Greenpeace-Aktivisten protestieren in Portland gegen Auslaufen von Shell-Eisbrecher

Kein Durchkommen

In Portland hängen Greenpeace-Aktivisten von einer Brücke in der Hafenausfahrt. Shells Bohrpläne in der Arktis liegen damit kurzfristig auf Eis.

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Die Fennica ist repariert – und kann doch nicht den Hafen verlassen. Das Pannen-Schiff aus der Bohrflotte von Shell war vor der Küste Alaskas leckgeschlagen und wurde in Portland im US-Bundesstaat Oregon vergangene Woche wieder seetüchtig gemacht. Eigentlich sollte das Schiff gestern erneut Richtung Arktis auslaufen, doch 26 Greenpeace-Aktivisten haben etwas dagegen. Dreizehn von ihnen hängen an Seilen von der St.-Johns-Brücke über dem Willamette River, diese Ausfahrt muss die Fennica nehmen, um aufs offene Meer zu gelangen. Sie haben Verpflegung für mehrere Tage dabei, mit Bannern fordern sie, die Arktis zu schützen.

„Meine Nachricht an Shell lautet: Eure Unfähigkeit und Verzweiflung ist offensichtlich“, sagt Kristina Flores, eine der Greenpeace-Aktivisten auf der Brücke. „Ihr stellt euch gegen die Bevölkerung, und die Macht liegt bei uns. Ihr könnt nicht gewinnen.“

Die Aktion ist nicht rein symbolisch: Die Fennica hat als einziges Schiff der Shell-Flotte eine Vorrichtung zum Verschluss eines Öllecks an Bord, die unverzichtbarer Bestandteil der Notfallausrüstung ist. Ohne das Teil darf Shell nicht anfangen, in der Arktis nach Öl zu bohren – obwohl der Rest der Flotte bereits in der Tschuktschensee angekommen ist. Die Aktivisten gewinnen damit vor allem Zeit. „Die US-Regierung muss endlich die Notbremse ziehen und Shell Bohrungen in der Arktis untersagen“, sagt Larissa Beumer, Arktis-Expertin von Greenpeace Deutschland. Bis die Fennica am Bohrort eintrifft, hat Shell lediglich die Genehmigung der US-Regierung, oberflächliche Bohrungen durchzuführen, die nicht bis in potenziell ölführende Schichten vordringen.

Der Druck auf Obama steigt

Der Widerstand gegen Shell wächst zusehends. Eine Risikoabschätzung der US-Behörde „Bureau of Ocean Energy Management“ geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für einen schwerwiegenden Ölunfall untragbar hoch ist. Zudem haben US-Politiker der Demokratischen Partei wie Al Gore und Hillary Clinton jüngst Zweifel an der Sicherheit von Ölbohrungen in der Arktis geäußert. Oregons Senator Jeff Merkley hat zusammen mit fünf anderen US-Senatoren ein Gesetz gegen arktische Ölbohrungen vorgeschlagen.

Das erhöht den Druck auf Präsident Obama, die Bohrungen vor der Küste Alaskas zu stoppen. „Er hat noch immer ein Zeitfenster, Shell die letzte notwendige Erlaubnis für Bohrungen in der Arktis abzuschlagen, aber es schließt sich rasch“, sagt Annie Leonard, Geschäftsführerin von Greenpeace USA. „Nun liegt es an ihm aufzustehen und zu sagen: Ich kämpfe fürs Klima!“

Der Ärger über die Bohrpläne des Ölkonzerns in der Arktis ist global: Erst am Dienstag projizierten deutsche Greenpeace-Aktivisten ihre Forderung an Shell, sich aus der Arktis zurückzuziehen, an Kühltürme einer Shell-Raffinerie bei Köln.

>>> Schließen Sie sich dem Protest an und fordern Sie den Geschäftsführer von Shell Deutschland auf, die Arktispläne sofort aufzugeben!

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