Ein Artikel von Benjamin Borgerding

Kanadas neue Schlüsselrolle beim Schutz der Arktis

Am Mittwoch hat die kanadische Regierung den Vorsitz des Arktischen Rates übernommen. Für die Arktis lässt das Schlimmes befürchten: Der kanadische Premierminister Stephen Harper hat enge Beziehungen zur Ölindustrie und unterstützt daheim die zerstörerischen Ölsande-Projekte.

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Eigentlich soll der Arktische Rat für Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Arktis sorgen, doch die Harper-Regierung will die Industrialisierung der Region vorantreiben. Kanadische Politiker haben sich bereits dafür ausgesprochen, der Industrie ein größere Mitspracherecht im arktischen Rat einzuräumen.

"Wir werden nicht einfach dabei zuschauen, wie die kanadische Regierung in den nächsten zwei Jahren im arktischen Rat ihre Agenda in die Tat umsetzt," sagt Christy Ferguson von Greenpeace Kanada. "Die Entscheidungen darüber, welche Entwicklungen für diese Region sicher und nachhaltig sind, sollten nicht von Unternehmen gefällt werden, die von ihrer Zerstörung profitieren. Der Arktische Rat sollte ein Forum sein, dass Umweltkatastrophen wie Ölunfälle verhindert - und sie nicht in die Wege leitet."

Beim Treffen des Arktischen Rats im schwedischen Kiruna kamen am Mittwoch Vertreter der Arktis-Anrainer zusammen. Die Pläne, die die kanadische Gesundheitsministerin Leona Aglukkaq bei dem Treffen vorstellte, ließen unerwähnt, was die arktischen Staaten gegen den Klimawandel tun können oder wie sich Ölunfälle in der Region vermeiden lassen.

Am Ende des Treffens stand weder eine verbindliche Vereinbarungen zur Reduktion der CO2-Emissionen, noch war ein Bemühen erkennbar, den Ölrausch in der Arktis einzudämmen. Die Warnungen der vom Rat selbst bestellten Wissenschaftler und einiger Minister blieben ungehört.

Greenpeace fordert, dass Kanada und der Arktische Rat in den nächsten zwei Jahren konkrete Ergebnisse präsentieren müssen, um die Arktis zu schützen:

  • Für Offshore-Öl- und Gasbohrungen müssen neue und verbindliche Standards entwickelt werden, inklusive eines Verbots von Ölbohrungen in arktischen Gewässern, da es nicht möglich ist, einen Ölunfall in der Arktis auszuschließen und angemessen auf ihn zu reagieren.
  • Dringendes Handeln ist geboten, um die Treibhausgas-Emissionen der Arktischen Staaten zu reduzieren, inklusive (aber nicht ausschließlich) einer Reduzierung des Ausstoßes von schwarzem Kohlenstoff.
  • Meeresschutzgebiete sind nötig, inklusive eines internationalen Schutzgebietes im zentralen Arktischen Ozean, als Teil eines verbesserten Plans zum Schutz der arktischen Biodiversität.
  • Es muss etwas gegen nicht-nachhaltige industrielle Fischerei unternommen werden.
  • Der Arktische Rat muss hinsichtlich seiner Transparenz und Inklusivität untersucht werden.

Greenpeace fordert, dass die unbewohnte Region um den Nordpol zu einem internationalen Schutzgebiet erklärt wird, das diese Gegend vor jeglichen Formen der industriellen Ausbeutung schützt. Außerdem fordert Greenpeace Verbote gegen Ölbohrungen und industrielle Fischerei in arktischen Gewässern. Auf der Seite savethearctic.org haben bereits über drei Millionen Menschen diese Forderung unterzeichnet.