Shells Ölbohrungen im Nordpolarmeer erleiden die erste Schlappe

Strich durch die Rechnung

Der Ölkonzern Shell hat mit den Bohrungen in der Arktis noch nicht begonnen, da muss eines seiner Schiffe wieder umkehren. Und noch etwas bereitet Kopfzerbrechen: Walrösser.

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Die erste Panne ließ nicht lange auf sich warten: Shells Arktisflotte ist noch nicht an den geplanten Bohrstellen angekommen, da zwingt ein Riss im Rumpf ein Schiff zur Umkehr.  Die MSV Fennica, ein finnischer Eisbrecher, war auf dem Weg von Dutch Harbour, Alaska, in die Tschuktschensee, als das Leck entdeckt wurde, und musste vorerst in den Hafen zurückkehren.

Der etwa ein Meter lange und fünf Zentimeter breite Riss wird jetzt von Experten untersucht; die Ursache des Schadens ist bislang unklar.  Das 22 Jahre alte Schiff soll Eisschollen von den künftigen Bohrstellen fern halten. An Bord befinden sich außerdem wichtige Teile des Notfall-Equipments. Noch ist unklar, wie schnell das Leck repariert werden kann und ob, beziehungsweise wie sehr Shells Zeitplan dadurch verzögert wird.  

Zeit für die Notbremse

Die Fennica ist nur eines von 30 Schiffen, die Shells „Polar Pioneer“-Bohrplattform und das Bohrschiff „Noble Discoverer“ in diesem Sommer in die Tschuktschensee begleiten. Die MSV Nordica, ein weiterer Eisbrecher aus Finnland, sowie zwei weitere Schiffe sind ebenfalls im Einsatz, um die Bohrstellen vor Eisschollen zu schützen. Doch die Fennica hat zusätzlich ein unverzichtbares Element von Shells Notfall-Ausrüstung an Bord: jenes Teil, das im Falle eines unkontrollierten Ölaustritts das Leck verschließen soll.

Mit dem Riss setzt sich Shells Pannenserie von 2012 fort. Damals wäre die „Noble Discoverer“ fast havariert; die Bohrplattform „Kulluk“ lief während eines schweren Sturms auf Grund und erlitt einen Totalschaden. „Die US-Regierung muss endlich die Notbremse ziehen und Shell Bohrungen in der Arktis untersagen. Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, dass der Konzern diesem Projekt nicht gewachsen ist. Wenn Shell so weiter macht, ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer riesigen Ölkatastrophe in der Arktis kommt“, so Larissa Beumer, Greenpeace-Expertin für die Arktis.

Wer das Walross stört…

Auch Walrösser machen Shell das Leben schwer. Ursprünglich hatte der Konzern geplant, in diesem Jahr zwei Probebohrungen gleichzeitig durchzuführen – eine mit der „Polar Pioneer“ und eine mit der „Noble Discoverer“. Dafür kommen sechs Bohrstellen im Burger-Ölfeld in der Tschuktschensee in Frage, für das Shell die Bohrlizenzen hat. Eine Zulassungsvorgabe der US-Behörden zum Schutz von Walrössern aus dem Jahr 2013 könnte dem Unternehmen jedoch einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Regelung sieht vor, dass Bohrtätigkeiten mindestens 15 Meilen voneinander entfernt stattfinden müssen. Dieser Abstand wäre zwischen keinen der sechs Bohrstellen gegeben - ein eindeutiger Verstoß gegen die vom US Fish und Wildlife Service (FWS) erteilte „Störgenehmigung“ für Walrösser und Eisbären. Auf diesen Widerspruch hatte Greenpeace gemeinsam mit neun anderen Umweltorganisationen in einem Brief an die US-Innenministerin Sally Jewell aufmerksam gemacht.

Ein teurer Rückschlag für Shell

Noch ist unklar, was der Verstoß für Shells Vorhaben in diesem Jahr bedeutet. Das US-Innenministerium und auch die erteilte Genehmigung des FWS machen lediglich klar, dass Shell nicht wie geplant zwei Bohrungen parallel durchführen kann – sie werden entweder erst an einer Stelle und danach an der anderen bohren müssen, oder an zwei Bohrstellen abwechselnd. Ein schwerer (und potenziell kostspieliger) Rückschlag also für die Pläne des Ölkonzerns.

Nicht nur Walrösser und Eisbären leiden unter den Arktisplänen, Shell hat weiterhin die Genehmigung, tausende von Walen und Robben durch den bei Bohrungen und Schiffsbewegungen entstehenden Unterwasserlärm zu stören – mit möglichen schwerwiegenden Folgen für die Tiere.

Die Umsetzung der – wie auch immer eingeschränkten - Pläne steht kurz bevor: Die einzige ausstehende Genehmigung, die Shell noch benötigt, um offiziell mit den Probebohrungen beginnen zu können, ist die konkrete Bohrgenehmigung vom Bureau of Safety and Environmental Enforcement für die eine beziehungsweise zwei Bohrstellen, für die der Konzern sich letztendlich entscheidet. Eine nicht gerade ermutigende Aussicht in Anbetracht der Pannen-Vergangenheit des Konzerns.

>>> Unterstützen Sie Greenpeace und fordern Sie den Geschäftsführer von Shell Deutschland auf, die Arktispläne sofort aufzugeben!

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