Arktis

Wenn das ewige Eis schmilzt

Die Arktis, das Gebiet zwischen Polarkreis und Nordpol, ist eine der letzten Wildnisse dieser Erde und ein außergewöhnliches Ökosystem. Aber wie lange noch?

Arktis in Gefahr

Die Erderwärmung lässt das ewige Eis schmelzen, die Permafrostböden tauen auf. Das macht es leichter, die vermuteten Schätze der Arktis auszubeuten: Öl- und Gasvorkommen sowie reiche Fischgründe.

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Greenpeace und Millionen Arktisschützer weltweit setzen sich gegen die Industrialisierung der Arktis ein. Mit Erfolg: Im Herbst 2015 hat der Ölkonzern Shell angekündigt, in "absehbarer Zukunft" nicht mehr vor der Küste Alaskas zu bohren.

Shells Arktis-Projekt erregte im Jahr 2012 weltweit Aufmerksamkeit, als im Laufe einer Pannenserie die Bohrinsel Kulluk strandete und bei behördlichen Tests erhebliche Mängel an Shells Sicherheitsausrüstung festgestellt wurden. Obwohl das Risiko eines schweren Ölunfalls unter den Bedingungen der Arktis besonders hoch ist, hatte der Shell-Vorstand noch im Sommer 2015 bekräftigt, an den geplanten Bohrungen vor der Küste Alaskas festzuhalten.

Bis zum letzten Tropfen

Nirgendwo sind die Folgen der globalen Erwärmung so spürbar wie in der Arktis. Klimaforscher befürchten, dass die arktische See schon im Jahr 2030 das erste Mal komplett eisfrei sein könnte. Doch einigen kommt die rasante Eisschmelze sehr gelegen: Alle Anrainerstaaten stehen in den Startlöchern, um beim Verteilungswettstreit um die Ressourcen nicht zu kurz zu kommen. 
Die Konsequenzen eines massiven Rohstoffabbaus sind kaum abzusehen.

Durch den Rückgang der Eisbedeckung kann die Ölindustrie in bisher unerreichbare Gebiete vordringen. Als erstes Unternehmen hat der russische Öl- und Gaskonzern Gazprom Ende 2013 damit begonnen, von der Plattform Prirazlomnoya im Nordmeer vor Russland, Öl aus arktischen Gewässern zu fördern.

Das Risiko für die Umwelt ist dabei immens. Schon die Erfahrungen mit der Ölförderung an Land in Russland geben Anlass zu großer Sorge: Bereits heute gelangen jedes Jahr 300.000 bis 500.000 Tonnen russisches Öl über die Flüsse in die arktischen Gewässer. Zum Vergleich: Aus der "Deepwater Horizon" entwichen 2010 nach der Explosion der Bohrplattform rund 670.000 Tonnen. Verantwortlich für dieses Umweltdesaster sind Probleme im Betrieb und marode Pipelines.

Extreme Wetterbedingungen sowie besondere Lichtverhältnisse machen das Gebiet um den Pol überhaupt nur für einige Monate im Jahr zugänglich. Ölbohrungen in einer ökologisch so fragilen Region sind höchst gefährlich. Unfälle können sich jederzeit ereignen.

Fischereiflotten drängen in den hohen Norden

Wo sich das Meereis zurückzieht, dringen Fischtrawler mit zerstörerischen Grundschleppnetzen vor und bedrohen die arktische Meereswelt mit ihren unzähligen, teilweise unbekannten Arten. Denn der Meeresbereich, der bisher vom Eis bedeckt war, ist noch unerforscht. Greenpeace setzt sich gegen die industrielle Ausbeutung durch große Fischerei-Flotten ein, die sich aus den USA, der EU, Asien und anderen Gegenden auf den Weg in die Arktis machen. Unser Ziel ist es, die Arktis vor zerstörerischer Fischerei zu schützen, um die marinen Lebewesen zu bewahren, die bereits durch den Klimawandel bedroht sind. Nur ein Moratorium kann die Meereswelt der Arktis vor Zerstörung schützen.

