Gegen Shells Arktis-Ölbohrung: Riesen-Putzlappen auf dem Hamburger Rathausmarkt

Saubere Arbeit

Schwarzer Humor gegen schwarze Ölteppiche: Aus Protest gegen Shells Ölbohrungen in der Arktis entrollen Greenpeace-Aktivisten am Morgen den größten Putzlappen der Welt.

  • /

Wie Fallschirmspringer hüpfen die Greenpeace-Aktivisten um kurz vor zehn Uhr von einer Lastwagenrampe am Hamburger Rathausmarkt. In ihren gewaltigen Rucksäcken: der größte Putzlappen der Welt, aufgeteilt in 18 riesige Streifen. 15.000 Unterstützer aus aller Welt haben ihren eigenen kreativ gestalteten Stofftücher an Greenpeace geschickt, damit in Hamburg daraus ein zusammenhängender Feudel genäht wird – und jeder einzelne Einsender fordert, dass der Shell-Konzern seine Ölbohrungen in der Arktis stoppt.

Präsentiert wird der Lappen der Welt erstmals vor dem Hamburger Rathaus. Dort bläht der Wind die drei Meter breiten und 20 Meter langen Bahnen beim Entrollen wie Segel; mit Karabinerhaken, Sandsäcken und Backsteinen halten die Aktivisten den Stoff am Boden. Keine Stunde später ist der Rathausmarkt bedeckt mit Forderungen an Shell, sich aus der Arktis zurückziehen – in Schrift und Bild; auch die Werke prominenter Unterstützer wie Otto Waalkes, Udo Lindenberg und Stefanie Heinzmann sind in den Riesenlappen eingenäht.

Gegen eine Katastrophe mit Ansage

Viele Aktivisten sind zum Anpacken aus dem Umland angereist. Wenn Touristen fragen, wo es zur Speicherstadt geht, können sie nicht weiterhelfen. Aber wenn es um den Sinn der Aktion geht, antworten alle ohne lange zu überlegen: Wenn Shell in der Arktis nach Öl bohrt, kommt es nach Einschätzung von US-Behörden mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu einem Unfall. Die Notfallpläne des Konzerns sind in dem unwirtlichen Gebiet völlig unzureichend. Wenn etwas passiert, so der schwarzhumorige Anlass der Aktion, sollte Shell ein überdimensionales Wischtuch bereithalten.

Zudem muss das arktische Öl im Boden bleiben, wenn die Erderwärmung unter den kritischen zwei Grad bleiben soll. Erneuerbare Energien werden in Zukunft den Bedarf der Welt soweit decken, dass die Bodenschätze vor Alaska überhaupt nicht benötigt werden – im Gegenteil: mit ihnen ist der Klimawandel nicht aufzuhalten.

Selfies mit Eisbärin Paula

Der Klimawandel bedroht genau wie Shells Ölbohrungen die Arktis– und somit unter anderem auch die Eisbären, die dort leben. Deshalb sind auf viele der liebevoll gestalteten Putzlappen Eisbären gezeichnet. Die betrachtet ein Gast auf dem Rathausmarkt besonders interessiert: Die lebensechte Greenpeace-Eisbärin Paula – stets umringt von Handyfotografen und mutigen Kindern, die einmal übers Fell streicheln wollen. Eine Aktivisten-Gruppe singt Paula ein Anti-Shell-Ständchen, den Hansestadt-Klassiker „An der Eck steht’n Jung mit’m Tüdelband“ mit neuem Text: Aus dem „Klacks für’n Hamburger Jung“ wird „Geht weg mit eurem Dreck!“

Aber noch ist der Lappen nicht ganz fertig: Am Nordostzipfel motivieren Greenpeace-Aktivisten Passanten, ihre Forderungen direkt auf noch weiße Teilstücke zu zeichnen. Und für die nächsten Quadratmeter steht eine Nähmaschine auf dem Rathausmarkt, auf der Aktivisten die Putzlappen miteinander vernähen, die spontan am Nebentisch gestaltet werden.

Im Anschluss an die Aktion in Hamburg geht das 1000 Quadratmeter große Wischtuch auf Deutschlandtour, danach wird es an Shell übergeben. Bis dahin dürfte das Kunstwerk noch ein gutes Stück gewachsen sein – und ist damit nicht nur der größte Putzlappen, sondern wahrscheinlich auch der größte Denkzettel der Welt.

>>> Helfen auch Sie Paula, damit ihre Heimat erhalten bleibt, und unterzeichnen Sie die Greenpeace-Petition für den Schutz der Arktis!

Die weiteren Termine der Tour:

25. September, Weiden
26. September, Erlangen
27. September, Mannheim/Heidelberg
29. September, Augsburg
1. Oktober, Hannover
3. Oktober, Dortmund
4. Oktober, Düsseldorf
16. Oktober, Bochum
17. Oktober, Aachen
18. Oktober, Bad Kreuznach
19. Oktober, Darmstadt
23. Oktober, Berlin
25.-27. Oktober, Stralsund (Ozeaneum)
5. November, Kronach
6. November, Regensburg
7.-8. November, Friedrichshafen
9. November, Böblingen/Sindelfingen
10. November, Esslingen

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Seismische Untersuchungen bedrohen Wale

Der Lärm seismischer Untersuchungen bei der Suche nach Öl wirkt sich negativ auf Meereslebewesen aus – so das Ergebnis eines neuen Berichts der Marine Conservation Research.

Zur Kampagne

Arktis-Pläne einfrieren!

Shell ist zurück in der Arktis. Vor der Küste Alaskas sucht der Konzern nach Öl – trotz hoher Risiken und internationaler Proteste.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Aufräumen am Ende der Welt

Plastikmüll an Stränden ist leider nichts Neues. Aber in der Arktis? Greenpeace barg an der Küste Spitzbergens bergeweise Kunststoff – Folgen einer ausufernden Fischereiindustrie.

12 Freunde

Die Kiezkicker vom FC St. Pauli unterstützen die Greenpeace-Kampagne zum Arktisschutz – und unterzeichneten als erster deutscher Profisportverein die Arctic Declaration.

Überraschender Besuch

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise trägt den Protest gegen die Ölbohrungen des Konzerns OMV in die Barentssee. Vor dessen Ölplattform flattern nun Banner: „Raus aus der Arktis!“