Greenpeace-Aktivisten protestieren an Shell-Tankstellen gegen Ölbohrungen in der Arktis

Aufkleben statt Auftanken

An Shell-Tankstellen zeigten Greenpeace-Aktivisten heute bundesweit ihren Unmut über die Ölbohrungen des Konzerns in der Arktis – mit Stickern und aufklärenden Kundengesprächen. 

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Greenpeace-Aktivisten haben nicht nur Ideen, wie man die Welt verbessert. Seit einer Weile berichtigen sie auch die Werbung des Ölkonzerns Shell. Den Plakatspruch „Das Leben ist zu kurz, um Benzinpreise zu vergleichen“ überkleben sie mit der weitaus substanzielleren Aussage „Die Arktis ist zu kostbar, um Ölunfälle zu riskieren“.

Heute waren sie wieder gegen Ölbohrungen in der Arktis und für Erneuerbare Energien unterwegs: Bundesweit hefteten sie an Tankstellen des Konzerns ablösbare Protest-Aufkleber auf Zapfsäulen und Werbetafeln. Vor Ort klärten sie Kunden über Shells verhängnisvolle Pläne auf.

Denn der familienfreundliche Charakter der Shell-Werbekampagne („Wo ist Papa?“ – „Der vergleicht noch Benzinpreise.“) ist angesichts der riskanten Erschließung neuer Ölvorkommen reine Scharade. Vor allem auch für kommende Generationen müssen schnellstens die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden – ansonsten ist das Ziel, die Erderwärmung  unter den kritischen zwei Grad zu belassen, kaum zu erreichen. „Um den Klimawandel in beherrschbaren Grenzen zu halten, muss der Großteil der Ölreserven im Boden bleiben“, fordert Karsten Smid, Greenpeace-Experte für Klima. „Shell muss die klimapolitische Amokfahrt in der Arktis jetzt stoppen.“

Schlechte Vorbereitung, schlechter Zeitpunkt

Hinzu kommt, dass Ölunfälle in dem schwer zugänglichen Gebiet kaum in den Griff zu bekommen sind, Shells Notfallpläne sind für die Arktis völlig unzureichend. Bereits jetzt ist die Expedition des Ölkonzerns in die Tschuktschensee von Pannen geplagt.

Zudem könnte Shells Zeitpunkt für den Beginn der Ölsuche nicht unpassender sein: Die Bohrungen haben nur wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz begonnen. In Paris wollen die Regierungschefs der Welt gemeinsame Lösungen beschließen, wie der Klimawandel aufgehalten werden kann. Shells Arktispläne sind damit in keiner Weise vereinbar: Durch den Ausbau sauberer Energie ist der Bedarf an Öl mit den bestehenden Ressourcen gedeckt; wird zusätzlich Öl aus der Arktis gefördert und verbraucht, rücken die Klimaziele in weite Ferne.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte Greenpeace zudem die aufsehenerregende Studie „Energy [R]evolution“, nach der die Welt ab 2050 ihre gesamte Energieerzeugung auf Erneuerbare umgestellt haben kann. Die dazu nötigen Investitionen würden mehr als kompensiert durch eingesparte Brennstoffkosten. Zudem würden bis 2030 weltweit 20 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.

Gründe genug, Shell einen Denkzettel zu verpassen. Oder mehrere selbstklebende.

>>> Protestieren auch Sie gegen Shells Ölbohrungen in der Arktis! Fordern Sie den Deutschland-Chef von Shell auf, die Bohrungen des Konzerns in der Arktis sofort einzustellen.

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