehen. Für die Hälfte der Befragten ist dies sogar “sehr unwahrscheinlich“.
  • Nur vier Prozent in Großbritannien und zwei Prozent in Deutschland würden dennoch diese Produkte kaufen.
  • Ein größerer Anteil Frauen als Männer (sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland) gab an, eher keine Fischprodukte mit diesem Hintergrund zu kaufen.

Die Ablehnung scheint sich über alle Altersstufen zu ziehen: Mindestens acht von zehn in jeder der festgelegten Altersgruppen würden keine Fischprodukte dieser Firma kaufen.

Astrid Fuchs, Kampagnenleiterin bei WDC erklärt zur Umfrage: “Diese Zahlen sollten besonders einigen großen deutschen Supermärkten zu denken geben. Kritisiert werden diese momentan stark für ihre Geschäfte mit Islands größter Fischereifirma HB Grandi, die eng mit dem Walfang verbunden ist.“

Der Aussage können wir nur zustimmen – seit langem zeigt Greenpeace der größten deutschen Fischfirma Deutsche See auf, dass ihr isländischer Zulieferer HB Grandi in den Walfang verstrickt ist.  Das kümmert die Bremerhavener Fischmanufaktur aber nicht – bisher weigert sie sich standhaft, HB Grandi die Verträge zu kündigen.

So können Sie gegen den isländischen Walfang aktiv werden:

>>> Greenpeace-Aktion: Fordern Sie Deutsche See auf, keine Geschäfte mit Walfängern zu machen. Und lassen Sie sich nicht beirren: Es gibt klare Verbindungen zwischen Zulieferer HB Grandi und der Walfangfirma Hvalur.

>>> Pro Wildlife-Aktion: Schicken Sie eine Protestmail mit der Forderung „Keine Finanzierung des isländischen Walfangs“ an deutsche Supermärkte und Fischfirmen.

>>> WDC-Aktion: Fordern Sie die Bundesumweltministerin auf  „Keine Unterstützung des Walfangs in der EU“.

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