Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

CITES-Konferenz startet

Am kommenden Samstag startet in Doha/Qatar die 15. Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES). Es wird spannend: Auf der Tagesordnung steht unter anderem der Schutz des Roten Thuns.

  • /

Was ist CITES und wie funktioniert es?

Das Abkommen wurde 1973 von zehn Gründerstaaten unterzeichnet und trat zwei Jahre später in Kraft. Heute zählt das den Vereinten Nationen zugehörige Völkerrechtsinstrument 175 Unterzeichnerstaaten. Damit ist es eine der wichtigsten Umweltschutzinstitutionen weltweit. Das Abkommen garantiert den Schutz von insgesamt 33.500 Tier- und Pflanzenarten, die lebendig oder als Pelze, kulinarische Delikatessen, Rohhölzer, Musikinstrumente oder Teil der chinesischen Medizin gehandelt werden. Der Schutz von CITES besteht in Beschränkungen oder sogar Verboten des internationalen Handels mit den auf verschiedenen Anhängen geführten Tier- und Pflanzenarten.

Die Mitgliedsländer treffen sich alle drei Jahre, um über Vorschläge abzustimmen, die zur Lockerung oder Verschärfung des länderübergreifenden Handels mit Tier- und Pflanzenarten führen. Die Vorschläge benötigen die Zustimmung einer Dreiviertelmehrheit der Mitgliedsländer, um wirksam zu werden. Die CITES-gelisteten Tier- und Pflanzenarten sind auf drei sogenannten Anhängen aufgeführt, die unterschiedlichen Schutzkategorien entsprechen.

Wer steht auf welchem CITES-Anhang?

Auf dem CITES-Anhang 1 stehen 530 vom Aussterben bedrohte Arten wie Tiger, Menschenaffen, Schneeleoparden und Schildkröten, aber auch mehr als 300 Pflanzenarten. Zu ihnen gehören Orchideen und Kakteen. Bei der diesjährigen Konferenz wird unter anderem entschieden, ob der Rote Thunfisch zukünftig dieser strengsten Schutzkategorie zugeordnet wird. Auch die Wal- und Delfinarten stehen auf diesem Anhang, werden aber durch die Internationale Walfangkommission (IWC) gesondert gemanagt.

Auf Anhang 2 sind all jene Arten gelistet, die zwar nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, deren Handel aber streng kontrolliert werden muss, um das Überleben der Art nicht zu gefährden. Zu dieser Kategorie gehören 4.460 Tierarten, unter anderem der Große Weiße Hai, verschiedene Krokodilarten sowie mehr als 28.000 Pflanzenarten. Mehrere Abstimmungen in Doha werden sich mit Vorschlägen beschäftigen, Arten von Anhang 2 auf Anhang 1 oder umgekehrt zu listen. Wie bei jedem CITES-Treffen wird die japanische Regierung versuchen, das Handelsverbot für die Großwalarten aufzuweichen.

Der Anhang 3 umfasst fast 300 Arten, die über nationale Maßnahmenkataloge in mindestens einem Land geschützt sind und internationale Zusammenarbeit benötigen, um den Verkauf und Handel zu überwachen. Zu diesen Arten gehören zum Beispiel die Rote Koralle in China, der Bengalen-Fuchs in Indien oder die aus Honduras stammende Witwenpfeifgans.

Grenzen des CITES-Abkommens

Obwohl das Washingtoner Artenschutzbakommen zu den eher wirkamen Umweltschutzinstrumenten gehört, garantiert es nicht das Überleben der gelisteten Arten. Zum Beispiel sind die Tigerarten seit 35 Jahren auf dem Anhang 1. Dies gilt auch für die Kaviar liefernden Störarten, die seit 1998 auf diesem Anhang zun finden sind. Aufgrund von Lebensraumverlust und vor allem der Wilderei sind die Bestände jedoch weiter dramatisch eingebrochen.

Worum geht es 2010?

Die diesjährige Konferenz ist für Greenpeace von besonderer Bedeutung, da auch viele Meerestierarten für die verschiedenen Schutzkategorien vorgeschlagen werden. Neben dem erwähnten Roten Thunfisch geht es um verschiedene Haiarten, zu denen neben mehreren Hammerhaiarten auch der Dornhai gehört. Seine Bauchlappen werden als Räucherware in den deutschen Fischläden als Schillerlocken angeboten. Obwohl die Art in der Nordsee als ausgestorben gilt, verzichten die deutschen Fischhändler nicht auf den Verkauf und beziehen ihre Ware aus Fängen in US-amerikanischen Gewässern.

Die EU-Länder haben monatelang um eine einheitliche Position zum Schutz des Roten Thuns gerungen. Das Ergebnis: Sie wollen in Doha für eine Listung der bedrohten Fischart in Anhang 1 stimmen. Die CITES-Konferenz dauert knapp zwei Wochen. Sie endet am 23. März.

(Autor: Thilo Maack)

Mehr zum Abkommen und zur 15. CITES-Konferenz

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Einkaufsratgeber Fisch

Die Meere und ihre Fischbestände müssen geschützt werden – und jeder Verbraucher kann dazu beitragen: mit der sorgfältigen Auswahl beim Fischeinkauf. Stammt der Fisch aus nachhaltigem Fang? Ist die Art bedroht? Oder gar schon überfischt?

Mehr zum Thema

Baby-Brei fürs Fischgericht

In China werden jährlich vier Millionen Tonnen junger Wildfische zu Brei zermahlen und an Fische in Aquakulturen verfüttert. Ein Desaster für das Ökosystem Meer.

Bild im Bild

Nick Brandts großformatige Tieraufnahmen stehen mahnend in afrikanischen Industrielandschaften – Geister einer unwiederbringlich verlorenen Vergangenheit.

Zukunft für den Großen Bären

Großer Erfolg in Kanada: Mehr als drei Millionen Hektar des Great-Bear-Regenwaldgebietes sind endlich langfristig vor Abholzung geschützt – ein Gebiet der Größe von Belgien.