Greenpeace-Aktivisten protestieren für den Schutz der Arktis

Eisbär auf Heimatschutz-Mission

Mit Booten und „bäriger“ Unterstützung protestieren Greenpeace-Aktivisten im Hamburger Hafen. Hier liegt ein Tanker, der für Gazprom Öl aus arktischen Gewässern transportiert. 

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Elbwasser spritzt auf, als ein Schlauchboot an dem Öltanker Mikhail Ulyanov vorbeizieht. Vorne am Bug – ein Eisbär. Das weiße Fell des Tieres strahlt im Sonnenlicht. Es steht auf den Hinterläufen, mit den Vorderpfoten streckt er ein Banner empor: „Gazprom zerstört die Arktis“.

Natürlich ist es kein echter Bär – ein Greenpeace-Aktivist steckt in dem flauschigen Kostüm. Seit mehreren Tagen sind die Umweltschützer mit dem Segelschiff Beluga II und mehreren Schlauchbooten im Hamburger Hafen unterwegs. Sie protestieren gegen den russischen Energiekonzern Gazprom, der Erdöl aus arktischen Gewässern fördert. Der 257 Meter lange Tanker, der zurzeit zur Reparatur im Dock liegt, transportiert das Öl aus den Offshore-Bohrungen nach Europa.

„Ölunfall in der Arktis ist nicht beherrschbar“

Mit der Plattform Prirazlomnaya bohrt Gazprom in der arktischen Petschorasee und riskiert, eine Umweltkatastrophe in der einzigartigen, hoch sensiblen Region auszulösen. Die Aktivisten fordern deshalb, dass Gazprom die Ölförderung dort umgehend einstellt. Denn Gazprom ist der weltweit erste Konzern, der Ölförderung in arktischen Gewässern betreibt. Andere Unternehmen wie Shell haben ihre Pläne für Ölbohrungen in der Region bisher nicht realisieren können.

Nahe der russischen Plattform sind mehrere Naturschutzgebiete in akuter Gefahr. Läuft dort Öl aus, gibt es weltweit kein wirksames Verfahren, um es in den vereisten Gewässern zu bergen. „Die extremen klimatischen Bedingungen machen einen möglichen Ölunfall in der Arktis nicht beherrschbar“, sagt Lisa Otte, Greenpeace-Expertin für die Arktis.

Protest in der Petschorasee und die „Arctic 30“

Greenpeace setzt sich schon lange für den Schutz der arktischen Gewässer vor der Öl-Industrie ein. So protestierten etwa im September 2013 Aktivisten friedlich an Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise gegen die Gazprom-Bohrungen in der Petschorasee. Die russischen Behörden verhaftete die Besatzung. Erst nach 70 Tagen wurden die „Actic 30“ –  28 Aktivisten und zwei Journalisten  – infolge von internationalen Protesten freigelassen.  

Welches Risiko das Geschäft mit dem „schwarzen Gold“ birgt, hat sich in der Vergangenheit oft gezeigt. Eine Öl-Katastrophe, welche die Arktis stark betroffen hat jährt sich nun zum 26. Mal: Am 24. März 1989 lief der US-amerikanische Öltanker Exxon Valdez auf ein Riff auf und havarierte vor der Küste Alaskas. Es kam zu einer der größten Öl-Umweltkatastrophen aller Zeiten, rund 40.000 Tonnen Rohöl liefen in arktische Gewässer. Noch Jahre später bleiben Folgen für das Ökosystem spür- und messbar.

>>> Mehr über den Greenpeace-Protest gegen Gazprom und den Tanker Mikhail Ulyanov finden Sie hier.

Publikationen

Öl aus der Arktis auf dem Weg nach Europa

Im Dezember 2013 hat Gazprom begonnen, mit der „Prirazlomnaya“-Plattform Öl in der arktischen Petschora See zu fördern. Der Tanker "Mikhail Ulyanov" transportiert das Öl nach Rotterdam.

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