Ausreise-Visum für Anthony Perrett beantragt

Anklage gegen Arctic 30-Aktivisten formell eingestellt

Nach der vom russischen Parlament beschlossenen Amnestie für die Arctic 30 ist am Dienstag gegen die Anklage gegen Anthony Perrett aus Großbritannien wegen Rowdytums formell eingestellt worden. Unmittelbar im Anschluss daran hat Perrett als erster der 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten, die nach einem friedlichen Protest an einer Gazprom-Bohrinsel seit drei Monaten in Russland festgesetzt sind, erneut ein Ausreise-Visum beantragt.

  • /

Auch gegen die übrigen Arctic 30-Aktivisten dürften die Anklagen in Kürze eingestellt werden. (UPDATE, 25.12.2013: Am Mittwoch ist auch die Anklage gegen die übrigen Arctic 30 eingestellt worden.) Das diesjährige Weihnachtsfest werden sie aber nicht mehr zuhause erleben: Die Migrationsbehörde hat Perrett mitgeteilt, dass sie ihn erst am 26. Dezember wegen der Aushändigung der zur Ausreise benötigten Visa-Dokumente kontaktieren wird.

Der aus Newport in Wales stammende Perrett sagte zum Einstellen der Anklage:

„Ich habe friedlich dafür protestiert, eine sensible und enorm bedrohte Region zu schützen. Dafür wurde ich von einem bewaffneten Einsatzkommando festgenommen und für zwei Monate in Untersuchungshaft gesteckt. Die Arktis schmilzt vor unseren Augen und trotzdem stehen die Ölkonzerne Schlange, um von ihrer Zerstörung zu profitieren. Darum habe ich gehandelt. Ich bin stolz auf das, was ich tat.“

Anthony befand sich an Bord der Arctic Sunrise, als das Greenpeace-Schiff am 19. September von einem Einsatzkommando des russischen Geheimdienstes FSB gestürmt und die komplette Besatzung festgenommen wurde. Einen Tag zuvor hatten Greenpeace-Aktivisten an der Gazprom-Ölbohrinsel Prirazlomnaya in der russischen Petschorasee gegen die Zerstörung der Arktis protestiert.

In der letzten Woche stimmte das russische Parlament einer Amnestie zu und leitete damit auch die Einstellung der Anklage gegen die Arctic 30 in die Wege. Für die Arktis indessen gibt es keine Amnestie: Mittlerweile hat die Prirazlomnaya die Förderung aufgenommen. Gazprom ist damit der erste Konzern weltweit, der Öl aus arktischen Gewässern fördert.

Zum Weiterlesen:

Gazprom startet Ölbohrung in der Arktis

Russisches Parlament beschließt Amnestie für die Arctic 30

Veröffentlichungen zu diesem Thema

Report: Seismische Untersuchungen bedrohen Wale

Der Lärm seismischer Untersuchungen bei der Suche nach Öl wirkt sich negativ auf Meereslebewesen aus – so das Ergebnis eines neuen Berichts der Marine Conservation Research.

Mehr zum Thema

Aufräumen am Ende der Welt

Plastikmüll an Stränden ist leider nichts Neues. Aber in der Arktis? Greenpeace barg an der Küste Spitzbergens bergeweise Kunststoff – Folgen einer ausufernden Fischereiindustrie.

12 Freunde

Die Kiezkicker vom FC St. Pauli unterstützen die Greenpeace-Kampagne zum Arktisschutz – und unterzeichneten als erster deutscher Profisportverein die Arctic Declaration.

Überraschender Besuch

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise trägt den Protest gegen die Ölbohrungen des Konzerns OMV in die Barentssee. Vor dessen Ölplattform flattern nun Banner: „Raus aus der Arktis!“