Drei Gründe, warum die Klima-Vereinbarungen zwischen den USA und Kanada ein bedeutender Schritt für den Arktisschutz sind

Mächtige Schutzpatrone

Das erste Treffen von US-Präsident Obama mit Kanadas neuem Premierminister Trudeau drehte sich um ein frostiges Thema: den Schutz der Arktis. Den wollen sie gemeinsam vorantreiben.

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US-Präsident Barack Obama und Kanadas Premierminister Justin Trudeau wollen sich ab sofort gemeinsam gegen den Klimawandel engagieren; das ließen sie jüngst in einer Erklärung zur Klima-, Energie- und Arktispolitik verlauten. Eines ist ihnen dabei ganz besonders wichtig: der Schutz der Arktis. Die wollen sie künftig vor der Förderung fossiler Energien bewahren.

Die wohl wichtigste Vereinbarung ihres Abkommens: Kommerzielle Aktivitäten in der Arktis – und dabei werden explizit Öl- und Gasbohrungen genannt – sollen ab sofort nur noch nach eingehender wissenschaftlicher Prüfung stattfinden. Sie dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn sie sowohl mit globalen Klima- und Umweltzielen als auch mit den Bedürfnissen und Rechten der indigenen Bevölkerung vereinbar sind.

Liest man zwischen den Zeilen, ist dieses Abkommen ein bedeutender Schritt für die Arktis und den Umweltschutz. Wir erklären, warum.

1. Das Öl der Arktis im Boden lassen

Auf der Klimakonferenz in Paris vereinbarten die teilnehmenden Staaten, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken. Doch die Ölbohrungen in der Arktis stehen im absoluten Widerspruch zu diesen internationalen Zielsetzungen. Denn aktuelle Studien zeigen: Soll überhaupt eine Chance bestehen, das Klimaziel zu erfüllen, muss 100 Prozent des arktischen Öls im Boden bleiben.

Nun müssen die Vereinbarungen von Paris auch in der Politik umgesetzt werden. Ist es Präsident Obama ernst mit seinen Vereinbarungen mit Trudeau, muss er alle arktischen Gebiete aus seinem Fünf-Jahres-Programm für Offshore-Ölbohrungen streichen, das in den kommenden Wochen als Entwurf veröffentlicht und bis Ende 2016 verabschiedet werden soll. In diesem Programm wird festgelegt, in welchen Regionen in den Jahren 2017 bis 2022 neue Lizenzen für Ölbohrungen vergeben werden. Derzeit noch auf der Liste: Gebiete in der Tschuktschen- und Beaufortsee vor der Küste Alaskas.

Das amerikanische Offshore-Programm ist die erste und vielleicht wichtigste Bewährungsprobe für die Vereinbarungen zwischen Obama und Trudeau. Es zeigt, wie sehr die momentane Energiepolitik der USA in Konflikt mit den Klimaverpflichtungen von Präsident Obama steht. Der hat versprochen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und diesbezüglich auch schon eine Reihe starker Maßnahmen beschlossen. Trotzdem subventioniert die amerikanische Regierung weiterhin Öl-, Gas- und Kohlegesellschaften, indem sie ihnen Bundesterritorien und -gewässer zur kommerziellen Nutzung verpachtet.

Die Bekanntgabe der Klimavereinbarungen zwischen Obama und Trudeau kann und muss einen Wendepunkt in der Politik der aktuellen US-Regierung darstellen. Damit fossile Energien endlich dort bleiben, wo sie hingehören – im Boden.

2. Meeresschutz und internationale Vorreiterrolle

Trudeau und Obama wollen mit ihrer Vereinbarung nicht nur ihre eigenen Länder zum Handeln verpflichten. Sie rufen auch alle anderen Nationen dazu auf, sich ihnen im Arktisschutz anzuschließen. Damit signalisieren sie, dass sie in Zukunft eine Vorreiterrolle im Nordpolarmeer übernehmen wollen. Mit den USA als derzeitigen Vorsitzenden des Arktischen Rates, ein zwischenstaatliches Forum zum Interessenausgleich zwischen den arktischen Anrainerstaaten und den indigenen Völkern, und Kanada, welches den Vorsitz vor den USA inne hatte, sind die beiden Staaten in einer guten Position, um den Arktisschutz voranzutreiben.

Eine der Zielsetzungen, die Obama und Trudeau erneut bestätigt haben, ist es, zehn Prozent der Meeresfläche bis spätestens 2020 unter Schutz zu stellen. Bei diesem Ziel hinken die Länder bislang hinterher, versprechen aber einen starken Endspurt. Die Lage der Schutzgebiete soll zusammen mit führenden Meereswissenschaftlern und indigenen Interessensgruppen bestimmt werden. Die Vereinbarung ruft auch die anderen arktischen Anrainerstaaten dazu auf, beim Aufbau eines Netzwerkes von Meeresschutzgebieten im Arktischen Ozean mitzuwirken.

Greenpeace hofft, dass andere Länder dem Beispiel der USA und Kanadas folgen und sich ebenfalls zum permanenten Meeresschutz in der Arktis verpflichten. Die Arktisnationen sollten gemeinsam ein weitläufiges Netz von Meeresschutzgebieten schaffen, die Verwendung von Schweröl in der Schifffahrt untersagen und die Suche nach fossilen Energien mittels „Seismic Blasting“ verbieten, die die Meereslebewesen der Arktis massiv bedrohen. Die industrielle Ausbeutung der Arktis muss ein für alle Mal beendet werden.  

3. Die sozialen Auswirkungen des Treibhauseffektes

Außerdem wollen die beiden Nationen gemeinschaftlich die sozialen Auswirkungen des Treibhauseffektes einschätzen und Maßnahmen zur Reduzierung von Emissionen entwickeln. Das erklärte Ziel ist, so steht es in der Erklärung der USA und Kanadas, einen gemeinsamen Weg zu finden, um Regulationen für Emissionen richtig abschätzen und durchsetzen zu können und so die Klimavereinbarungen von Paris einzuhalten. Zwar ist dieser Abschnitt der Erklärung recht vage formuliert, doch könnte das ein bedeutender Schritt hin zur Einhaltung der internationalen Klimavereinbarungen sein.

Die Folgen des stetig voranschreitenden Klimawandels sind immens. Desaster wie Überschwemmungen, Waldbrände, zunehmende Sturmintensität, der steigende Meeresspiegel und die vermehrte Anzahl an Krankheitserregern kosten Leben, Sachwerte und Geld. Doch bisher werden die sozialen Auswirkungen der Verbrennung fossiler Energien im politischen Entscheidungsprozess kaum berücksichtigt.

Die Übereinkunft zwischen US-Präsident Barack Obama und Kanadas Premier Justin Trudeau könnte der Beginn eines wichtigen Wandels in der weltweiten Umwelt- und Klimapolitik sein.

Dieser Beitrag wurde im Original von Greenpeace USA veröffentlicht.

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