Greenpeace-Ziel: Schutzgebiet Arktis

Das Fischerei-Moratorium muss so lange in Kraft bleiben, bis ein rechtsverbindliches übergeordnetes Rahmenwerk verabschiedet ist, das den Schutz des Ökosystems gewährleistet. Der Bereich des arktischen Meeres, der historisch mit Eis bedeckt war, muss von der Industriefischerei frei bleiben.

Langfristig fordert Greenpeace ein Schutzgebiet in der "Hohen Arktis" rund um den Nordpol sowie ein Verbot für Ölbohrungen in arktischen Gewässern. Die Arktis darf kein Industriestandort werden!

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Häufig gestellte Fragen

  • Was ist ein internationales Schutzgebiet?

    Ein internationales Schutzgebiet unter UN-Protektion markiert eine Sperrzone für Verschmutzer - einen Bereich allein für Wissenschaft und Forschung. In der Antarktis - am anderen Ende der Erde - ist ein Weltpark eingerichtet worden, um zu verhindern, dass zerstörerische Industrien dort Einzug halten. Vergleichbaren Schutz brauchen wir auch für die Arktis!

  • Wieviel Öl wird in der Arktis vermutet?

    Die US-Behörde "US Geological Survey" geht davon aus, dass in der Arktis etwa 13 Prozent der weltweit noch unentdeckten Ölvorräte schlummern - das sind rund 90 Milliarden Barrel. Den Ölbedarf der gesamten Welt könnte diese Menge drei Jahre lang stillen.

  • Welchen Einfluss hat die Arktis auf das globale Klima?

    Die Eisflächen der Arktis reflektieren einen Großteil der Sonnenenergie zurück ins Weltall. Dadurch sorgt das Eis der Arktis dafür, dass sich die Erdatmosphäre nicht aufheizt. Dunkle Gewässer dagegen absorbieren das Sonnenlicht. Durch die globale Erwärmung und das Verschwinden der Eisflächen wird der arktische Kühleffekt daher abgeschwächt. Hinzu kommt: In der Arktis versiegeln Eis und Permafrost große Mengen des hochschädlichen Klimagases Methan, dessen Freisetzung die globale Erwärmung nochmals beschleunigen könnte.

  • Wieviel Prozent des arktischen Meereises ist bereits geschmolzen?

    Um mehr als die Hälfte ist die Meereisdecke in der Arktis in den vergangenen drei Jahrzehnten geschrumpft. Am 16. September 2012 maß die Ausdehnung der arktischen Meereisfläche knapp 3,4 Millionen Quadratkilometer. Sie war damit auf den tiefsten Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichung 1973 gefallen. Beim Eisvolumen (Fläche x Dicke) gehen viele Wissenschaftler sogar davon aus, dass in den Sommermonaten in den letzten dreißig Jahren ein Rückgang von 75 Prozent zu verzeichnen ist.

  • Warum sind Ölbohrungen in der Arktis gefährlich?

    Extreme Temperaturen und Wetterbedingungen, driftende Eismassen und die Entlegenheit der Region machen aus Ölbohrungen in der Arktis ein unkalkulierbares Wagnis. Es gibt keine erprobte Technologie, mit der Öl, das nach einem Unfall unter die Eisschichten ausgelaufen ist, wieder beseitigt werden könnte. Wenn - was aufgrund der Abgeschiedenheit der Bohrstellen möglich erscheint – nach einem Unfall nicht rechtzeitig Entlastungsbohrungen durchgeführt werden können, kann es passieren, dass schlimmstenfalls monatelang Öl aus dem Leck strömen könnte.

  • Forderungen

    • Keine Ölförderung in arktischen Gewässern
    • Errichtung eines umfassenden Schutzgebiets rund um den Nordpol
    • Keine industrielle Fischerei in den bislang eisbedeckten Gewässern der Arktis

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Report: Seismische Untersuchungen bedrohen Wale

    Der Lärm seismischer Untersuchungen bei der Suche nach Öl wirkt sich negativ auf Meereslebewesen aus – so das Ergebnis eines neuen Berichts der Marine Conservation Research.