Foto-Ausstellung "Inherit The Dust" von Nick Brandt

Bild im Bild

Nick Brandts großformatige Tieraufnahmen stehen mahnend in afrikanischen Industrielandschaften – Geister einer unwiederbringlich verlorenen Vergangenheit.

  • /

Elefanten unter einer Schnellstraße, ein Nashorn vor Fabrikschloten, ein Zebra hinter Zuggleisen: Die Bilder von Nick Brandt erzeugen Spannung durch Widersprüche. Jedenfalls auf den ersten Blick: In Wahrheit bildet der britische Fotograf die Tiere der afrikanischen Wildnis dort ab, wo ihre Artgenossen einst zuhause waren – aber längst vertrieben sind.

Noch bis zum 9. Juli werden die Bilder in Berlin bei Camera Work gezeigt, eine ausführlichere Ausstellung läuft bis 11. September im Stockholmer Museum Fotografiska.

Auf riesige Leinwände gezogen, stellte Brandt seine Tierfotografien in Industrielandschaften auf – Motive, die er für seine Serien "On This Earth""A Shadow Falls" und "Across The Ravaged Land" nicht verwendet hat. 

Monatelang kundschafteten Brandt und sein Team geeignete Orte in Kenia und Nairobi aus. Mehr als zwanzig Mitarbeiter waren nötig, um in glühender Hitze die gewaltigen Leinwände aufzustellen.

Steinbruch mit Giraffe

Brandts besondere Sorgfalt galt der Horizontlinie. Landschaft und Leinwand sind akribisch aufeinander abgestimmt. Nichts davon entstand mit digitalen Bildbearbeitungsprogrammen: "Inherit The Dust" ist auf Film fotografiert, vollständig analog – und gestaltete sich dementsprechend arbeitsintensiv.

Steinbruch mit Löwe

Wie Echos vergangener Tage stehen die Tiere in einer Umgebung, die nicht mehr ihre Heimat ist. Schuld ist die explosionsartige Geschwindigkeit, mit der die urbane Entwicklung auf dem Kontinent voranschreitet – ohne Rücksicht auf Natur und Mensch.

Straße zur Fabrik mit Zebra

Die Aufnahmen vorzubereiten dauerte lange: häufig mehrere Tage. Die Menschen, die ebenfalls auf den Bildern zu sehen sind, nahmen die Foto-Crew irgendwann kaum noch zur Kenntnis. Ein Effekt, den Brandt begrüßt, trägt er doch zur geisterhaften Erscheinung der abgebildeten Tiere bei.

Straße mit Elefant

Craig, ein 40 Jahre alter Elefant aus dem Amboseli-Nationalpark in Kenia, ist eines von Nick Brandts Lieblingsmotiven. 

Unterführung mit Elefanten

Der vollständige Titel dieses Bildes lautet "Underpass With Elephants (Lean Back, Your Life Is On Track)". Das Foto zeigt Obdachlose in Nairobi, ihrerseits Leidtragende verfehlter Politik. Rechts im Hintergrund ist ein Werbeplakat zu sehen. Im großformatigen Original kann man darauf ebenjenen Satz lesen: Lehn dich zurück, dein Leben läuft genau richtig. Ein Zufallsprodukt, das die Widersprüchlichkeit und Unbehaglichkeit des Motivs noch verstärkt.

Einöde mit Elefant

Besonders belastend war die Arbeit auf den Müllhalden in Kenia. Zwölf Tage arbeitete das Team in Nakuru.

Einöde mit Löwe

Nach nur zwei Tagen litten Mitglieder seiner Crew an Nasenbluten und bakteriellen Infektionen – an einem Ort, an dem Menschen leben und im Abfall nach Resten von Nahrung suchen.

Müllhalde mit Nashorn

"Inherit The Dust" ist ein trauriger Abgesang an verlorene Heimat und eine eindringliche Bitte, sie nicht weiter zu zerstören. Der Fotograf kämpft nicht bloß mit der Kamera für den Lebensraum. Im September 2010 gründete Nick Brandt die Non-Profit-Organisation "Big Life Foundation": Sie soll dabei helfen, die afrikanische Tierwelt zu erhalten.

Alle Bilder © Nick Brandt

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Einkaufsratgeber Fisch

Die Meere und ihre Fischbestände müssen geschützt werden – und jeder Verbraucher kann dazu beitragen: mit der sorgfältigen Auswahl beim Fischeinkauf. Stammt der Fisch aus nachhaltigem Fang? Ist die Art bedroht? Oder gar schon überfischt?

Mehr zum Thema

Baby-Brei fürs Fischgericht

In China werden jährlich vier Millionen Tonnen junger Wildfische zu Brei zermahlen und an Fische in Aquakulturen verfüttert. Ein Desaster für das Ökosystem Meer.

Zukunft für den Großen Bären

Großer Erfolg in Kanada: Mehr als drei Millionen Hektar des Great-Bear-Regenwaldgebietes sind endlich langfristig vor Abholzung geschützt – ein Gebiet der Größe von Belgien.

„Trophäenjagd abschaffen“

Was hat das Hirschgeweih an der Gasthaus-Wand mit der Artenarmut in unseren Wäldern zu tun? Eine ganze Menge, erklärt Dr. Georg Meister, Förster und Buchautor, im Interview.